Tesla Rückruf und Produktionsprobleme – Wie geht es weiter?

Die Probleme bei Tesla reißen nicht ab - Was haben Anleger vom Elektroautobauer jetzt zu erwarten? (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Die schlechten Nachrichten beim US-Elektroautobauer Tesla reißen nicht ab. Seit Ende 2017 kämpft Tesla damit, die Produktion seines Elektroautos Tesla Model 3 hochzufahren. Anfang April musste Tesla 123.000 Model S wegen möglicher Rostbildung an den Schrauben der Servolenkung zurückrufen.

Viele Anleger fragen sich nun, ob die wachsenden Probleme bei Tesla die Existenz des US-Elektroautobauers gefährden können, schließlich schreibt Tesla ohnehin bereits tiefrote Zahlen.

Tesla in der Produktionshölle – Musk verzettelt sich mit Automatisierung

Seit nun 9 Monaten versucht Tesla mit Nachdruck, die Produktion des Model 3 hochzufahren, schließlich warten mehr als 450.000 Vorbesteller auf ihr Elektroauto. Der Plan war, durch den Einsatz vieler Roboter (etwa von Kuka) die Produktionszahlen auf 2.500 Model 3 pro Woche per Ende des ersten Quartals 2018 anzuheben. Per Ende Juni sollten 5.000 Model 3 pro Woche vom Band laufen.

Um die Automatisierung bei Tesla voranzutreiben, holte Tesla-Chef Elon Musk bereits im Jahr 2016 den ehemaligen Audi-Manager Peter Hochholdinger ins Team. Die Idee: Wenn sich Roboter schneller bewegen als Menschen und die Teile für die Roboterfertigung besser optimiert wären, könnte dies den Produktionsprozess beschleunigen. Doch der Plan ging bislang nicht auf, wie Tesla-Chef Elon Musk eingestehen musste. „Die exzessive Automatisierung war ein Fehler“, so Musk via Twitter.

Warum Automatisierung nicht immer funktioniert

Industriebeobachter glauben, dass Musk denselben Fehler gemacht hat, der bereits General Motors (GM) in den 1980er Jahren Milliarden gekostet hat. Roboter funktionieren dann am besten, wenn Sie in einen bereits reibungslos funktionierenden Produktionsprozess langsam integriert werden.

Werden Robotersysteme jedoch zu schnell und in zu großer Anzahl eingeführt, ohne umfangreiche Tests durchzuführen, droht schnell das Chaos. Dies bekam General Motors (GM) in den 1980er bereits schmerzlich zu spüren, als die Lackierroboter sich teilweise gegenseitig ansprühten, anstatt Autos zu lackieren. GM musste die Fahrzeuge anschließend in einer 75 Jahre alten Fabrik teuer nachlackieren.

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Rückruf und Produktionsprobleme: Tesla mit neuem Anlauf

Doch Tesla-Chef Elon Musk lässt sich von den jüngsten Rückschlägen durch den Rückruf und die Produktionsprobleme beim Model 3 nicht einschüchtern.

In der Vorwoche wurde die Produktion in der Tesla-Fabrik in Fremont/Kalifornien sowie in der Batterie-Fabrik in Nevada erneut kurzzeitig angehalten – zum zweiten Mal binnen weniger Monate. Die Produktionspause wurde erforderlich, um die Fehler in der Automatisierung zu beheben. Der Rückbau soll nun dazu führen, dass die Produktion des Model 3 bis Quartalsende auf 6.000 Einheiten pro Woche steigt.

Fazit: Tesla muss in der Fahrzeugproduktion noch lernen

Tesla ist noch ein relativ junger Hersteller in der Autoindustrie. Im Jahr 2016 fertigte Tesla gerade mal 83.922 Fahrzeuge, in 2017 ist die Fahrzeugproduktion zwar weiter gestiegen, doch ist der Elektroautobauer noch sehr weit entfernt von den Stückzahlen, die bei Volkswagen (VW), BMW & Co pro Jahr vom Band laufen.

Die Fahrzeugherstellung gehört mit zu den komplexesten und kapitalintensivsten Produktionsverfahren in der Welt – dies bekam auch Tesla zuletzt schmerzlich zu spüren. Doch es gibt auch Lichtblicke: Seit Anfang 2016 hat Tesla die Zahl der Arbeitsstunden, die notwendig sind, um ein Fahrzeug fertigzustellen, um 33 % senken können, so Tesla-Managerin Laurie Shelby.

Kurzum: Die anhaltenden Produktionsprobleme und der Rückruf sind ein Rückschlag für Tesla, doch die Existenz des Elektroautobauers dürfte nicht gefährdet sein. Zumindest wenn Tesla-Chef Elon Musk sein Ziel erreicht, die Produktionsprobleme beim Model 3 zu lösen und im dritten Quartal 2018 profitabel zu sein.

Dennoch sind diese Vorhersagen für Anleger mit Vorsicht zu genießen, wie die verfehlten Produktionsziele der letzten Monate immer wieder beweisen. Tesla bleibt daher nur als Investment für spekulativ orientierte Anleger interessant.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands