Trivago-Aktie: Trotz Talfahrt ein interessantes Investment?

Die letzten Wochen und Monate waren eine regelrechte Achterbahnfahrt für Trivago-Anleger. Noch im Sommer erreichten die Papiere der deutschen Hotel-Suchmaschine ein neues Jahreshoch bei über 24 US-$, bevor die Aktien der Expedia-Tochter auf zeitweise unter 8 US-$ abstürzten. Inzwischen erholte sich der Aktienkurs wieder etwas.

Doch was war passiert, fragt sich so mancher Anleger verwundert mit Blick auf den Aktienkurs? Mit ein Grund für die Talfahrt der Trivago-Aktie dürfte der revidierte Ausblick sein, der wiederum im Zusammenhang mit einer sich veränderten Situation im Reisebuchungsmarkt steht.

Trivago-Aktie auf Talfahrt: Management kassiert Wachstumsziele

Ursprünglich war Trivago sehr optimistisch in das laufende Jahr gestartet und hatte zunächst ein Umsatzwachstum von bis zu 50 % in Aussicht gestellt. Doch inzwischen hat Trivago seinen Umsatzausblick für das laufende Jahr nach unten revidieren müssen.

Noch schlimmer für die gebeutelten Aktionäre dürfte die Aussage des Managements sein, wonach im ersten Halbjahr 2018 kaum mit einem Wachstum zu rechnen ist. Das Trivago-Management rechnet erst im zweiten Halbjahr 2018 wieder mit einem nennenswerten Wachstum.

Wo liegen die Ursachen für die Wachstumsmisere?

Um die Wachstumsprobleme bei Trivago einschätzen zu können, müssen Anleger zunächst das Geschäftsmodell von Trivago besser verstehen. Trivago fungiert wie Kayak und Google Flights lediglich als Vermittler zwischen Hotel-Buchungsseiten und Endkunden.

Dies bedeutet: Der Kunde bucht nicht direkt bei Trivago sein Hotelzimmer, sondern wird an die Hotel-Webseite oder Buchungsseite wie Expedia, Priceline oder Cancelon weitergeleitet. Für jede erfolgreiche Weiterleitung, die zu einer Reservierung bzw. Buchung führt, erhält Trivago eine kleine Vermittlungsprovision.

Aktuell wertet Trivago Angebote von über 200 verschiedenen Buchungsseiten aus und will damit dem Kunden stets den günstigsten Preis für die Übernachtung in einem Hotelzimmer bieten.

Soweit die Theorie. In der Praxis buhlen Reiseagenturen und Buchungsanbieter in der Regel um die besten Werbeplätze auf Suchmaschinen-Seiten, um Kunden zu locken. Von diesem Bieterwettbewerb profitierte auch Trivago.

Zwar wuchsen auch bei Trivago im dritten Quartal 2017 die Zahl der erfolgreichen Weiterempfehlungen um 20 % gegenüber dem Vorjahr. Das Problem: Der Umsatz pro erfolgreicher Weiterempfehlung schrumpfte um 3 % gegenüber dem Vorjahr (von 1,36 auf 1,33 €).

Der Grund: Online-Buchungsanbieter wie Priceline testen eine neue Strategie im Online-Reisemarkt. Zum Beispiel will Priceline seine eigene Marke stärker in den Vordergrund stellen und verstärkt direkt Beziehungen mit Endkunden aufbauen. Leidtragende dieser Entwicklung könnten Buchungsvermittler wie Trivago und TripAdvisor sein, wenn diese Strategie weiter Schule macht.

Fazit: Trivago befindet sich im Umbruch

Dies bedeutet, dass Trivago seine Strategie anpassen muss, um weiter attraktiv für Hotel-Anbieter und Buchungsseiten zu bleiben. Hierfür hat das Unternehmen auch schon Maßnahmen ergriffen.

Trivago will künftig noch rigoroser daran arbeiten, um alle Hotels, Buchungsanbieter und andere Marktteilnehmer einen besseren Zugang zu seiner Plattform zu gewähren. Entscheidend für den weiteren Erfolg von Trivago dürfte jedoch sein, ob es der Meta-Suchmaschine gelingt, weiter qualitativ hochwertige Hotel-Schnäppchen anzubieten.

Als heimlicher Gewinner dieser Entwicklung sehen viele Marktbeobachter bereits den Trivago-Mutterkonzern Expedia, der sich so zum günstigen Preis Werbeplätze sichern und damit seinen Marktanteil im Hotel-Suchmaschinenmarkt ausbauen könnte.

Für Anleger, sich ihm Online-Reisemarkt noch engagieren wollen, könnte damit Expedia auf lange Sicht möglicherweise die bessere Wahl sein. Insgesamt sollten Anleger beachten, dass der Online-Reisemarkt eine eher zyklische Branche ist. Terror-Anschläge, Naturkatastrophen oder andere nicht planbare Vorkommnisse beeinträchtigen die Reiselust vieler Kunden, was sich wiederum auf das Geschäft der Unternehmen auswirkt.

7. November 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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