Superreichensteuer: kaum Vorteile, gravierende Nachteile

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Eine Superreichensteuer hätte kaum Vorteile, aber erhebliche Nachteile. Sie würde Vermögen reduzieren, das in Unternehmen investiert ist. (Foto: Nattakorn_Maneerat / shutterstock.com)

Seit Abschaffung der Vermögenssteuer im Jahr 1997 wird von Seiten der Politik in gewissen Abständen eine Forderung aufgebracht, mit der zusätzliches Geld in die Staatskassen gespült werden soll: eine Steuer auf sehr hohe Vermögen, eine Superreichensteuer. Vorteile und Nachteile der Idee liegen dicht beieinander, bislang allerdings ist das Thema nach einiger Diskussion jedes Mal wieder in der Schublade verschwunden. Die Erhebungskosten wären schlicht zu hoch.

Neuer Vorschlag aus den USA

Begleitet wurde das Ganze stets von Neiddebatten, mit denen viele Anleger wenig anfangen können. Geld macht nicht zwingend glücklich, aber unabhängig. Zur Vermögensvorsorge dienen unter anderem Aktien. Als Erfolgsikone gilt Starinvestor Warren Buffett, der es auf ein Vermögen von 82,5 Mrd. US-Dollar gebracht hat. Damit ist er nach Amazon-Chef Jeff Bezos (131 Mrd. US-Dollar) und Microsoft-Gründer Bill Gates (96,5 Mrd. US-Dollar) der drittreichste Mensch der Welt. Auf ihn folgt Facebook-Chef Marc Zuckerberg mit 62,5 Mrd. US-Dollar.

Deren Meinung zu Vorteilen und Nachteilen einer Superreichensteuer ist zwar weniger bekannt. Bisher war das Ganze kein Thema in den USA. Das aber hat sich geändert, seit die Demokratin Elisabeth Warren das linke Profil ihrer Partei hervorheben will und eine 3%-Steuer auf Vermögen ab 50 Mio. US-Dollar vorschlägt. Nach ihrer Berechnung würde eine solche Superreichensteuer dem Staat schon im ersten Jahr 212 Mrd. US-Dollar einbringen.

Superreichensteuer: Vorteile auf dem Papier

Es dauerte nicht lange und der Vorschlag wurde hierzulande von Teilen der SPD aufgegriffen. Und tatsächlich hätte die neue Form der Superreichensteuer einen Vorteil gegenüber früheren Modellen: Da mit 8.100 Haushalten eine überschaubare Gruppe in Betracht käme, würde der Nachteil einer aufwändigen Erhebung entfallen.

Der weitere Vorteil: Mit den Einnahmen könnte der Solidaritätszuschlag abgeschafft werden, jedenfalls nach der Berechnung von Stefan Bach, Steuerexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Er hat die Steuerstatistik von 2014 zugrunde gelegt und kam auf eine hypothetische Superreichensteuer von 17,7 Mrd. Euro, während der Soli 15,1 Mrd. Euro einbrachte.

Bach rechnete die von Warren vorgeschlagenen 50 Mio. US-Dollar auf die deutsche Kaufkraft um, womit er auf eine Grenze von rund 40 Mio. Euro kam. Alles von da bis zu 800 Mio. Euro würde mit jährlich 2% besteuert, darüber hinaus würden dann 3% Steuern anfallen.

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Tatsächlich wären es heute viel mehr als 17,7 Mrd. Euro, eine Summe, mit der sich vieles machen ließe: Die Infrastruktur modernisieren, die Bundeswehr auf Vordermann bringen, Kindergärten bauen und was sonst alles so anliegt.

Superreichensteuer: Nachteile in der Realität

Doch dann kommen die Nachteile dieser Superreichensteuer, und die sind gravierend: Die Summe auf dem Papier würde in Wahrheit überhaupt nicht zustande kommen. So musste schon Frankreichs Ex-Präsident Hollande zusehen, wie viele Franzosen nach Einführung seiner Reichensteuer ihren Wohnsitz in andere Länder verlegten. Einige wie Malta, Zypern, die Türkei oder Grenada bieten zudem ihre Staatsbürgerschaft für Beträge zwischen 200.000 Euro und 2,3 Mio. Euro an.

Gravierend wäre dabei, dass viel Kapital verloren ginge, das hierzulande investiert ist. Denn Superreiche sitzen nur im Märchen auf einem Sack Gold. Nimmt man beispielsweise die reichsten Deutschen wie die BMW-Erbin Klatten, Aldi-Gründer Schwarz oder die Familie Schaeffler von Continental, so liegt deren Vermögen zwischen 20 Mrd. Euro und über 30 Mrd. Euro. Der Großteil aber steckt in Unternehmensbeteiligungen, so wie bei den meisten anderen auch.

Je geringer diese Geldanlagen rentieren, desto weniger wäre bei einer Versteuerung des reinen Vermögens übrig. Bei Verlusten müsste die Steuer sogar aus der Substanz bezahlt werden, was den Unternehmen Kapital entzieht, Arbeitsplätze kostet und Investitionen verhindert. In der Folge zahlen dann auch die geschwächten Firmen selbst geringere Steuern. Dieser Bumerang-Effekt ist bereits aus der Debatte um die Erbschaftssteuer bekannt.

Umso verwunderlicher, dass sie nun als Superreichensteuer aus dem Hut gezaubert wird. Es mag manchen empören, dass 45 der reichsten Haushalte in Deutschland über so viel Vermögen verfügen wie die restliche Bevölkerung. Dass das Geld aber zum größten Teil dem Wirtschaftsstandort zugute kommt, für Jobs und Steuern sorgt, sollte dabei nicht vergessen werden.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.