TenX: Kreditkarte für Bitcoin und Co. – können Anleger profitieren?

Das in Singapur ansässige TenX sorgte im Sommer für Furore. Binnen 7 Minuten hat das Blockchain-Startup 80 Mio. US-$ von Investoren über einen sogenannten Token Sale bzw. Initial Coin Offering (ICO) einsammeln können. Die Euphorie rund um das kleine Fintech-Startup kommt nicht von ungefähr.

Denn das deutschsprachige Führungsteam rund um CEO Toby Hönisch und President Dr. Julian Hosp hat sich viel vorgenommen. TenX will eines der dringendsten Probleme der Krypto-Welt lösen.

Bislang konnten Bitcoin-Nutzer und andere Besitzer von Kryptowährungen ihre digitalen Währungen kaum in der realen Welt ausgeben, denn in der Regel akzeptiert der regionale Supermarkt um die Ecke keine Kryptowährung als Zahlungsmittel. Genau dieses Problem will TenX lösen – mit einer Visa bzw. MasterCard Debitkarte.

Was ist TenX?

TenX ist ein in Singapur ansässiges Fintech-Startup, das im Jahr 2015 gegründet wurde. Zu den Investoren gehören neben Fenbushi Capital auch Bo Shen (Managing Partner bei Fenbushi Capital) und David Lee (Angel Investor). Außerdem wird Ethereum-Erfinder Vitalik Buterin als Investor genannt.

TenX bietet eine Debitkarte an, die überall dort akzeptiert wird, wo auch VISA und Mastercard (Singapur) angenommen wird – dies sind derzeit etwa 36 Millionen Akzeptanzstellen weltweit.

Wie funktioniert die TenX Debitkarte?

Ergänzend hierzu betreibt der Anbieter eine TenX Mobile App, die sowohl für Android als auch für iOS verfügbar ist. Interessenten können für einmalig 15 Dollar aus der App heraus eine physische Debitkarte bestellen, aufgrund der hohen Nachfrage setzt TenX seine Nutzer derzeit allerdings auf eine Warteliste.

Für Nutzer, die später Einkäufe von mehr als 1.000 US-$ im Jahr tätigen, ist die Debitkarte kostenlos, ansonsten fällt eine Jahresgebühr von 10 US-$ an. Hat der Nutzer seine Debitkarte erhalten, soll man diese in Zukunft mit Bitcoin, Ethereum, Dash und ERC20 Token (Golem, Aragon, QTUM, PAY, WINGS etc.) aufladen können.

Bezahlt der Kunde dann im Laden mit der Debitkarte, wird die jeweilige Kryptowährung unmittelbar vor der Bezahlung in Bruchteil von Sekunden in Euro oder in eine andere Papiergeldwährung (US-Dollar etc.) umgerechnet.

TenX garantiert dabei den besten verfügbaren Umrechnungskurs, für den Nutzer entstehen bei der Bezahlung keine Transaktionsgebühren. Der entsprechende Betrag in Bitcoin, Ether oder Dash wird dann in der App abgezogen.

TenX belohnt Nutzer und Anleger

Um TenX-Kunden zum Ausgeben ihrer Kryptowährungen zu motivieren, erhalten Debitkarten-Besitzer 0,1 % der Transaktionsaktionssumme bei einem Einkauf wieder gutgeschrieben. Die Gutschrift erfolgt automatisch in der zu TenX zugehörigen Kryptowährung PAY.

Anleger und Kartennutzer, die den PAY Token in einer digitalen Brieftasche (Wallet) halten, erhalten zudem  0,5 % des Transaktionsvolumens als Gutschrift in Ether gutgeschrieben. Dies bedeutet: Wenn 1 Million Nutzer im Schnitt 150 US-$ monatlich mit der TenX-Karte ausgeben, ergibt dies einen Jahresumsatz von 1,8 Mrd. US-$. Von dieser Summe gehen 0,5 % (9 Mio. US-$ in diesem Rechenbeispiel) an die PAY Token Besitzer.

Derzeit sind knapp 105 Millionen PAY Tokens ausstehend. Für Anleger ist zu beachten, dass PAY Tokens, die auf einer Krypto-Börse gehalten werden und interne PAY Tokens, die für Entwicklerzwecke zurückgehalten werden, nicht in den Genuss der Ausschüttung kommen – daher ist die genaue Rendite für Anleger schwer zu berechnen.

Fazit: TenX mit Potenzial, die technischen Hürden sind allerdings hoch

TenX versucht Kryptowährungen in die reale Welt zu bringen, hat dabei aber noch diverse technische Herausforderungen (Backend etc.) zu lösen. Helfen soll dabei in 2018 das COMIT Netzwerk, das Transaktionen zwischen der Papiergeld-Welt und verschiedenen Blockchains vereinfachen und TenX in technischer Hinsicht in die Pole Position bringen soll.

TenX hat zwar ein funktionierendes Produkt vorzuweisen, doch bis alle versprochenen Features für alle Nutzer verfügbar sind und das Ziel von 1 Million Kunden bis Ende 2018 erreicht sind, hat das Startup noch einen langen Weg vor sich.

Der Erfolg von TenX hängt nicht zuletzt davon ab, wie schnell und sicher das Unternehmen die technischen Herausforderungen meistern und die versprochenen Features liefern kann.

Für Anleger und Investoren bedeutet dies nicht nur große Chancen, sondern auch ein großes Risiko, denn noch steht nicht fest, ob sich Kryptowährungen als solches und TenX mit seiner Debitkarte bei der breiten Masse durchsetzen können.

11. September 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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