Türen auf, Steuern runter: So lockt China ausländische Unternehmen

Mit massiver Steuersenkung will China die Abwanderung von Kapital und Produktionen verhindern. Und zwar rückwirkend zum Januar 2017. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Während in Europa über Länder mit niedrigen Steuern gestritten wird und der Fiskus deutsche Unternehmen trotz Rekordeinnahmen kaum entlastet, schaffen andere Fakten. Nach Trumps Steuerreform, die US-Unternehmen höhere Gewinne verspricht und Kapital ins Land zieht, kommt die Antwort aus China: Eine Steuersenkung soll ausländische Firmen entlasten.

Massive Steuersenkung in China

Nun steigt auch die zweitgrößte Volkswirtschaft in den Steuerwettbewerb ein. Mit der Steuersenkung will China als Standort attraktiv bleiben, eine Reaktion auch auf zunehmend schwächere Auslandsinvestitionen und drohende Produktionsverlagerungen. Kein Wunder, denn auch ohne Trumps Steuergeschenke haben sich die Bedingungen für ausländische Unternehmen in China verschlechtert.

Sie klagen über Protektionismus, erschwerten Marktzugang, unfairen Verdrängungswettbewerb sowie steigende Kosten, unter anderem für Steuern. Bei letzteren setzt China an. Die Steuersenkung hat den Standardsatz von 25 % im Visier, auf den es erhebliche Nachlässe geben soll. Dass sie sogar rückwirkend zum 1. Januar 2017 gilt, verdeutlicht den Druck.

Sollten die zahlreichen amerikanischen Unternehmen, die erheblich in China investiert haben, ihre Gewinne günstig in die USA zurückverlagern, wäre das aufstrebende Land hart getroffen. Deshalb lockt Peking auch mit Rückerstattungen für Steuern, die Firmen bereits 2017 gezahlt haben.

Allerdings müssen sie dafür einige Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören direkte Investitionen in Branchen, die von der Regierung in Peking gefördert werden. Auch muss das Geld direkt an die Unternehmen fließen. Im Zentrum steht offenbar der Technologiesektor. Für High-Tech-Dienstleister soll der Steuersatz auf 15 % gesenkt werden. Mit neuen Technologien und digitalen Angeboten will sich China unabhängiger von Exporten machen. Dabei orientiert sich die Regierung an den Industrieländern, wo Dienstleister teils der Wirtschaftsleistung ausmachen, während es in China nur die Hälfte ist.

Besserer Zugang zur Finanzbranche

Parallel dazu öffnet das Land nun auch sein Finanz-System für ausländische Investoren. Die dürfen jetzt auch die Mehrheit an Gemeinschaftsunternehmen im Finanzsektor übernehmen – wenn auch zunächst schrittweise: Zunächst sind bislang 49 % künftig 51 % an Anbietern für Termingeschäfte, Wertpapiere und Investmentfonds möglich. Nach Ablauf von drei Jahren entfallen sogar alle Begrenzungen. Bei Versicherungen indes sind fünf Jahre vorgesehen.

Damit ist auch das Monopol für die britische Bank HSBC mit Sitz in Hongkong gebrochen, der bislang als einzige die Mehrheit an einem Gemeinschaftsunternehmen zugestanden wurde. Bereits vor einem Jahr durfte Morgan Stanley als erstes ausländisches Geldhaus 49 % an einem Wertpapiergeschäft übernehmen. Die neuen Pläne der Regierung sorgten denn auch für Stimmung an den Aktienmärkten. Papiere chinesischer Finanzkonzerne legten kräftig zu.

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Erst die USA, dann China – dem Steuerwettbewerb können sich Europa und Deutschland nicht mehr länger verschließen. Zwar ist ein verbreitet befürchtetes Steuerdumping nicht die Alternative, doch eine Steuerreform und angepasste Abschreibungsregeln für Unternehmen in Deutschland wären nach zuletzt zehn Jahren und angesichts sprudelnder Einnahmen des Fiskus wohl fällig.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.