Übernahme statt Bankrott – Santander schluckt Banco Popular

Die spanische Immobilienkrise erreicht neuen Höhepunkt: Wegen fauler Kredite wechselt die 6.-größte Bank für 1 Euro den Besitzer. (Foto: Vitalliy /shutterstock.com)

Dass die spanische Wirtschaft seit Jahren in einer Krise steckt, ist den meisten Anlegern nicht verborgen geblieben. Hintergrund bildet der Zusammenbruch des heimischen Immobilienmarkts im Jahre 2008. Die 6.-größte spanische Bank Banco Popular hat die Folgen (sprich: die notleidenden Kredite) bis zum heutigen Tage nicht abschütteln können und muss die Segel streichen.

Die Übernahme der Banco Popular durch das größte Geldinstitut des Landes, Santander, beherrscht Anfang Juni 2017 die Schlagzeilen. Nachdem der Aktienkurs der Banco Popular eine Woche zuvor auf Talfahrt gegangen war, wechselt das Unternehmen für 1 € (symbolisch) den Besitzer. Eine staatliche Rettung der Bank hatte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos zuvor ausgeschlossen.

Bankenkrise Spanien: Banco Popular – ein gutes Geschäft für Santander?

Ob die Übernahme der Banco Popular für Santander allerdings ein gutes Geschäft oder gar ein Schnäppchen ist, wird von Experten bezweifelt. Nicht zuletzt deswegen, weil Santander eine auf einige Milliarde Euro bezifferte Kapitalerhöhung vornehmen muss, um den dadurch eingehandelten Risiken zu begegnen.

Die Politik zeigt sich dagegen erleichtert, dass Spaniens Steuerzahler diesmal nicht zur Kasse gebeten werden. Jüngst hatten Inhaber von Sparguthaben bei der Banco Popular in erheblichem Maße Gelder abgezogen. Nachdem fest steht, dass die Aktionäre der Gesellschaft die Zeche zahlen werden, werden die Einlagen als sicher bezeichnet. Immerhin verwaltete die Popular 2016 Kundenkapital in Höhe von 100 Mrd. €.

Bis zuletzt wurde an verschiedenen Plänen gearbeitet. Die Banco Santander, die schließlich das Rennen machte, erhofft sich von der Übernahme den Marktanteil das Kreditgeschäft mit kleinen und mittelgroßen Unternehmen zu erweitern und das operative Geschäft in Spanien und Portugal auszubauen. Dagegen seien die Kreditrisiken gut abgesichert, bereits ab 2019 werde die Banco Popular zum Gewinn beitragen.

Auch andere Krisenbanken könnten vom spanischen Präzedenzfall profitieren

Dass die Aktionäre der Gesellschaft für die Fehleinschätzzungen ihres Unternehmens haftbar gemacht werden, hierfür sind die neuen EU-Regularien zur Bankenabwicklung verantwortlich. Diese besitzen seit Anfang 2016 als Lehre aus der Finanzkrise Gültigkeit und werden als „bail-in“ (Beitrag der Investoren) bezeichnet.

Bei anderen Krisenbanken könnte das spanische Modell Schule machen. Wo bei dem italienischen Geldinstitut Monte dei Paschi di Siena unlängst noch staatliche Hilfen genehmigt worden waren, könnte es ähnlich verschuldeten Banken des Landes wie der Veneto Banca oder der Popolare di Vicenza ebenso ergehen wie der Banco Popular. Seit geraumer Zeit fahnden beide Finanzdienstleister nach frischem Kapital.

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Zusammenfassung: Nachdem die 6.-größte spanische Bank Banco Popular des Zusammenbruchs des Immobilienmarkts im Jahr 2008 zugeben musste, deutlich mehr faule Kredite im Bestand zu haben als andere Institute, erfolgt die Übernahme durch Santander. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank die Banco Popular als nicht überlebensfähig bewertet.


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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.