STS Aktie: Autozulieferer mit Potenzial

Dass die STS Aktie bislang holprig anlief, sagt wenig über die Potenziale aus. Der Autozulieferer weist vernünftige Zahlen auf. (Foto: tom - Adobe Stock)

Neues Spiel, neues Glück. Wenn sich Unternehmen frisch an die Börse wagen, können Anleger der ersten Stunde die volle Kursentwicklung mitnehmen.

Delivery Hero, Noratis, Varta oder der Gesundheitsableger von Siemens Healthineers – dass erfolgreiche Börsengänge die Kurse beflügeln können, zeigt deren Wertentwicklung. Die Aktien der Debutanten konnten bislang im hohen zweistelligen Bereich zulegen.

STS Aktie holprig gestartet

Jüngster IPO-Kandidat war die STS Aktie. Der Nutzfahrzeugzulieferer STS Group aus Hallbergmoos am Münchener Flughafen startete zum 1. Juni an der Frankfurter Börse. Kurz zuvor wurde der Preis der STS Aktie nach unten korrigiert: auf 24 Euro. Geplant war ein Wert zwischen 26 und 32 Euro. Als Grund wurde ein „herausforderndes Marktumfeld“ genannt.

Dabei war das Interesse an den Papieren nicht gering. Insgesamt 2,3 Mio. Aktien konnten gezeichnet werden. Und etliche Privatanleger kamen erst gar nicht zum Zuge. Angesichts der Nachfrage wurde die Mindestabnahme auf 20 Aktien festgesetzt. Doch selbst wer mehr bestellte, erhielt nicht das volle Paket.

Der eigentliche Grund, warum beim Ausgabepreis der Rückwärtsgang eingelegt wurde, liegt durchaus im Marktumfeld, aber nicht allein wegen aufkeimender Unsicherheiten an den Börsen. Es ist die jüngste IPO-Serie selbst, die Anlass zur Vorsicht gibt.

Beim Börsengang-Boom zeigt sich etwa die noch neue DWS Aktie mit einem Verlust von über 14 % unerwartet schwach. Der Markt ist trotz vorhandener Investorengelder nicht endlos aufnahmebereit. Und für dieses Jahr steht noch eine ganze Reihe weiterer Börsengänge auf dem Plan. Zu den ganz großen wird Knorr-Bremse gehören – wobei der IPO dieser Tage erneut verschoben wurde.

Nischenspezialist für Leichtkomponenten

Dass es richtig war, den Ausgabepreis für die STS Aktie auf ein konservatives Niveau herabzusetzen, zeigt die bisherige Entwicklung. Stieg der Preis zuerst auf über 24,60 Euro, rutsche er rasch in den Keller und erholte sich innerhalb einer Woche auf ein Kursniveau knapp oberhalb des Ausgabepreises. In Sachen Performance wurde die erste Woche zum Nullsummenspiel.

Value vs. Growth: Welchen Ansatz sollten Anleger wählen?Value vs. Growth ist ein klassischer Streit unter Anlegern. Beide Strategien sind einfach mit ETFs umsetzbar. Langfristig punktet Value. › mehr lesen

Was allerdings wenig über die weiteren Perspektiven aussagt. STS ist auf Kunststoff-Spritzguss und Akustikprodukte für leichte und schwere Nutzfahrzeuge spezialisiert. Das sind feste und flexible Fahrzeugverkleidungen, Werkstoffe, die Vibrationen, Geräusche und Temperaturen dämpfen, sowie komplette Verkleidungen für den Innenraum und Außenbereich, beispielsweise LKW-Dächer und Aufbauten.

Zu den Spezialitäten gehören Komponenten auf Basis von SMC (Sheet Molding Compound). Die extrem leichten Teile aus einer Pressmasse mit Harz und Glasfasern ersetzen Metall und werden zur Gewichtsersparnis vor allem für Elektrofahrzeuge benötigt.

Außerhalb Deutschlands produziert die STS Group in Frankreich, Italien, Polen, Mexiko, Brasilien sowie China und beliefert weltweit Nutzfahrzeug- und Automobilhersteller. Die 2.500 Mitarbeiter sorgten 2017 für einen Umsatz von 310 Mio. Euro. Das Ebitda betrug 55 Mio. Euro, wobei sich der operative Gewinn letztlich aufgrund von Sondereffekten wie Übernahmen auf 14,2 Mio. Euro reduzierte.

Viel versprechende Ergebnisse

Trotz der jüngsten Investitionen ist dies nahezu doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Fürs laufende Jahr ist eine Steigerung auf 21,5 Mio. Euro vorgesehen. Der Umsatz soll auf 448 Mio. Euro steigen. Von den beim IPO eingenommenen 55 Mio. Euro gingen 31 Mio. Euro an den Großaktionär Mutares, der 62 % Anteile hält, 24 Mio. Euro flossen in die Firmenkasse. Das Geld soll für Investitionen in Produkte verwendet werden, die auf Elektromobilität und Autonomes Fahren zugeschnitten sind.

Dass Autozulieferer im Trend sind, haben nicht zuletzt die Börsengänge von Aumann und Jost-Werke unterstrichen. Der bislang holprige Start der STS Aktie ist kein Indiz für die langfristige Performance. Zusteigen sollte man bei Börsenneulingen ohnehin erst, wenn der Kurs eine eindeutigere Richtung einschlägt.

Geht er nach den ersten Wochen zu steil nach oben, ist erneut Vorsicht geboten. Lieber ein paar Monate warten bis die ersten Korrekturen durchlaufen sind und die Unternehmenszahlen eine klare Sprache sprechen. Auf lange Sicht könnte die STS Aktie jedoch aufgrund der positiven Entwicklung auch für Privatanleger interessant sein.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.