Trumps kreative Attacken gegen Stahlimporteure

Protektionismus, Marktabschottung, Strafzölle – dass Donald Trumps markige Ankündigungen und einseitige Anklagen nicht zur komplexen Realität an den Weltmärkten passen, ist leidlich bekannt. Und wer gedacht hatte, sie würden einer gewissen Erkenntnis weichen und im Sand verlaufen, weil sie letztlich auch der amerikanischen Wirtschaft schaden, wurde nach dem letzten G-7 Treffen eines Besseren belehrt.

USA: „Stahl zu unfairen Preisen importiert“

Nach Handelsüberschüssen bei Autos schießen sich die USA auf Stahl ein. Trump hat neben Japan und China vor allem Europa im Visier. Seine Vorstellung: Wer Stahl in die USA importiert und „unfair niedrige“ bzw. subventionierte Preise ansetzt, muss blechen. Per Dekret sollen Zölle eingetrieben werden, wenn nötig auch rückwirkend.

Als Grundlage dient eine Untersuchung, die Dumpingfälle bei Stahl aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, Italien, Japan, Südkorea und Taiwan nachweisen will. Allein für 2015 soll es um Einfuhren von mehr als 732 Mio. US-$ gehen. Davon entfällt der größte Teil mit über 196 Mio. US-$ auf deutsche Anbieter.

Als Richtschnur dienen die Herstellungskosten oder Einkaufspreise. Abhängig davon, wie weit die Verkaufspreise nach unten abweichen, werden Dumping-Raten errechnet. Bei der Dillinger Hütte kommt die US-Regierung auf 5,38%, bei Salzgitter auf 22,9%, und bei der österreichischen Voestalpine sollen es gar 53,7% sein. Hohe Dumping-Raten werden auch Industeel aus Frankreich oder JFE Steel aus Japan angelastet.

Sicherheitszahlungen für Strafzölle

Die Ergebnisse dienen zum Nachweis, dass Handelsverträge verletzt wurden. In der Folge werden insgesamt Abgaben zwischen 3,62% und rund 148% der jeweiligen Importwerte verhängt. Um die Zahlungen sicherzustellen, wurde der Zoll angewiesen, einstweilen Sicherheiten von den Unternehmen einzutreiben, bis die entsprechenden Fälle entschieden sind.

Die genannten Zahlen, die sich auf 2015 beziehen, sehen aktuell teils noch schlimmer aus. Salzgitter etwa soll nun für 200.000 Tonnen Stahl in die USA einen Strafzoll von 22,9% zahlen. Dabei handelt es sich um Grobbleche, die in Florida zu Pipelinerohren verarbeitet werden. Die würden dann natürlich entsprechend teuerer.

Sowohl Salzgitter als auch Voestalpine verweisen darauf, dass die US-Produzenten keine Produkte in der gleichen Qualität liefern könnten. In der Folge würde die Qualität etwa von Maschinen oder Karosserien leiden, es sei denn die weiterverarbeitende Industrie akzeptiert höhere Preise. Gleichzeitig sind die Europäer weitaus mehr auf den US-Markt angewiesen als umgekehrt, sodass Gegensanktionen als Druckmittel wirkungslos wären.

Gefährdung der nationalen Sicherheit

Derweil ging der US-Präsident noch einen Schritt weiter und verstieg sich in die Idee, dass Stahlimporte die nationale Sicherheit gefährden könnten. Als Aufhänger wären beispielsweise spezielle Legierungen zur Panzerung von Schiffen denkbar. Um Einfuhren zu beschränken, werden immer neue Begründungen aus dem Hut gezaubert.

China reagierte besonders scharf und kündigte Vergeltungsschritte gegen US-Firmen im Finanz- oder Technologiesektor an. Die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Stahlproduzenten könne nicht durch krude Importbeschränkungen behoben werden, hieß es.

Die Bundesregierung setzt eher auf eine Klage der EU bei der WTO und versucht zuerst eine Einigung herbeizuführen. Am 27. Juni will Wirtschaftsministerin Zypries mit ihrem US-Amtskollegen Ross in Berlin reden. Sie geht unter anderem davon aus, dass schon die Berechnungsmethode der Amerikaner falsch ist.

Dazu hat bereits Salzgitter umfangreiche Datensätze an die US-Behörden geliefert. Auch andere Länder und Hersteller schließen sich dem Vorwurf an.

Deutsche Aktien leiden unter US-Protektionismus

Inzwischen haben erste Lieferanten wie Dillinger Hütte ihre Lieferungen in die USA eingestellt. Ein schmerzhafter Schritt, denn der US-Protektionismus führt letztlich dazu, dass wohl noch mehr Stahl den europäischen Markt überflutet. Dabei hatten sich die Preise trotz der weltweiten Überangebots zuletzt erholt, wovon auch Aktien von ThyssenKrupp oder Klöckner profitierten.

Und Salzgitter erfreute mit deutlichen Gewinnsteigerungen im ersten Quartal des Jahres. Ob der bislang positive Trend in der europäischen Branche nach dem vorangegangenen Streit mit China und dessen Überkapazitäten anhält, wird auch vom Ausgang der politischen Verhandlungen abhängen.


Aktienstudie
Zum Jahresstart in diese 3 Werte investieren

Wer 2017 noch nicht zugeschlagen hat, sollte diese Werte spätestens zum Jahresstart 2018 ins Depot überführen. Wir erklären, welche 3 Werte Sie jetzt brauchen, um erfolgreich ins neue Jahr zu starten und satte Gewinne zu realisieren.

Klicken Sie jetzt hier, um sich "3 Top-Aktien 2018" GRATIS zu sichern! ➜


8. Juni 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt