Trump will Obamacare kippen – die Biotech-Branche jubelt

Der Sieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen Anfang November löste einen regelrechten Boom unter den Biotech-Aktien aus. Der Grund: Mit dem Wahlsieg von Donald Trump wurde Hillary Clinton verhindert.

Die ehemalige US-Außenministerin hatte sich im US-Wahlkampf immer wieder kritisch über die hohen Medikamentenpreise in den USA geäußert. Clinton kündigte an, die Medikamentenpreise stärker regulieren zu wollen. Sogar von einer Kappung der Ausgaben war die Rede – diese Drohung ist nun mit dem Wahlsieg von Trump vom Tisch.

Unternehmen in der Biotech-Industrie atmeten auf, müssen Sie nun keine direkte Einmischung in ihre Preispolitik mehr fürchten. Immerhin verschlingt die Entwicklung eines Medikaments bis zur Markteinführung schon mal mehr als 2 Mrd. US-$. Würden die Preise reguliert, würde es insbesondere für kleinere Biotech-Firmen weniger Sinn machen, Risiken und hohe Anfangsverluste in Kauf zu nehmen, um ein neues Medikament zu entwickeln.

Donald Trump will Obamacare kippen – und Biotech-Unternehmen jubeln

An dieser Stelle erhofft sich die Biotech-Branche Hilfe von Donald Trump, der den Geschäftssinn der Biotech-Branche eher fördern will. Gleichzeitig soll die Gesundheitsversorgung für die Menschen billiger werden.

Trump hatte in der Vergangenheit immer wieder den sogenannten Patiient Protection and Affordable Care Act (PPACA), besser bekannt unter dem Namen „Obamacare“, kritisiert. US-Präsident Barack Obama hatte die US-Gesundheitsreform in den USA auf den Weg gebracht und damit de facto in 2013 eine Versicherungspflicht für US-Bürger eingeführt.

Trump bezeichnete Obamacare in Wahlkampfzeiten als „Desaster“ und kündigte an, die US-Gesundheitsreform kippen zu wollen bzw. durch eine kostengünstigere Regelung zu ersetzen.

Darum stellt sich Trump gegen Obamacare

Der Grund: Obamacare griff teils drastisch in die bestehenden Versicherungsverträge ein, wodurch Schätzungen zufolge bis zu 5 Mio. Amerikaner ihre Krankenversicherung verloren, da diese den Regeln und Standards von Obamacare nicht genügten – für viele Familien waren die neuen Verträge oft einfach zu teuer.

Donald Trump will dies ändern. Allerdings dürfte dies nicht so einfach sein, denn inzwischen haben rund 21 Mio. Amerikaner eine Krankenversicherung durch den Affordable Care Act (Quelle: Department of Health and Human Services).

So stellt sich Trump die Zukunft der US-Krankenversicherung vor

Daher glauben Politikbeobachter, dass Trump Obamacare zwar anpassen, aber nicht gänzlich kippen wird. Endgültig vom Tisch sein dürften allerdings die Steuern auf sogenannte Cadillac-Policen. Dabei geht es um sehr gute Krankenversicherungen, die sich oft nur Vermögende leisten können.

Trump kündigte ferner an, Bürger auch das Recht einräumen zu wollen, Versicherungsschutz auch außerhalb des Obamacare-Systems zu erwerben. Außerdem sollen die Gesundheitsausgaben vollständig steuerlich absetzbar sein, Kinder unter 26 Jahren sollen weiter bei ihren Eltern mitversichert bleiben können.

Zudem will Trump Versicherungsfirmen erlauben, auch Krankenversicherungen über die einzelnen US-Bundesstaatsgrenzen hinweg zu verkaufen – dies soll den Wettbewerb ankurbeln und damit die Preise drücken. Unter dem Strich könnte Trump sämtliche Regulierungen rund um Obamacare aussetzen.

Was bedeutet das mögliche Aus von Obamacare für die Biotech-Branche?

Da die Republikaner unter Donald Trump sowohl den Senat als auch das Repräsentantenhaus mehrheitlich kontrollieren, sind Anpassungen an Obamacare sehr wahrscheinlich.

Für die Biotech-Branche bedeutet dies nicht nur mehr Freiraum bei der Preisgestaltung, sondern womöglich auch eine schnellere Marktzulassung ihrer Medikamente, denn Trump will auch die Food and Drug Administration (FDA) reformieren – die Behörde ist in den USA unter anderem für Zulassung von Medikamenten zuständig.

Weniger Bürokratie soll für eine schnellere Zulassung von lebensrettenden Medikamenten sorgen, so die Pläne von Trump. Für die gesamte Biotech-Branche wäre dies ein Segen, könnten Biotech-Unternehmen so Medikamente noch schneller und zu geringeren Kosten auf den Markt bringen. Als langfristige Nutznießer gelten daher insbesondere Amerikas führende Biotech-Konzerne wie Celgene, Biogen, Gilead Sciences, Amgen oder Regeneron.

16. Dezember 2016

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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