Tesla vor der Privatisierung: Wie stehen die Chancen?

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Wie stehen die Chancen einer Tesla Privatisierung und welche Wahlmöglichkeiten haben Anleger? (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Wieder einmal sorgt Tesla-Chef Elon Musk via Twitter für Aufruhr. Mit einem lapidaren Tweet kündigte der Tesla-Mitgründer die Idee an, die Tesla Aktie in einer Art Privatisierung von der Börse nehmen zu wollen – für 420 US-Dollar je Aktie oder insgesamt 72 Mrd. US-Dollar. Anleger sollen dabei ein Wahlrecht haben, mehr dazu später.

Während sich Tesla-Anleger über den jüngsten Kursschub freuen, klagen bereits die ersten Leerverkäufer und werfen dem Tesla-Chef vor, den Kurs der Tesla-Aktie künstlich manipuliert zu haben. Inzwischen soll sich auch die US-Wertpapieraufsicht eingeschaltet haben und den Vorfall untersuchen, so US-Medien. Dabei geht es um eine mögliche Verletzung der US-Wertpapierhandelsgesetze.

Doch ganz unabhängig davon, wie die SEC den Fall beurteilt, stellt sich für Anleger die Frage, wie hoch sind die Chancen für eine Privatisierung von Tesla wirklich?

Tesla vor Privatisierung – Was bedeutet das für Anleger?

Grundsätzlich ist eine Privatisierung von Tesla und ein damit verbundenes Delisting der Tesla-Aktie von der Börse möglich. Dies hat bereits der amerikanische PC-Hersteller Dell gezeigt, nachdem der Firmengründer Michael Dell im Jahr 2013 gemeinsam mit der Risikokapitalfirma Silver Lake das Unternehmen für rund 25 Mrd. US-Dollar zurückgekauft und von der Börse genommen hat.

Im Fall von Tesla dürfte eine Privatisierung etwas schwieriger sein, da die Aktionäre dem Vorhaben zunächst einmal zustimmen müssen. Anleger sollten wissen, dass 75 % der Tesla-Aktien im Streubesitz sind, während Tesla-Chef Elon Musk etwa 20 % der Anteile hält.

Daneben bleiben Fragen nach der Finanzierung. Im Fall von Tesla geht es um ein höheres Transaktionsvolumen (ca. 52 bis 72 Mrd. US-Dollar), zum anderen sitzt Tesla auf rund 11 Mrd. US-Dollar Schulden. Kann Tesla die Finanzierung dennoch stemmen und der Deal kommt zustande, ergeben sich für Anleger 2 Möglichkeiten:

Option A: Anleger können ihre Tesla-Aktien gegen 420 US-Dollar in bar tauschen. Damit sind Anleger nicht mehr Aktionäre von Tesla.

Option B: Anleger können ihre Tesla-Aktien behalten, wobei diese dann automatisiert in eine Art geschlossenen Fond transferiert werden. Anleger bleiben damit de facto an der privaten Tesla-Gesellschaft beteiligt.

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Vor- und Nachteile einer Tesla Privatisierung

Tesla wäre ohne die Notierung an der Börse flexibler und könnte sich mehr auf sein operatives Geschäft konzentrieren, da einfach bestimmte Offenlegungspflichten (Quartalszahlen etc.) wegfallen. Auch dürften die Verwaltungskosten von Tesla sinken.

Für Anleger bedeutet eine Privatisierung, dass sie möglicherweise auf einen Teil ihrer Mitbestimmungsrechte verzichten müssen. Außerdem bedeutet eine Privatisierung auch weniger Transparenz für Investoren, da natürlich kein Quartalsbericht mehr erfolgt. Für Anleger wird es damit schwieriger zu verfolgen, wie sich Tesla im operativen Geschäft entwickelt.

Ähnlich wie bei SpaceX – der Weltraumfirma, die Elon Musk ebenfalls leitet – sollen Anleger ihre privaten Tesla-Aktien alle 6 Monate verkaufen können. Der Preis für die Anteile orientiert sich hier in der Regel nach den jüngsten Fundamentaldaten, wird aber typischer Weise vom Management/Verwaltungsrat festgelegt. Für Anleger und Investoren bedeutet dies ein gänzlich neues Risiko-Niveau.

Fazit: Tesla-Privatisierung nicht ausgeschlossen, doch Fragen bleiben

Die Chancen für eine Privatisierung von Tesla sind besser, als viele Anleger vielleicht denken. Der Grund sind nicht nur die vielen Vorteile, die eine Privatisierung für Tesla mit sich bringen würde. So könnte sich Tesla auf die Umsetzung seiner langfristigen Ziele besser konzentrieren und so schneller wachsen.

Außerdem würde die neue Firmenstruktur es erlauben, dass institutionelle Anleger wie zum Beispiel der saudi-arabische Staatsfonds PIF oder Tencent weiterhin Tesla-Aktionäre bleiben können.

Daneben hat Tesla-Chef Elon Musk noch weitere Verbündete. Google-Gründer Larry Page gilt als großer Unterstützer von Musk. Im Rahmen der TED Konferenz im Jahr 2014 äußerte Page sich dahingehend, dass Musk im Falle seines Ablebens seine Milliarden erhalten soll. Schon im Februar 2017 räumte Musk ein, Gespräche mit Apple geführt zu haben, diese verliefen aber bislang erfolglos. Der Mac-Hersteller sitzt jedoch auf Barreserven von über 240 Mrd. US-$ – eine Beteiligung an Tesla wäre für Apple also durchaus zu stemmen.

Kurzum: Eine Privatisierung würde für Tesla viele Vorteile bringen, gleichzeitig wäre aber auch eine spätere Rückkehr an die Börse nicht ausgeschlossen. In jeden Fall würden Tesla-Anleger von einer Privatisierung profitieren, können sie ihr Investment entweder direkt zu Geld machen oder weiter an Tesla beteiligt bleiben und so von einem möglichen zweiten Börsengang von Tesla profitieren.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands