Teamviewer Aktie – vorsichtiger Optimismus an der Börse

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Trotz verhaltenen Starts hat die Teamviewer-Aktie enormes Potenzial – vorausgesetzt, keiner der IT-Riesen besetzt die lukrative Nische. (Foto: II.studio / shutterstock.com)

Neu und spannend, aber erst mal abwarten und beobachten. Dieser Gedanke, der wohl für die meisten Börsengänge gilt, trifft auch auf die Teamviewer-Aktie zu. Wer im erwarteten Kursauftrieb des ersten Handelstags mitmischt, hilft vor allem, möglichst viel Anlegergeld in die Kassen zu spülen. Zwar war der Auftakt am 25. September recht verhalten, immerhin aber konnte der britische Finanzinvestor Permira für das Göppinger Spezialsoftware-Unternehmen über die Frankfurter Börse 2,21 Mrd. Euro einsammeln.

Nische mit Wachstumsperspektiven

Damit war die Teamviewer-Aktie der größte deutsche Technologie-Börsengang seit der im März 2000 geplatzten Dotcom-Blase, als etwa Infineon gleich zum Start auf dem Börsenparkett ausrutschte. Zuletzt brachte 2014 selbst das IPO des Startup-Investors Rocket Internet mit 1,6 Mrd. Euro erheblich weniger ein. Zu dem Zeitpunkt hatte Permira Teamviewer für für 870 Mio. Euro gekauft. Dafür, dass es noch 58% Anteile hält, hat sich schon angesichts des schwierigen Umfelds mit Konjunkturabschwächung, Handelsstreit und Brexit der Schritt an die Börse gelohnt.

Für Anleger der ersten Stunde indes weniger. Die Teamviewer-Aktie notierte schon zu Ende des ersten Handelstags gut einen Euro unter dem Ausgabepreis von 26,25 Euro, gab dann weiter deutlich nach und pendelte sich die Tage darauf auf einem Niveau unterhalb von 25 Euro ein. Damit betrug der Börsenwert weniger als 5 Mrd. Euro.

Was für die Aktie spricht: Teamviewer, das seit seiner Gründung 2005 Software zur Fernsteuerung, -wartung sowie für Videokonferenzen entwickelt und anbietet, profitiert von der allgemeinen Digitalisierung bzw. dem Internet der Dinge, wo die Wachstumsperspektiven hervorragend sind. Nach Zahlen der Unternehmensberatung McKinsey dürfte sich das Marktvolumen für Anwendungen, wie sie Teamviewer anbietet, bis 2030 auf rund 30 Mrd. Euro verdreifachen.

Chancen und Risiken der Teamviewer-Aktie

Gut auch, dass Teamviewer nach den in der Branche nicht unüblichen längeren Anfangsverlusten seit diesem Jahr erste Gewinne verzeichnen kann. Im Schnitt entwickeln sich Unternehmen, die mit Gewinnen an der Börse starten, nachhaltiger als Kandidaten mit roten Zahlen. Einige trauen Teamviewer sogar den Aufstieg in den MDax zu. Doch bis dahin kann noch einiges passieren. Was, wenn einer der Großen wie Microsoft oder Google die lukrative Nische für sich entdeckt und mit entsprechender Finanzkraft ausfüllt?

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Im Bereich Forschung und Entwicklung ist das noch junge Unternehmen Teamviewer vergleichsweise dünn aufgestellt – was einerseits eine Marge von gut 50% erlaubt. Andererseits hilft auch angesichts von Schulden über 678 Mio. Euro das eingesammelte Anlegergeld nichts, da es rein an Permira ging. Dennoch gibt es bislang keinen Automatismus, nach dem die IT-Platzhirsche alles um sich herum platt machen würden. US-Firmen wie Slack, Okta und Zoom-Video, welche das gleiche Segment wie Teamviewer bedienen, sind nach wie vor eigenständig und an der Börse notiert. Die Aktie von Okta beispielsweise konnte seit 2016 bis zum Sommer um über 400% zulegen.

Läuft alles ohne größere Marktstörungen, hätte Teamviewer durchaus enormes Potenzial. Immerhin ist deren Software weltweit offenbar beliebt. Nach Unternehmensangaben wird sie auf 340 Millionen Geräten genutzt. Gut 80% der umsatzstärksten 500 US-Firmen gehören zu den Kunden. Neben einer kostenfreien Privatkundenversion wird mit einem Abo-Modell zunehmend eine umsatzstarke Klientel angesprochen.

Beobachten und schrittweise investieren

Teamviewer fokussiert sich auf Nordamerika und Asien-Pazifik und will jährlich um ca. 25% wachsen. Lag der Umsatz letztes Jahr bei 230 Mio. Euro, werden 2019 bis zu 320 Mio. Euro erwartet, über ein Drittel mehr. Wachstumschancen bieten unter anderem Bereiche wie E-Health oder Smartcity. Firmenaufkäufe werden mittelfristig einkalkuliert. Mit den unvermeidlichen Kosten zum Ausbau dürfte die sich die Verschuldung nicht nennenswert verringern.

Sollten aber die hohen Margen anhalten, wäre dies kein wirkliches Problem. Derzeit erscheint der Kurs der Teamviewer-Aktie zwar ausgereizt, doch bei anhaltendem Wachstum könnte sie sich als lukratives Investment erweisen. Angesichts der generellen Unwägbarkeiten ist einstweilen Vorsicht angebracht. Sofern die kommenden Bilanzen die Perspektiven bestätigen, ist ein schrittweiser Zukauf die sichere Variante.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.