Trivago bietet viel Potenzial – und Risiken

Die Aktionäre der deutschen Hotel-Suchmaschine Trivago haben eine Achterbahnfahrt hinter sich. Nachdem sich der Kurs der Expedia-Tochter in diesem Jahr kurzfristig auf über 20 US-$ verdoppelt hatte, folgte jüngst ein Absturz auf zuletzt unter 12 US-$. Was war passiert?

Trivago hat seine ehrgeizigen Wachstumspläne für 2017 begraben. Statt einem Wachstum von 45 bis 50 %, erwartet Trivago in diesem Jahr nur noch ein Umsatzwachstum von 40 %. Ursächlich sind niedrigere Ausgaben von Hotels und anderen Reiseunternehmen – die Trivago-Aktie stürzte prompt um knapp 30 % ab.

Viele Anleger stellen sich nun die Frage, ob dieser Kurssturz möglicherweise eine Einstiegsgelegenheit sein könnte bzw. wie viel Potenzial wirklich in der Trivago-Aktie steckt? Dazu ein Blick auf das Geschäftsmodell des Unternehmens.

Was macht Trivago und wie funktioniert das Geschäftsmodell?

Trivago mit Hauptsitz in Düsseldorf wurde ursprünglich im Jahr 2005 gegründet und im Jahr 2012 vom Online-Reiseportal Expedia für rund eine halbe Milliarde Euro übernommen.

Ende 2016 brachte der Mehrheitseigentümer Expedia seine Tochter Trivago an die Börse, wodurch Trivago etwas mehr als 200 Mio. US-Dollar netto erlösen konnte. Expedia hält auch nach dem Börsengang weiterhin einen Großteil der Trivago-Aktien.

Trivago betreibt eine Hotel-Suchmaschine und verspricht dabei für den Kunden den besten Preis. Derzeit sind in der Trivago-Datenbank 1,8 Millionen Hotels in 190 Ländern zu finden, aus denen das Unternehmen den besten Preis ermittelt.

Trivago verfolgt dabei ein außergewöhnliches Geschäftsmodell. Anders als andere Reisewebseiten erzielt Trivago keine direkten Umsätze mit Kunden, sondern leitet die Besucher in der Regel auf die entsprechende Hotelseite weiter, wo der Nutzer dann seine Hotelbuchung abschließen kann. Für die Weiterleitung der Besucher auf die Partnerseite kassiert Trivago Provisionen.

Trivago steckt viel Geld in Werbung

Trivago ist sowohl in 2015 als auch in 2016 um mehr als 50 % gewachsen. Um dieses hohe Wachstum halten zu können, investiert Trivago massiv in Werbung, um die Besucherzahlen auf seiner Hotel-Suchmaschine zu steigern und damit noch attraktiver für Hotels und andere Buchungsanbieter zu werden.

Konkret gibt Trivago etwa 90 % seiner Umsätze für Werbung und Marketing aus. Diese hohen Werbeausgaben haben allerdings mit dazu beigetragen, dass Trivago im jüngsten Quartal noch einen Nettoverlust von 3,4 Mio. € ausweisen musste.

An den hohen Werbeausgaben dürfte sich auch in den nächsten Quartalen nicht viel ändern, da Trivago in neuen Märkten wie in Japan, Indien und Russland weiter wachsen will.

Was macht Trivago so interessant?

Aber nicht nur das wachsende Provisionsgeschäft macht Trivago für Anleger interessant. Trivago betreibt daneben noch den Hotel Manager bzw. Hotel Manager Pro, eine Software, über die Hotels ihre Aktivitäten auf Trivago managen können.

Aktuell verzeichnet der Hotel Manager Pro 33.000 gebührenpflichtige Abonnenten. Die Umsätze im Zusammenhang mit diesem Serviceangebot kletterten im ersten Halbjahr 2017 um über 100 %. Allerdings steckt das Abo-Geschäft mit 3,3 Mio. € Umsatz noch in den Kinderschuhen.

Zieht man den gesamten Hotelbuchungsmarkt von 415 Mrd. US-$ in Betracht, steht Trivago mit einem potenziellen Jahresumsatz von knapp 1,0 Mrd. US-$ noch am Anfang.

Fazit: Trivago mit viel Potenzial, doch der Markt ist bereits dicht fragmentiert

Immer mehr Konsumenten buchen ihre Reise bzw. ihr Hotel online. Dieser Trend dürfte sich auch in den nächsten Jahren weiter fortsetzen, wovon auch Trivago profitieren könnte und was letztendlich auch das Potenzial von Trivago begründet.

Bei aller Wachstumseuphorie sollten Anleger aber beachten, dass der Online-Reisebuchungsmarkt bereits dicht fragmentiert ist. Neben Branchenschwergewichte wie Priceline Group, tummeln sich hier auch viele kleine Anbieter und Newcomer wie Airbnb, die etablierten Hotels zunehmend Marktanteile streitig machen.

Der Erfolg von Trivago dürfte daher nicht zuletzt davon abhängen, wie sich die deutsche Hotel-Suchmaschine im Wettbewerb behaupten kann, sondern auch, ob es Trivago gelingt, seine Werbeausgaben unter Kontrolle zu behalten und gleichzeitig stark zu wachsen.

Die Trivago-Aktie ist daher eher für Anleger interessant, die einen Wert mit hohem Wachstumspotenzial im Depot haben wollen, dafür aber auch bewusst höhere Risiken eingehen.

26. September 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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