Toshiba Aktien: Atomkraft verursacht Probleme

Toshiba Aktien und die Atomkraft: Das Gemisch reißt nach Bilanzskandalen und neuen Finanzlöchern Kurs und Konzern in die Tiefe. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Letztes Jahr lief es noch ganz hoffungsvoll für Anleger des Technologiekonzerns Toshiba. Die Aktie legte nach schwierigen Vorjahren um fast 31 % zu. Doch noch vor Weihnachten schlug der Blitz ein. Alles verkaufte Toshiba Aktien.

Die Atomkraft im Konzern verursachte Alarmstufe Rot. Innerhalb weniger Tage brach das Papier um mehr als 40 % ein. Doch damit nicht genug: Am 18. Januar kam der nächste Sturz, um zeitweise 25 %.

Toshiba-Aktien: Atomkraft frisst Eigenkapital

Dass der Bereich Atomkraft Toshiba Aktien einmal belasten könnte, war zwar länger klar, nicht aber der Zeitpunkt und vor allem das Ausmaß. Was ist geschehen? Anlass für ersten Störfall an der Börse war im Kern ein Loch in der Kasse der amerikanischen Atomkraft-Tochter Westinghouse. Toshiba hatte das US-Unternehmen 2006 für 5,4 Mrd. US-$ geschluckt und war damit zum größten Anbieter noch vor Areva aus Frankreich aufgestiegen.

Mit der Katastrophe von Fukushima wurde die Atomsparte endgültig zum Problemkind. Zu den jüngsten Verlusten tragen Kraftwerkbauten in Georgien und China bei, die jeweils gut 1 Mrd. US-$ teuerer werden als veranschlagt. Doch das war nur eine Sache. Parallel brodelte eine ungute Suppe: Vor zwei Jahren hatte Westinghouse das auf den Bau und Rückbau von Atomkraftwerken spezialisierte Unternehmen CB&I Stone & Webster gekauft.

Dieses wiederum hat gravierende Probleme. Unter anderem, weil es Aufträge nicht vertragsgemäß zustande bringt. Die Verpflichtungen stellen Westinghouse vor Bewertungsprobleme, weshalb es von Stone & Webster Nachzahlungen fordert, weil das Betriebsvermögen zu gering angesetzt war. Deshalb hat Toshiba bereits Anfang letzten Jahres umgerechnet ca. 2 Mrd. € abgeschrieben.

Bilanzskandal und Finanzlücken

Zu dem Zeitpunkt hatte der Konzern bereits einen Bilanzskandal hinter sich. Jahrelang wurden die Zahlen schöngerechnet. Folglich mussten alte Bilanzen um über 1,4 Mrd. € nach unten korrigiert werden. Und das Jahr 2015 schloss mit einem Verlust von fast 4 Mrd. €.

Im Dezember schließlich kam die Meldung, es gehe bei Stone & Webster nun doch um 4,1 Mrd. €. Das übersteigt das Eigenkapital und veranlasste die Ratingagenturen, den Daumen zu senken. Die Anleger flüchteten.

Für etwas Ruhe sorgte der letztes Jahr eingeleitete Sanierungsplan. Toshiba verkaufte den Bereich Haushaltsgeräte an die chinesische Konkurrenz Midea, die Medizinsparte an Canon und verabschiedete sich von Teilen des Geschäfts mit Computern. Strittig war allerdings, ob auch der profitable Halbleiterbereich verkauft werden soll.

Das Loch wird größer

Der Druck ist im Januar gestiegen, als der jüngste Kurs-Crash auf eine erneute Korrektur zu den Stone & Webster-Zahlen folgte. Die Belastung wird jetzt bei 5,8 Mrd. € gesehen. Die Investoren zweifeln, ob Toshiba seine Probleme in den Griff bekommt. Sie und die Gläubigerbanken machen nun noch mehr Druck. Toshiba will weitere Bereiche verkaufen und so 2,5 Mrd. € erlösen.

Unklar ist nach wie vor, ob es lohnt, auch den Bereich Halbleitersparte zu verkaufen. Immerhin läuft die Produktion von Flash-Chips und erwirtschaftet den Löwenanteil der operativen Gewinne im Konzern. Toshiba erwägt nun zumindest einen Teilverkauf von 20%, der vermutlich 2,5 Mrd. € bringt.

Als Käufer kommt der Kooperationspartner und US-Hersteller von Festplatten Western Digital infrage. Dies sei eine von mehreren Optionen, hieß es. Am 19. Januar jedenfalls wurde noch nichts entschieden. die Börse jedoch nahm die Pläne positiv auf.

Mitentscheidend wird sein, ob das Finanzloch nicht noch größer wird. Toshiba muss zudem verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Erst zu Jahresbeginn war neuer Manipulationsverdacht aufgekommen: Es geht um Phantomgewinne in der Computersparte zwischen 2012 und 2014. Ein Lichtblick ist, dass die Halbleitersparte dank robuster Nachfrage die Rückkehr in die Gewinnzone ermöglichen würde – wären da nicht die Verluste im Atomgeschäft.

Und: Toshiba Aktien sind mit der Atomkraft auf Ramschniveau gesunken, was die Kapitalbeschaffung extrem erschwert. Die Börse droht sogar, die Aktie aus dem Handel zu nehmen. Ob Toshiba den Turnaround neben Chips auch mit Industrieanlagen oder Aufzügen schafft, ist fraglich. Wer jetzt beim Kurs von gut 2 € zusteigen will, braucht eine gehörige Portion Mut. Zwar war die Aktie im Februar 2016 einige Tage noch weniger wert, um dann auf 3,8 € aufzusteigen. Doch damals war eine mögliche Pleite noch nicht so präsent.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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