Telegram bereitet Milliarden-ICO vor: Das sollten Anleger beachten

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Telegram will Milliarden über ein ICO aufnehmen. Potenzielle Anleger sollten sich das ehrgeizige Projekt jedoch genauer anschauen. (Foto: Sebastian Kaulitzki - Fotolia)

Kryptowährungen und sogenannte Initial Coin Offerings (ICOs) werden immer populärer. Nachdem Blockchain-Start-ups bereits im Vorjahr mehr als 4 Mrd. US-$ durch die Ausgabe von Tokens eingesammelt haben, scheint auch das Jahr 2018 ein Jahr der Superlative zu werden.

Den Anfang macht der populäre Messenger Telegram, der durch einen privaten Token-Verkauf noch im ersten Quartal 2018 zunächst 850 Mio. Dollar und dann weitere 1,15 Mrd. US-$ durch einen öffentlichen Token Sale (ICO) einnehmen will – insgesamt hofft Telegram also auf einen Mittelzufluss von rund 2 Mrd. US-$. Viele Anleger fragen sich daher, was ist Telegram überhaupt und was ist für Investoren beim Telegram ICO drin?

Was ist Telegram?

Den Telegram Messenger gibt es seit 2013. Der WhatsApp-Konkurrent ist eine Erfindung der beiden Brüder Dr. Nikolai Durow und Pawel Durow, die zuvor schon das russische soziale Netzwerk Vk.com gegründet hatten.

Über den Telegram Messenger, der kostenlos für verschiedene Plattformen (Android, iOS, Windows, MacOS, Linux etc.) verfügbar ist, können verschlüsselte Nachrichten, Fotos, Videos und Dokumente ausgetauscht werden. Der Nutzer kann dabei entscheiden, ob der Kommunikationsaustausch (Chats) verschlüsselt erfolgen soll oder nicht.

Nicht zuletzt wegen der Verschlüsselungsmöglichkeiten ist der Telegram Messenger in der Krypto-Szene besonders beliebt. Laut Tokenmarket verfügen über 84 % der Blockchain-Projekte über eine aktive Telegram Community.

Bereits im Herbst 2017 wurde der Telegram Messenger von 170 Millionen Nutzern verwendet, die rund 70 Milliarden Nachrichten pro Tag verschickten. Zuletzt kamen 500.000 neue Nutzer pro Tag dazu, wodurch der Telegram Messenger im ersten Quartal 2018 voraussichtlich die Marke von 200 Millionen Nutzern überschreiten dürfte.

Telegram ICO – Das müssen Anleger wissen

Telegram will das ICO dazu nutzen, um seine eigene Blockchain aufzubauen. So plant Telegram eine eigene Blockchain der dritten Generation mit dem Namen Telegram Open Network (TON). Die TON Blockchain wird auf einen Proof-of-Stake (PoS) System basieren und nicht auf einem Mining-Konzept wie etwa die Bitcoin Blockchain.

Proof of Stake (PoS) bedeutet, dass eine Wallet bzw. eine Node (Netzwerk-Rechner) eine Transaktion mit Coins bestätigt, die in der Wallet gehalten werden, wodurch das System energiesparend und effizient sein soll.

Die TON Blockchain soll aus einer Master-Blockkette und bis zu 292 (2 Hoch 92) ergänzenden Blockchains (Sidechains) bestehen. Durch die integrierte Unterstützung für Sharding können sich TON Blockchains je nach Transaktionslast automatisch in kleinere und mobilere Einheiten aufteilen und damit Transkationen günstig und schnell bestätigen.

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Ein Hypercube Routing Mechanismus soll dafür sorgen, dass Transaktionen zwischen zwei Blockchains sehr schnell abgewickelt werden, ganz egal wie groß das gesamte System ist. Insgesamt soll die TON Blockchain später in der Lage sein, Millionen von Transaktionen pro Sekunde zu verarbeiten. Eine stabile Version der TON Blockchain soll im vierten Quartal 2018 einsatzbereit sein.

Telegram Kryptowährung Grams

Ergänzt wird die TON Blockchain durch den TON Token, der Grams genannt wird. Insgesamt sollen 5 Milliarden Grams erzeugt werden (umlaufende Menge). Ende 2018 soll die digitale Brieftasche (Telegram Wallet) für die Kryptowährung Grams fertig sein. 4 % der Tokens bleiben dabei für das Entwicklerteam reserviert, 52 % der Tokens werden zunächst als Reserve zurückbehalten, während 44 % der Tokens (2,2 Milliarden Grams) an Investoren verkauft werden sollen.

Mehr als 80 % der eingesammelten Mittel sollen für technische Ausrüstung, Bandbreite und andere technischen Hilfsmittel ausgegeben werden, die restlichen Gelder sollen in Büros, Beratung und juristischen Beistand fließen.

Die Kryptowährung Grams dient dazu, Transaktionen auf der TON Blockchain zu bezahlen und smarte Verträge (Smart Contracts) aufzusetzen und auszuführen. Zudem dient das Staking von Grams dazu, um Transaktionen zu validieren, um so neue Blöcke und Coins zu generieren.

Ferner sollen Grams als Zahlungsmittel dienen, um weitere TON Services (Apps), Datenspeicher (Ton Storage), Proxy-Services (TON Proxy) und Namensregistrierungen (TON DNS) auf der TON Blockchain zu bezahlen. Entsprechende TON Services sollen im zweiten Quartal 2019 verfügbar sein.

Fazit: Telegram ist ein ehrgeiziges Projekt – Anleger sollten das Risiko aber nicht unterschätzen

Telegram hat sich mit seinem Blockchain-Projekt ehrgeizige Ziele gesetzt. Die Telegram Wallet dürfte Ende 2018 anhand der hohen Telegram-Nutzerzahlen unmittelbar zur weltweit meist genutzten Brieftasche für Kryptowährungen avancieren.

Anschließend will Telegram weiter stark wachsen. Die Nutzerbasis soll von 200 Millionen Telegram-Nutzer Anfang 2018 auf eine Milliarde Telegram-Nutzer in 2022 steigen, wenn es nach den Plänen des Managements geht. Davon könnte letztendlich auch der Gram Token profitieren.

Dennoch sollten Anleger auch das Risiko nicht unterschätzen. Das aktuelle White Paper von Telegram liest sich als eine imposante Wunschliste, die es erst noch zu realisieren gilt. Um derart viele Nutzer auf der Blockchain zu unterstützen, bedarf es einer Blockchain der dritten Generation, die erst noch entwickelt werden muss. Anleger sollten ferner auch beachten, dass Investments in Kryptowährungen nicht gleichzusetzen mit einem Investment in eine Aktie ist. Der Token-Besitzer hat de facto keinerlei Rechte auf Umsetzung der im White Paper gemachten Vorhaben.

Wichtiger Hinweis: Offizielle Informationen über das Telegram ICO werden ausschließlich auf Telegram.org veröffentlicht. Von anderen Webseiten  wie etwaTon-gram.io oder Gramtoken.io sollten sich Anleger unbedingt fernhalten.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands