Twitter-Aktie stürzt ab: Das sind die Gründe und Chancen

Die Twitter-Aktie brach zuletzt kräftig ein. Was sind die Gründe und wie stehen die Chancen auf eine Kurserholung? (Foto: Twin Design / shutterstock.com)

Die Twitter-Aktie verlor Ende Juli rund ein Viertel ihres Börsenwertes. Wieder einmal enttäuschte der Kurznachrichtendienst mit einem schwachen Nutzerwachstum die Investoren. Optimisten hatten gehofft, dass Twitter vom Rummel rund um die Fußball-WM im Sommer profitieren würde – dies war in diesem Jahr nicht so.

Viele Anleger fragen sich nun, ob sich der Kursabschwung bei der Twitter-Aktie weiter fortsetzt oder eine schnelle Erholung ansteht. Dazu ein Blick auf die Gründe für den jüngsten Kursverfall.

Twitter Aktie stürzt ab – die Gründe

Zwar hat Twitter im jüngsten Quartal mit einem Umsatz von 711 Mio. US-$ und mit einem Nettogewinn von 17 US-Cent je Aktie die Erwartungen teilweise mehr als erfüllen können, doch die meisten Profi-Investoren interessiert vor allem das Nutzerwachstum, denn darauf stützt sich im Prinzip das Geschäftsmodell von Twitter. Wachsen die Nutzerzahlen, kann Twitter mehr Online-Werbeanzeigen einblenden.

Im jüngsten Quartal fiel allerdings die Zahl der monatlich aktiven Nutzer von 336 Millionen im Vorquartal auf nur noch 335 Millionen – ein Rückgang von einer Million Nutzer.

Twitter selbst führt die Probleme auf mehrere Gründe zurück. Zum einen sind europaweit Regularien in Kraft getreten (EU-Datenschutzgrundverordnung), welche die Daten der Nutzer besser schützen. Zum anderen hat sich Twitter dagegen entschieden, in einigen Märkten die Partnerschaft mit bezahlten SMS-Serviceanbietern auszubauen. Stattdessen hat man sich darauf konzentriert, gefälschte Twitter-Konten zu löschen.

Das Problem mit den Fake-Accounts

Das Problem mit gefälschten Twitter-Konten hat inzwischen solche Dimensionen erreicht, dass Twitter dieser Problembekämpfung eine höhere Priorität einräumt und vorerst auf Nutzerwachstum verzichtet. Das Problem: Binnen weniger Minuten lässt sich ein Twitter-Konto mit dem Konterfei einer prominenten Person einrichten. Über das gefälschte Konto lassen sich dann Nachrichten absenden, die von Außenstehenden als „echt“ wahrgenommen und der prominenten Person zugeordnet werden.

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Besonders prekär ist diese Entwicklung in der Kryptoszene, wo sich Twitter-Nutzer als Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin ausgeben und in dessen Namen Betrügereien anstoßen. Die Promis sind bisweilen relativ machtlos gegen diese Betrugsmasche und versuchen durch die Änderung des Nutzernamens den Schaden zu begrenzen.

Twitter reagiert und löscht zahlreiche Konten

Wie die Washington Post berichtet, soll Twitter allein zwischen Mai und Juni 2018 mehr als 70 Mio. falsche Twitter-Konten (Fake-Accounts) gelöscht haben. Auch nach dieser Aktion gehen die Bereinigungsarbeiten bei Twitter weiter. Derzeit sollen nach wie vor 1 Mio. Twitter-Konten pro Tag gelöscht werden – kein gutes Zeichen für das laufende Quartal. So warnte Twitter dann auch Investoren, dass die Nutzerzahlen vorrübergehend weiter fallen könnten.

Fazit: Twitter ist gefordert, mehr gegen Fake-Accounts und Falschinfos zu tun

Twitter stellt die Qualität seiner Plattform in den Vordergrund und verzichtet vorerst auf Wachstum. Das Problem mit gefälschten Twitter-Konten könnte das Wachstum des Kurznachrichtendienstes auch in den nächsten Monaten weiter belasten.

Anleger müssen sich darauf einstellen, dass die Nutzerzahlen auch im laufenden dritten Quartal nicht besonders gut ausfallen. Vielmehr ist Twitter gefordert, mehr gegen Fake-Accounts, Hassbotschaften und gezielte politische Propaganda zu unternehmen. Dies bedeutet: Twitter wird möglicherweise noch mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um das Problem in den Griff zu bekommen, was wiederum die Ertragslage kurzfristig belasten könnte – mit entsprechenden Folgen für den Aktienkurs.

Unter dem Strich bleibt die Twitter-Aktie ein spekulatives Papier, dass vor allem für risikobewusste Anleger als Depotbeimischung interessant ist, die eine Social Media Aktie im Depot halten wollen.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands