Trotz Einigung mit der EU: Trumps Handelskriege drücken die Börse

Trumps Handelskrieg USA vs. EU ist beigelegt, eine Neuauflage ist nicht zu erwarten. Dafür zeigen sich die Folgen seiner anderen Konflikte. (Foto: Evan El-Amin / Shutterstock.com)

Mit etwas über 12.000 Punkten steht der Dax grob auf dem Niveau von vor einem Jahr. Nach dem Höhenflug im Dezember und dem Absturz bis März kam es im Frühjahr zur erneuten Erholung, doch dann drohte Donald Trump mit seinen Strafzöllen für europäische Produkte und vor allem Autos Ernst zu machen.

Das deutsche Börsenbarometer gab weiter nach, doch dann Ende Juli die Erleichterung: Der Handelskrieg USA vs. EU ist abgewendet – vorläufig zumindest.

Handelskrieg USA vs. EU abgewendet

EU Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte Trump besucht und offenbar von negativen Folgen eines Handelskriegs gegen die EU überzeugt – die USA selbst sind nämlich nicht unverwundbar. Europa hätte notfalls einige Gegenmaßnahmen im Arsenal, die auf bestimmte amerikanische Sektoren zugeschnitten schmerzhafte Auswirkungen hätten: etwa Vergeltungszölle in Form einer Digitalsteuer auf Onlinedienstleistungen, von denen auch Größen wie Google, Facebook & Co. betroffen gewesen wären.

Nicht zuletzt zeigt das kurz zuvor abgeschlossene JEFTA Handelsabkommen mit Japan, dass es auch andere Schwerpunkte außer den USA gibt. Es gilt als sicher, dass Trump sich davon weniger beeindrucken ließ als vom Druck vieler Republikaner und Wirtschaftsverbände. Die einen wollen auf keinen Fall einen Handelskrieg gehen die EU als Bündnispartner und die anderen stemmten sich gegen drohende Umsatzeinbußen. Schon wegen der Stahlzölle waren Gewinnwarnungen von den Autoherstellern gekommen.

Kurzes Aufatmen an der Börse

Im Ergebnis sollen nun die bereits erhobenen Zölle auf Stahl und Aluminium wieder beseitigt werden. Die Aktie von Salzgitter etwa erholte sich prompt von 36,50 auf 42,10 Euro. Analysten sehen das Kursziel nun bei 52 Euro. Auch die Strafzölle auf Autos sind vom Tisch. Die Aktien von VW, Daimler und BMW konnten sich ebenfalls erholen, wenn auch vorübergehend – am besten das Papier von BMW, das in den USA besonders stark engagiert ist.

BMW-Aktie: Auto-Hersteller fährt überraschend hohen Gewinn einBMW: An sich tolle Ergebnisse von sinkenden Margen überschattet. › mehr lesen

Erleichterung spiegelte sich aber auch bei etlichen anderen Werten, etwa bei der Siemens Aktie. Immerhin wollen die USA und die EU nun daran arbeiten, Industriezölle und andere Importhindernisse komplett abzubauen. Der Dienstleistungssektor soll ebenfalls davon profitieren.

Und welchen Preis hat die EU für die Einigung bezahlt? Im Prinzip einen symbolischen. Denn die Zusage, mehr Sojabohnen aus den USA zu kaufen, ist ein Nullsummenspiel: Der bisherige Großabnehmer China kauft wegen der Vergeltungszölle jetzt Sojabohnen aus Brasilien, das nun weniger Kontingente für Europa zur Verfügung hat. Und diese Lücke füllt die EU eben mit Einfuhren aus den USA. Außerdem will die EU mehr amerikanisches Flüssiggas importieren. Doch erstens sind die Verladekapazitäten an der Ostküste begrenzt und zweitens ist die Nachfrage in Europa rückläufig.

Und schon ziehen neue dunkle Wolken auf

Und wie geht es weiter? Die eine Möglichkeit ist, dass der beigelegte Handelskrieg USA gegen die EU Trump lediglich eine Atempause verschafft. Schließlich binden seine anderen Handelskonflikte, allen voran mit China, erhebliche Kräfte. Ob er bei nächster Gelegenheit erneut zuschlägt, ist aber weniger unwahrscheinlich, nicht zuletzt wegen der offensichtlichen Widerstände in seiner eigenen Partei.

Ob es parallel zur Reform von WTO-Regeln zu einer Neuauflage von TTIP kommt, bleibt abzuwarten. Trump dürfte eher versucht sein, die Europäer gegeneinander auszuspielen. Das Schlimmste ist zwar abgewendet, doch die deutsche Wirtschaft kämpft mit den Auswirkungen von Trumps parallelen Konflikten. Die Sanktionen gegen den Iran sind nur eine Sache – Daimler etwa hat sich bereits zurückgezogen, mittelfristig sind auch Airbus oder die Lufthansa betroffen.

Und zeigten schon der Streit mit der Türkei und der Verfall der Lira ihre Spuren, so droht nun eine Wirtschaftsabkühlung in China, dessen Währung im Sog des Handelskriegs mit den USA ebenfalls abrutscht: Der Yuan ist im Verhältnis zum Dollar so billig wie vor zehn Jahren nicht mehr. So folgt ein Schock auf den anderen. Andererseits: Sollten sich die Bremsklötze irgendwann auf breiter Front lösen, dürften die angestauten Aufholpotenziale für neuen Schwung sorgen. Auch die Russlandsanktionen bremsen nach wie vor.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.