Überblick: Was die Schulden der USA für Anleger bedeuten

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Die Schulden der USA sind seit 2007 im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung um 40 Prozentpunkte gestiegen - Gründe und Auswirkungen. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Staatsschulden mögen in der Eurozone, etwa mit Blick auf Italien, für Unruhe sorgen. Potenziell brisanter allerdings sind die Schulden der USA. Als größte Wirtschaftsmacht sind die Auswirkungen notfalls gravierend für die Finanzmärkte. Betroffen wären Aktien ebenso wie Anleihen.

Entscheidend ist das Vertrauen in die Vereinigten Staaten mit dem Dollar als wichtigste Reservewährung der Welt. Auffallend ist, dass die Ratingagentur Standard & Poor’s weiterhin nur die zweitbeste Note AA+ bestätigt. Grund sind das hohe Staatsdefizit und steigende Schulden der USA. Begleitet wird das Thema Staatsschulden von Sorgen über die weitere wirtschaftliche Entwicklung und drohende sinkende Steuereinnahmen.

Anstieg der Schulden der USA im Überblick

Auch wenn sich der Verschuldungsgrad mit 106 % vom BIP (Bruttoinlandsprodukt) im Vergleich zum Spitzenreiter Japan mit 237 % bescheiden ausnimmt und die USA auf Rang 12 landen, so sind die absoluten Zahlen atemberaubend: 22,03 Bio. US-Dollar betrug das Defizit Mitte dieses Jahres.

Aufschlussreich ist ein historischer Überblick: Die Schulden der USA erreichten nach dem Zeiten Weltkrieg ihren ersten Höhepunkt im Jahr 1950 mit 260 Mrd. US-Dollar, was 94 % vom BIP entsprach. Bis 1973 nahmen die Realschulden ab, zogen aber unter Präsident Ronald Reagan ab 1981 spürbar an. zu Ende bescherte seine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik plus Steuersenkungen, auch als Reaganomics bekannt, 2,6 Mio. US-Dollar Minus. Die Schuldenquote war dramatisch auf 176 % gestiegen. Die Folge waren hohe Zinsen sowie eine viel zu starke Währung begleitet von sinkenden Exporten und weniger Wettbewerbsfähigkeit. Nach George Bush und seinem Sohn George W. Bush mit den beiden Golfkriegen und der späteren Finanzkrise waren die Schulden auf über 10,7 Bio. US-Dollar geschnellt.

Obama wiederum musste fiskalpolitisch gegen die drohenden Folgen der Finanzkrise ankämpfen und landete zu Ende seiner Amtszeit bei rund 19 Bio. US-Dollar. Gleichzeitig aber war diese Zeit eine Ära des wirtschaftlichen Aufschwungs. Den wiederum nutzte Donald Trump, als er mit dem Wahlversprechen antrat, die Schulden innerhalb von acht Jahren zu tilgen, da sonst „die USA pleite gingen“. Doch trotz Wirtschafswachstums, geringer Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen gingen die Schulden der USA weiter in die Höhe.

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Trumps Druck auf die Fed

Bei höheren Ausgaben und weniger Einnahmen wächst der Schuldenberg um täglich 4 Mrd. US-Dollar, das ist etwas weniger als das letzte Betriebsergebnis des Dax-Konzerns SAP. Allein in der ersten Hälfte des Fiskaljahres seit Oktober belief sich das Defizit auf über 691 Mrd. US-Dollar, eine Zahl die dem Börsenwert von Alphabet (Google) entspricht. Und um einen weiteren Vergleich zu bemühen: Das Bruttoergebnis des Flughafenbetreibers Fraport würde gerade ausreichen, die rund 900 Mio. US-Dollar an täglicher Zinsbelastung zu begleichen.

Trump hat zwar an einigen Stellen wie Sozialausgaben oder Krankenversicherung gespart, dafür jedoch etwa die Ausgaben fürs Militär aufgestockt. Vor allem aber schlagen die massiven Steuersenkungen zu Buche, denen nicht die erhofften Einnahmen gegenüberstehen. Trumps Kalkül läuft darauf hinaus, durch Protektionismus und höhere sowie neue Zölle die Geldzufuhr in die Staatskasse zu erhöhen.

Und weil die Zinsen längst bei 2,5 % für US-Staatsanleihen liegen und den Schuldendienst verteuern, versucht Trump durch persönliche Intervention bei der Zentralbank Fed gegenzusteuern. Das Ganze trägt den Namen Modern Monetary Theory. Sie geht davon aus, dass der Staat keine Rücksicht auf den Schuldenstand nehmen muss, weil er das Geld schaffen und die Schulden stets bedienen kann. Bei steigender Inflation werden eben die Zinsen gesenkt – sofern die theoretisch unabhängige Zentralbank mitspielt. Hier allerdings will Trump einen von ihm abhängigen Zentralbank-Chef einsetzen, der eine vom Präsidenten gelenkte Zinspolitik vollzieht.

Niedrigzinsen als Gegenmittel

Da die Demokraten, wenn auch mit anderen Zielen, ebenfalls hohe Staatsausgaben planen, ist kaum mit Entspannung zu rechnen. In Fachkreisen wird die Verschuldung dennoch nicht als besorgniserregend bezeichnet. Mit dem Dollar als Weltleitwährung halten Länder wie Japan und China US-Staatsanleihen und finanzieren so die Schulden der USA mit. China baut zwar seine Bestände ab, geht aber behutsam vor, da ansonsten fiskalische Verwerfungen und wirtschaftliche Turbulenzen drohen.

In den USA wiederum droht die Schuldenspirale weiter zu drehen. Ein Ausweg ist auch solange nicht in Sicht, wie beispielsweise Unternehmen wie Amazon im Heimatland so gut wie keine Steuern zahlen. Und spätestens bei abflauender Konjunktur fließen die Einnahmen ohnehin spärlicher. Da das Schuldenproblem insgesamt sehr viele Staaten betrifft, ist damit zu rechnen, dass die Zinsen auch auf mittlere Sicht eher gesenkt als angehoben werden. Was die Aktienmärkte vor dem Schlimmsten bewahren könnte, bedeutet für Zinssparer weniger erfreuliche Aussichten.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.