Tecdax: Das sind die wichtigsten deutschen Technologie-Aktien

Die Gewichtung im Tecdax platziert Wirecard, United Internet und Qiagen auf den obersten Rängen – mit teils hervorragenden Perspektiven. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Dem Dax mag nach der langen Rally etwas die Puste ausgegangen sein. Doch wie wäre es mit dem Tecdax? Immerhin ist er mit den 30 größten Technologieunternehmen sozusagen das deutsche Gegenstück zum Nasdaq.

Wenn Technologiewerte in den USA besser laufen als der Rest, so ist das bei der Deutschen Börse nicht anders. Auf drei Monate gesehen brachte er 10,66 %, die letzten fünf Jahre ganze 217,62 %. Und damit sogar erheblich mehr als der US-Kollege.

Tecdax Gewichtung nach Streubesitz

Die Gewichtung des Tecdax erfolgt nach den gleichen Kriterien wie beim Dax. Grundlage für die Gewichtung im Tecdax ist neben dem Börsenumsatz vor allem die Marktkapitalisierung in Bezug auf den Streubesitz der jeweiligen Aktien. Je höher die Werte, desto gewichtiger der Titel im Index. Das ist nicht mit dem Börsenwert zu verwechseln, der alle Aktien einbezieht und deutlich höher ist.

Selbst wenn man den kompletten Börsenwert zugrunde legt, so zeigen sich gewaltige Dimensionen im Größenunterschied zum Nasdaq, wo das Schwergewicht Apple mit 748,74 Mrd. US-$ dominiert. Der Spitzenreiter im Tecdax ist gut 60 Mal kleiner: Telefónica Deutschland kommt auf rund 12,43 Mrd. €. Auf Platz zwei liegt United Internet mit fast 11,43 Mrd. €, gefolgt von Wirecard mit ca. 10,89 Mrd. €.

Bezogen auf die Anzahl der für Anleger zugänglichen Aktien im Streubesitz wiederum, also die offizielle Gewichtung im Tecdax, rangiert Wirecard mit 11,86 % an erster Stelle. United Internet ist auch hier auf Platz zwei, mit 10,35 %. Rang drei belegt Qiagen mit 8,7 %. Telefónica kommt mit 5,44 % in dieser Gewichtung erst auf Platz sechs, denn nur ein Viertel aller Aktien steht dem freien Handel zur Verfügung.

Wirecard treibt Zukunft voran

Kein Vergleich zu den 93 % Streubesitz des Tecdax Spitzenreiters Wirecard. Der Software- und IT-Anbieter aus Aschheim bei München ist auf elektronische Zahlungen und Risikomanagement spezialisiert. Das Unternehmen zählt 29.000 Kunden aus unterschiedlichen Branchen weltweit. Hinzu kommen 150.000 Privat- und Geschäftskunden der Wirecard Bank, der eigenen Kreditkarten oder Internetbezahldienste.

Wirecard ist eine Art Fintech, ein Zahlungsabwickler, der die Geldtransaktionsformen von morgen vorantreibt – und in seinem Segment Marktführer ist. Das Unternehmen wächst deutlich stärker als der Rest. Für dieses Jahr ist ein organisches Wachstum von 23 % angepeilt. Die Aktie hat seit zehn Jahren um 910 % zugelegt.

Nur einmal waren Anleger im Februar 2016 irritiert: Als Hedgefonds massiv gegen das Papier wetteten und eine Research Firma Wirecard mit irgendwelchen Anschuldigungen überhäufte. Parallel streute sie im Internet ein Kursziel von Null. Seit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ist Ruhe. Der Vorfall zeigt letztlich, wie ernst das Unternehmen genommen wird.

United Internet startet durch

Mit Internetanwendungen und als Provider für Privat- und Geschäftskunden wächst United Internet unaufhaltsam. Der Konzern vermarktet zahlreiche Marken, darunter GMX, Web.de oder 1&1. Nicht nur die Produktpalette wird ständig erweitert, das Unternehmen wächst durch etliche Übernahmen. Im Mai hat es Deutschlands größten Mobilfunk-Provider Drillisch geschluckt. Der Vorgang wird im Dezember abgeschlossen.

Allein die Neubewertung der schon zuvor gehaltenen Anteile bescherte Extraeinnahmen. Zusammen mit der Übernahme des Rechenzentrum-Betreibers Profitbricks kam ein Sondererlös von 303,9 Mio. € zustande. Der diesjährige Umsatz wird auf 4,2 Mrd. € und der Gewinn auf bis zu 1 Mrd. € steigen. Auf Zehnjahressicht brachte die Aktie über 253 %. Nach Bekunden des Unternehmens soll es jetzt „erst so richtig losgehen“.

Qiagen verbreitet Optimismus

Etwas schwerer tut sich derzeit das niederländische Biotechnologieunternehmen Qiagen mit Sitz in Hilden. Bei leicht stagnieren Umsätzen um die 1,34 Mrd. € ist das Ergebnis letztes Jahr nach zuvor 181 Mio. € erneut in die Verlustzone gerutscht. Das Minus von gut 36 Mio. € bewegt sich in der Größenordnung der Jahre 2011, 2013 und 2014.

Qiagen, das über 500 Produkte für Testverfahren und molekulare Diagnostik an Institute und Pharmaunternehmen vertreibt, strebt nun eine Zusammenarbeit mit Bayer Health Care an. Zudem wird die „Personalisierte Medizin“ forciert, um Krebsarten schneller erkennen zu können.

Die jüngsten Quartalszahlen stimmen zuversichtlich, die meisten Analysten geben sich mit Blick auf die Aktie optimistisch. Die brachte die letzten zehn Jahre gut 77 %, musste aber seit 2016 ein paar Federn lassen.

Insgesamt bietet der Tecdax etliche hervorragende Chancen. Viele Unternehmen haben ihre Zukunft noch vor sich. Obwohl im Dax mit der weitaus höheren Marktkapitalisierung der Firmen entsprechend mehr Aktien gehandelt werden, ist die Schwankungsintensität beim Tecdax mit einer Volatilität von 13 % nicht dramatisch höher. Beim Dax liegt sie knapp unter 10 %.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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