Uber: Börsengang ist nicht geplant – warum?

Ein Börsengang von Uber wurde immer wieder angekündigt und dann verschoben. Für Anleger wäre das Geschäftsmodell vielleicht zu einseitig. (Foto: newroadboy / Shutterstock.com)

Immer wieder kommt es vor, dass Vorstände auf Druck der Aktionäre den Hut nehmen. Im April etwa musste Ex-Siemens-Chef Kleinfeld seinen Sessel beim US-Konzern Arconic räumen.

Die Anteilseigner waren unzufrieden mit den Geschäftszahlen. Während dies bei börsennotierten Unternehmen relativ schnell gehen kann, muss bei Firmen ohne Transparenzpflicht schon einiges zusammenkommen.

Investoren ist der Kragen geplatzt

Jüngstes Beispiel: Uber. Ein Börsengang wurde bisher stets verschoben. Der Fahrdienstvermittler hatte sich vom Startup zum dominieren Platzhirsch hochgeboxt. Der Chef des Imperiums, Travis Kalanick, ging immer aggressiver vor. Zuletzt meinte er, die Behörden austricksen zu können.

Doch dann war das Maß voll: Travis wurde geschasst. Nach entsprechenden Ermittlungen sowie Vorwürfen wegen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen, Nötigung, Mobbing und mehr war es selbst den geduldigen Investoren zu bunt geworden. Darunter Investmentfirmen wie Benchmark, Fidelity Investments oder Menlo Ventures. Zu den Wagniskapitalgebern gehören aber auch Goldman Sachs, Apple und Saudi-Arabien. Mit dem Rauswurf wollten sie ihre Investitionen retten.

Uber-Börsengang immer wieder verschoben

Frisches Geld von der Börse scheint der Taxischreck Uber nicht wirklich zu brauchen. Dabei warten Anleger schon länger auf Aktien des weltweit am schnellsten wachsenden Unternehmens. Der Börsengang von Uber wurde schon für 2015 angepeilt, dann auf letztes Jahr verschoben, was anscheinend wieder nicht passte, und zu Anfang des Jahres erneut ins Gespräch gebracht.

Ähnlich läuft es übrigens beim Bettenvermittler Airbnb. Dabei wäre die Größe für einen Börsengang längst erreicht. Airbnb wird auf über 30 Mrd. US-$ geschätzt, Uber gar auf 69 Mrd. US-$. Trotzdem heißt es auf Nachfragen, „der Zeitpunkt sei noch nicht gekommen“.

Und solange sie nicht an der Börse sind, müssen sie auch keine Einzelheiten darlegen. Auch Uber scheint wenig Lust zu verspüren, alle drei Monate Geschäftsberichte zu veröffentlichen, sich vor Aktionären zu rechtfertigen oder Rückstellungen für juristische Risiken zu bilden, von denen es genügend gibt, wie sich jetzt zeigt.

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Gefahr einseitiger Geschäftsmodelle

Die Frage, ob es bei einer Börsennotierung weniger ruppig verlaufen wäre und ob die Anleger nicht doch etwas verpasst haben, könnte sich mit einer simplen Gegenfrage erledigen: Was, wenn Uber seine Wachstumsgrenze erreicht hat?

Nicht auszuschließen, dass im stürmischen Wachstum tatsächliche Verluste überdeckt werden. An der Börse jedenfalls muss ein Konzern seine Wachstumserwartungen professionell belegen. Dies gelang sogar dem Kurznachrichtendienst Twitter nicht. Dessen Aktie übrigens ist wegen anhaltender Verluste seit dem Börsengang 2013 nur noch die Hälfte wert. Ubers Verluste indes ließen sich nicht ganz verheimlichen. Nach 800 Mio. US-$ 2016 beträgt das gesamte Minus nun 2 Mrd. US-$.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.