Uber-Aktie kommt an die Börse: Das sollten Anleger beachten

Nachdem der Ex-Expedia-Chef Dara Khosrowshahi die Führung beim weltweit teuersten Start-up Uber übernommen hat, steht fest: Uber kommt an die Börse. Der neue Uber-Chef strebt im Jahr 2019 bzw. spätestens im Jahr 2020 ein Initial Public Offering (IPO) an.

Zuletzt wurde der Fahrdienstvermittler Uber Technologies mit rund 68 Mrd. US-$ am Markt bewertet. Wall Street Beobachter gehen davon aus, dass Uber bei einem späteren Börsengang mehr als 100 Mrd. US-$ auf die Waage bringen könnte – damit wäre das IPO von Uber nach dem Börsengang von Alibaba einer der größten Tech-Börsengänge überhaupt.

Noch aber ist es nicht soweit. Uber geriet zuletzt in die Schlagzeilen, nachdem die Geschäftspraktiken des Unternehmens, Rechtsverstöße und das Auftreten des inzwischen geschassten Uber-Chefs Travis Kalanick für Kritik sorgten. Der neue Uber-Chef Dara Khosrowshahi will daher das Unternehmen neu ausrichten und Uber fit für den Börsengang machen.

Uber will sich fit für den Börsengang machen

Zunächst soll ein Image- und Kulturwandel bei Uber her. Das im Jahr 2009 in San Francisco gegründete Unternehmen will nicht länger als der rücksichtslose Taxi-Schreck wahrgenommen werden, zudem will Uber die Anliegen seiner Fahrer ernster nehmen und Kundenbeschwerden dringlicher behandeln.

Daneben sucht Uber einen Chief Operating Officer (COO) bzw. Chairman, der die Tagesgeschäfte des Unternehmens leitet und den neuen Uber-Chef Khosrowshahi unterstützt. Der Kulturwandel und neue Leitlinien für Mitarbeiter sollen letztlich das Produkt Uber als solches verbessern und dem Unternehmen dabei helfen, die besten Talente zu halten. Dies ist besonders im Silicon Valley äußerst wichtig, tobt hier doch ein besonders harter Konkurrenzkampf um die besten Leute in der Branche.

Uber-Zahlen unter der Lupe: was Anleger wissen müssen

Uber stellt seinen Fahrvermittlungsdienst, der über eine Mobile App genutzt werden kann, in 84 Ländern und über 730 Städten weltweit zur Verfügung. Zuletzt verzeichnete Uber mehr als 65 Millionen Nutzer weltweit. Die Zahl der Uber-Fahrer soll inzwischen die Marke von 1 Million weltweit überschritten haben. Allein Uber India will in 2018 rund 1 Million Uber-Fahrer beschäftigen, bis zum Jahr 2020 sollen 1 Million Jobs für Frauen bei Uber entstehen.

Zwar dominiert Uber das US-Fahrvermittlungsgeschäft mit einem Marktanteil von über 80 %, allerdings schreibt Uber nach wie vor rote Zahlen. Allein in 2016 entstand ein Nettoverlust von rund 2,8 Mrd. US-$ bei einem Jahresumsatz von 6,5 Mrd. US-$. Im zweiten Quartal 2017 konnte Uber seinen Umsatz um 17 % auf 1,75 Mrd. US-$ steigern, der Nettoverlust reduzierte sich leicht auf 645 Mio. US-$. Per Ende des ersten Halbjahres 2017 verfügte Uber noch über Barreserven von 6,6 Mrd. US-$.

Fazit: Uber-Börsengang naht, doch ein schneller Turnaround ist nicht in Sicht

Im Zuge der Expansion, der anhaltenden Verluste und der aufkommenden Konkurrenz, benötigt Uber mehr Geld und zwingt den Fahrdienstvermittler so de facto zu einem Börsengang.

Ob sich dieser Börsengang auch für Anleger lohnen wird, bleibt abzuwarten. Uber wächst zwar nach wie vor zweistellig, doch der Wettbewerb im Markt wird härter. Zwar konnte Uber bislang seinen direkten Konkurrenten Lyft in Schach halten, doch andere Unternehmen wie zum Beispiel Tesla (Tesla Network), General Motors (GM) und vor allem Google mit seiner Waymo-Sparte drängen in den Markt für Fahrvermittlungsdienste durch autonome Fahrzeuge.

Für Uber wird es daher in den nächsten Jahren nicht einfacher. Das Unternehmen muss weiter in Technik investieren, um eine eigene Flotte von selbstfahrenden Fahrzeugen aufzubauen, um langfristig im Wettbewerb bestehen zu können. Diese Investitionen könnten den Sprung in die Gewinnzone weiter verzögern. Uber ist daher nur für spekulativ orientierte Anleger interessant, die daran glauben, dass Uber auch in Zukunft seinen Vorteil als „First Mover“ im Markt behaupten kann.

30. Oktober 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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