Trump setzt auf Strafzölle: mögliche Folgen für deutsche Anleger

Donald Trump forciert Strafzölle auf Stahl und Aluminium – und das könnte erst der Anfang sein, die Automobilbranche steht ebenfalls am Pranger. (Foto: Yuri Kabantsev / Shutterstock.com)

US-Präsident Donald Trump macht Ernst mit „America First“. Schon in knapp 2 Wochen sollen Stahlimporte in die USA mit einem Strafzoll von 25 % belegt werden, auf Aluminium-Importe sind dann Strafzölle in Höhe von 10 % fällig. Ausgenommen sind zunächst nur die direkten Nachbarn Kanada und Mexiko.

Zu den Hintergründen: Die USA schiebt ein großes Handelsbilanzdefizit (78 Mrd. US-$ im Januar 2018) vor sich her, zudem sind viele US-Stahl- und Aluminiumproduzenten aufgrund der Billigkonkurrenz nicht ausgelastet (Auslastungsgrad zwischen 48 und 73 %). Mithilfe von Strafzöllen und der bereits beschlossenen US-Steuerreform will Trump erreichen, dass wieder mehr vor Ort in den USA produziert wird.

Ob die jüngste Maßnahme gegen die Regeln der Welthandelsorganisation WTO verstößt sei dahingestellt, sollte sich der „Handelskrieg“ auf andere Bereiche wie zum Beispiel auf die Autoindustrie ausweiten, dürfte dies auch deutsche Autobauer und damit auch viele Anleger treffen.

Trump droht BMW und Daimler mit Strafzöllen

Vor allem macht der US-Präsident keinen Hehl daraus, dass man mit weiteren Strafzöllen auch deutsche Autobauer ausbremsen will. Im Rahmen einer Kundgebung in Pennsylvania bekräftigte Trump nochmal seine Absicht, Mercedes-Benz und BMW mit Zöllen belegen zu wollen.

Das Vorhaben erscheint Paradox, ist BMW doch einer der größten Auto-Exporteure der USA und produziert seit Mitte 1994 in Spartanburg (South Carolina) hauptsächlich Geländewagen der X-Reihe. Schon heute ist Spartanburg der größte Produktionsstandort des bayerischen Autobauers und so kündigte BMW Mitte 2017 eine weitere Investition von 600 Mio. € für den Standort an, wodurch 1.000 neue Jobs in Spartanburg entstehen sollen.

Auch die Daimler-Tochter Mercedes-Benz produziert in seinem Werk in Alabama Sport Utility Vehicle (SUV) und die C-Klasse für den Automarkt in Nordamerika. Seit Bestehen hat Mercedes mehr als 6 Mrd. US-$ in das Werk Nahe Tuscaloosa investiert und beschäftigt dort mehr als 3.700 Mitarbeiter.

Mehr als 70 % der dort produzierten Mercedes-Geländewagen gehen ins Ausland. Im Herbst 2017 kündigte Mercedes-Benz an, weitere 1 Mrd. US-$ in Alabama investieren zu wollen, um die Produktion von Elektroautos für den hiesigen Markt anzustoßen.

VW produziert in den USA, doch der Gewinn wird anderswo erwirtschaftet

Volkswagen (VW) erholt sich gerade vom Diesel-Abgasskandal in den USA und konnte zu Jahresbeginn dank neuer Modelle mit positiven Absatzzahlen aufwarten. VW produziert seit 2011 in Chattanooga/Tennessee und hat hier zuletzt in 2015 investiert. Jährlich laufen an diesem Standort etwa 150.000 VW-Fahrzeuge vom Band, die von 3.200 Beschäftigten gefertigt werden.

Auch im mexikanischen Puebla zeigt VW Flagge mit einem seiner größten Werke, wo rund 15.000 Mitarbeiter beschäftigt werden. Die dort produzierten Fahrzeuge werden vornehmlich in die USA geliefert.

VW genießt gegenüber BMW und Mercedes-Benz noch einen weiteren Vorteil: Die Gewinnentwicklung von VW ist nicht so stark vom US-Geschäft abhängig wie zum Beispiel bei der Konkurrenz. Der Grund: VW ist inzwischen im Reich der Mitte stark präsent, allein in China konnte VW im letzten Jahr 3,18 Millionen VW-Autos verkaufen – ein neuer Rekord.

Warum Trump Strafzölle verhängt – ein Blick auf die EU vs. USA

Die deutschen Autobauer hoffen auf die EU, die vor der Welthandelsorganisation (WTO) Beschwerde wegen der von Trump beschlossenen Strafzölle einlegen will.

Allerdings müssen Anleger wissen, dass sich auch die EU mit Schutzzöllen gegen ausländische Importprodukte wehrt. Die Zölle auf Autoimporte aus den USA in die EU sind zum Beispiel vier Mal so hoch wie umgekehrt. So erhebt die EU einen Einfuhrzoll auf US-Autos von 10 %, während die USA Autoimporte aus der EU nur mit 2,5 % besteuert.

Laut WTO liegt der Schnitt der Einfuhrzölle in der EU bei 5,2 %, während dieser Satz in den USA nur bei 3,5 % liegt. Trump hat also mit seiner Argumentation (unfaires Verhalten) nicht ganz Unrecht.

Fazit: Die Risiken für deutsche Autobauer sind gestiegen

Durch die beschlossenen Strafzölle der US-Administration sind die Risiken für die deutschen Autobauer gestiegen. Dies gilt insbesondere dann, wenn der „Handelskrieg“ weiter eskaliert und sich auf weitere Branchen wie die Zuliefererindustrie oder auf den Maschinenbau ausweitet.

Ein Lichtblick ist allerdings, dass die von Trump anvisierte und vielen gefürchtete Grenzausgleichssteuer (Border Adjustment Tax) zunächst vom Tisch ist – diese hätte Waren aus dem Ausland zusätzlich verteuert. Dafür kommt voraussichtlich die Base Erosion Anti-Avoidance Tax (BEAT), wodurch die USA verhindern will, dass ausländische Firmen Gewinne über Tochterfirmen durch interne Transfers künstlich drücken.

Kurzum: Von den deutschen Unternehmen scheinen neben den Stahlproduzenten ThyssenKrupp und Salzgitter, insbesondere BMW und Daimler am stärksten von Trumps Strafzöllen betroffen.

Da jedoch weder die USA, noch die EU an einem dauerhaften „Handelskrieg“ interessiert sind, dürfen Anleger mittelfristig auf eine Einigung hoffen. In Folge einer möglichen Einigung könnten die Autozölle sowohl in der EU als auch in den USA sinken, wodurch auch deutschen Autobauern geholfen wäre – doch bis es soweit ist, müssen sich Anleger noch in Geduld üben.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt