Tesla-Aktie: Musk lenkt ein – wird nun alles besser?

Tesla Model S Logo RED – shutterstock_539299999 Andrei Tudoran

Die Macht von Tesla-Chef Elon Musk wird beschnitten - was bedeutet das für die Zukunft und für die Aktie? (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Die Tesla-Aktie ist nichts für schwache Nerven. Tesla-Anleger sahen sich in den letzten Tagen und Wochen einer regelrechten Achterbahnfahrt gegenüber. Hintergrund waren übereifrige Tweets von Tesla-Chef Elon Musk, der zunächst via Twitter einen möglichen Börsenrückzug von Tesla andeutete – und zwar zu 420 US-$ je Aktie. Die „Finanzierung ist gesichert“, schob der oberste Visionär bei Tesla noch hinterher.

Nur kurze Zeit später musste Musk seine Börsenrückzugspläne allerdings wieder begraben. Die US-Wertpapieraufsicht SEC (U.S. Securities and Exchange Commission) sah darin eine Irreführung von Investoren und Anleger und reichte kurzerhand eine Klage ein, die auch eine Entmachtung von Tesla-Chef Elon Musk vorsah. Die Tesla-Aktie stürzte daraufhin um über 10 % ab.

Nur wenige Tage später kam die überraschende Wende. Musk einigte sich mit der SEC auf eine Strafzahlung von 20 Mio. US-$, auch Tesla wird eine Zahlung in gleicher Höhe leisten, um den Streit beizulegen. Zudem hat sich Musk verpflichtet, die gleiche Summe in den Kauf von Tesla-Aktien zu investieren. Die Tesla-Aktie kletterte daraufhin wieder über 300 US-$, nachdem das Papier zuvor auf unter 270 US-$ abgestürzt war.

Musk lenkt ein und akzeptiert schwächere Machtposition bei Tesla

Im Zuge der Einigung mit der SEC wird Musk den Posten als Vorstandsvorsitzender im Tesla-Aufsichtsrat niederlegen – zumindest für 3 Jahre. Außerdem wird Tesla der Forderung der SEC nachkommen und 2 unabhängige Direktoren für den Verwaltungsrat bestimmen.

Ferner soll die Kommunikation von Musk mit Investoren durch ein Komitee besser überwacht bzw. gesteuert werden, damit derartige kostspielige Klagen bzw. Strafen künftig der Vergangenheit angehören.

Tesla-Verwaltungsrat wird neu geordnet: Wird nun alles besser?

Durch die schnelle Einigung mit der SEC scheint zumindest die Gefahr einer kurzfristigen Abberufung von Musk an der Spitze von Tesla vom Tisch. Dennoch dürfte Musk mit seinem Temperament Investoren und Märkte weiter im Atem halten.

Tesla Model X RED – shutterstock_759593449 Hadrian

Tesla Aktie: Kurssturz beschleunigt sich weiterProduktionsengpässe, ein tödlicher Unfall und ein fragwürdiger Aprilscherz haben der Tesla Aktie zuletzt arg zugesetzt. › mehr lesen

Der Grund: 2 unabhängige Direktoren könnten zwar helfen, eine bessere Balance im Verwaltungsrat zu schaffen, doch der Einfluss der beiden neuen Direktoren dürfte eher begrenzt sein, glaubt zumindest Professor Lucian Bebchuk von der Harvard Law School gegenüber dem US-Sender CNBC.

Der Erfolg von Tesla in den letzten Jahren ist einfach zu eng mit dem Namen Elon Musk verbunden, so dass der visionäre Firmenchef den Großteil des Verwaltungsrats weiter hinter sich haben dürfte – trotz etwaiger Fehltritte via Twitter.

Das mediale Geplänkel darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Tesla in den letzten Jahren Großartiges erreicht hat. Die Elektroauto-Produktion ist massiv gewachsen, der Jahresumsatz dürfte in diesem Jahr die Marke von 20 Mrd. US-$ überschreiten, die Tesla-Aktie hat sich in den letzten 4 bis 5 Jahren in etwa verdoppelt. Auch die aktuellen Produktionszahlen (80.000 Elektroautos wurden in Q3 produziert, davon 53.000 Tesla Model 3) deuten darauf hin, dass Tesla auf den richtigen Weg ist und zwar Richtung Gewinnzone. Analysten rechnen damit, dass Tesla im Schlussquartal schwarze Zahlen schreiben wird.

Fazit: Dauerhafter Erfolg zwar ungewiss, doch die Zeit spielt für Tesla

Ob Tesla allerdings dauerhaft schwarze Zahlen schreiben kann, wird erst die Zukunft zeigen. Mit dem Tesla Semi, dem Model Y und der zweiten Generation des Tesla Roadsters stehen bereits weitere ehrgeizige Projekte in den Startlöchern, die der US-Elektroautobauer finanzieren muss. Dies könnte die Ertragslage weiter belasten.

An dieser Stelle kommt dem US-Konzern aber eine aktuelle Entwicklung entgegen, die Tesla zum endgültigen Durchbruch verhelfen könnte. Zum einen steigen durch die zunehmenden Regulierungen die Kosten für die Entwicklung von Verbrennermotoren, während die Batteriekosten bei Elektroautos stetig sinken. Zum anderen sorgt ein steigender Ölpreis (=Benzinpreis) und mögliche Fahrverbote für Dieselfahrzeuge dafür, dass sich viele Autofahrer bald nach Alternativen umsehen dürften.

Kann Tesla durch den Produktionsausbau den steigenden Bedarf an erschwinglichen Elektroautos bedienen, dürfte die Zukunft für Tesla – mit oder ohne Musk – relativ rosig aussehen. Dies glaubt auch Tesla-Großinvestor und Milliardär Ron Baron, der den Umsatz von Tesla im Jahr 2030 bei rund 1 Billion US-$ sieht.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands