Tesla nimmt Uber und Lyft ins Visier

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Tesla will mit einem eigenen Mitfahrdienst Uber und Lyft ins Visier nehmen. Was ist für Anleger drin? (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Es ist fix: Robyn Denholm wird Elon Musk als Vorstandsvorsitzende im Tesla-Aufsichtsrat ablösen. Denholm gibt hierfür ihren Posten (Strategie-Leiterin und Finanzchefin) bei Australiens größtem Telekomdienstleister Telstra auf.

Der Wechsel an der Spitze des Tesla-Aufsichtsrats war notwendig, nachdem sich Tesla-Chef Elon Musk mit der US-Wertpapieraufsicht SEC (US Securities and Exchange Commission) geeinigt hatte. Die Einigung sah einen Rücktritt von Musk als Verwaltungsratschef und die Zahlung von 20 Mio. US-$ als Strafe vor. Hintergrund war ein Tweet von Musk, indem er die Privatisierung von Tesla ankündigte.

Durch den Wechsel im Verwaltungsrat dürfte sich für Tesla nicht viel ändern, denn Denholm war bereits seit 2014 Mitglied im Tesla Aufsichtsrat. Im Blog-Post äußerte sich Denholm dahingehend, dass sie gemeinsam Musk und dem Tesla-Team daran arbeiten wolle, dass Tesla weiter profitabel bleibt. Die Tesla-Aktie hatte zuletzt zur Freude der Anleger wieder stark zugelegt, auch weil Tesla für das jüngste Quartal einen Unternehmensgewinn ausweisen konnte.

Tesla plant eigenen Mitfahrdienst – Uber und Lyft im Visier

Elon Musk bleibt derweil weiterhin Chef von Tesla und deutete in der jüngsten Quartalskonferenz an, dass man den Markt für Mitfahrdienste nicht allein Uber und Lyft überlassen will.

So will Tesla mit einem eigenen Mitfahrdienst (Tesla Network) in den Markt einsteigen, der direkt mit dem Service von Uber und Lyft konkurriert, so Musk. Tesla plant hierfür eine eigene Fahrzeugflotte aus autonom fahrenden Teslas, die Fahrgäste aufsammeln und zum gewünschten Zielort bringen.

Andererseits wird die Tesla-Plattform auch Tesla-Besitzern die Möglichkeit bieten, ihre Fahrzeuge der Tesla-Flotte hinzuzufügen und damit direkt an Kunden zu vermieten – ähnlich wie der Zimmer-Marktplatz Airbnb funktioniert.

Tesla will beim Autonomen Fahren nachlegen

Tesla-Chef Musk sieht sich bei diesem Vorhaben in einer guten Ausgangsposition, verfügt man bereits über ein neuronales Netzwerk, das die Autopilot-Funktion im Tesla unterstützt. Tesla sieht sich im Bereich Autonomes Fahren in der Pole Position, will das Unternehmen im 1. Quartal 2019 mit einem neuen neuronalen Computer aufwarten, der Autopilot-Funktionen weiter verbessern soll.

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Tesla und auch andere Firmen wie zum Beispiel die Google-Tochter Waymo arbeiten an autonomen Fahrzeugfunktionen. Diese neuen Funktionen sollen über die aktuellen Fahrzeugassistenten hinaus gehen. Künftig sollen Tesla-Fahrzeuge nicht nur automatisch die Spur wechseln und von der Autobahn herunterfahren, sondern selbständig einen Parkplatz suchen und den Weg in die heimische Garage finden.

Um diese Funktionen zu unterstützen entwickelt Tesla eigene Chips mit künstlicher Intelligenz. Ob und wann diese zur Verfügung stehen und das vollständig autonome Fahren ermöglichen, steht noch nicht fest.

Fazit: Tesla schlägt das nächste Kapitel auf

Fest steht jedoch, dass Tesla mit seinem Tesla Network einen neuen Markt erobern will. Wie groß dieses Potenzial ist, lässt sich an den Umsatzzahlen und exorbitanten Bewertungen von Unternehmen wie Uber und Lyft ablesen. Beide Mitfahrdienste bereiten einen Börsengang vor, um frisches Kapital aufzunehmen, um weiter zu wachsen.

Auch Tesla wird voraussichtlich weiter investieren müssen, will der US-Elektroautobauer dem Branchenprimus Uber Marktanteile abnehmen. Dies könnte kurzfristig die Ertragslage bei Tesla belasten, sich langfristig aber auszahlen.

Dass diese Rechnung aufgehen kann, zeigt die aktuelle Entwicklung. Tesla hat das Geld seiner Investoren intelligent in Anlagen und Maschinen investiert und nicht verbrannt, wie so oft behauptet wird. Vielmehr hat Tesla seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber klassischen Autobauern weiter verbessert. Dies könnte dazu führen, dass Tesla schon in wenigen Jahren in einer ähnlichen Position wie andere Silicon Valley Firmen (Google, Facebook und Microsoft) steht, die ihr jeweiliges Marktsegment dominieren.

Ob Tesla Uber und auch Lyft herausfordern kann, wird sich erst in der Zukunft zeigen. Tesla-Anleger müssen sich auf einen weiter volatilen Aktienkurs einstellen, denn der US-Elektroautobauer wird zu Lasten der Ertragslage weiter kräftig investieren müssen. Die Tesla-Aktie bleibt daher für risikofreudige Anleger interessant, die vom Boom im Bereich Elektromobilität und beim Autonomen Fahren profitieren wollen.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands