Übernahme-Wissen: Nach dem Erstgebot geht der Übernahme-Prozess weiter

Dividende Dividendenrendite – shutterstock_567249226

Ich durchleuchte nicht nur die spannendsten Übernahmen rund um den Globus, sondern liefere Ihnen auch Hintergrund-Wissen rund um das Übernahme-Geschäft. […] (Foto: Monster Ztudio / shutterstock.com)

Ich durchleuchte nicht nur die spannendsten Übernahmen rund um den Globus, sondern liefere Ihnen auch Hintergrund-Wissen rund um das Übernahme-Geschäft.

An zwei vorangegangenen Artikeln haben Sie von Abwehr-Strategien erfahren, falls eine Übernahme vom Ziel-Unternehmen nicht gewollt ist.

Hier möchte ich Ihnen einen Überblick darüber geben, wie es im Falle eines Deals weitergeht.

Viele Privat-Anleger denken, dass der Übernahme-Prozess nach Abgabe einer Offerte beendet ist. Das stimmt aber nicht.

Das Erstgebot bringt den Stein erst ins Rollen. Bis das Unternehmen dann aber endgültig von der Bildfläche verschwunden ist, vergehen häufig Jahre.

Denn nach dem Erstangebot erhält der Großaktionär zwar einen Großteil der Aktien, aber eben nicht alle.

Und wer seine Aktien beim Erstgebot nicht abgegeben hat, der bleibt auch weiterhin Aktionär mit allen Rechten.

Erst beim sogenannten „Squeeze Out“ endet die Investition endgültig.

Gründe, warum der Großaktionär das Unternehmen komplett übernehmen will

Eigentlich kann man annehmen, dass ein Aktionär, der im Zuge einer Übernahme-Offerte mehr als 50% erzielt, mit seinem Anteil zufrieden ist.

Schließlich würde der Großaktionär ja über die Stimmen-Mehrheit auf der Hauptversammlung verfügen.

Doch in einigen Fällen will der Großaktionär mehr: Z. B. reichen 50% nicht aus, um das Unternehmen mit dem eigenen Konzern zu verschmelzen oder eine Kapitalerhöhung durchzuführen.

Daher will der neue Großaktionär alle Aktien kaufen; also auch die, die noch in der Hand bestehender Aktionäre sind. Erst dann kann er das übernommene Unternehmen mittels “Squeeze Out” von der Börse nehmen.

Squeeze Out ist englisch und bedeutet auf Deutsch: „Ausquetschen“.

Ein Großaktionär, der 95% der Anteile hält, kann die verbliebenen Minderheits-Aktionäre herausdrängen.

Dies tut er, um sich die Kosten für die Börsennotiz, für die Hauptversammlungen, für die laufenden Geschäftsberichte und für Ad-hoc-Meldungen zu sparen.

Der Käufer kann das Unternehmen dann auch vollständig integrieren und hat freie Hand – ohne Rechenschaft abzulegen und ohne die verbliebenen Aktionäre am Geschäftserfolg zu beteiligen.

Aktionäre von Squeeze-Out-Kandidaten erhalten häufig einen Nachschlag

Doch auch für die verbliebenen Aktionäre ist der Squeeze Out interessant. Denn der Käufer des bestreffenden Unternehmens darf Sie nicht ohne finanzielle Entschädigung herausdrängen.

Dividende Dividendenrendite – shutterstock_567249226

Arconic: Aluminiumspezialist peilt Aufspaltung anAluminiumspezialist Arconic zieht Konsequenzen nach Übernahme-Aus. Eine Aufspaltung und Sparmaßnahmen sollen den Konzern auf Kurs bringen.  › mehr lesen

Zwar hat er das Recht Ihnen gegen Ihren Willen Aktien abzukaufen, aber er muss Ihnen dafür eine satte Abfindung zahlen.

In einem ersten Schritt erhalten Sie zumindest den 3-Monats-Durchschnittskurs des Übernahme-Kandidaten.

Danach kann es nur mehr werden. 30% Aufschlag auf den Squeeze-Out-Preis sind keine Seltenheit. Das Besondere: Sie erhalten einen Nachschlag, ohne dass Ihr Kapital gebunden ist.

Denn den bei Einleitung des Squeeze Outs festgesetzten Preis erhalten Sie sofort. Squeeze Out als Anlage-Strategie ist daher höchst interessant.

Bei Übernahmen frühzeitig auf einen Squeeze-Out spekulieren

Mit der Spekulation auf Squeeze-Out-Kandidaten sollten Sie jedoch nicht erst beginnen, wenn der Großaktionär bereits 95% der Aktien besitzt.

Es lohnt sich, schon vor der letzten Runde der Komplett-Übernahme in die Aktie zu investieren. Die Jagd auf eine lukrative Abfindungs-Prämie beginnt schon mit der Identifizierung von Übernahme-Kandidaten.

Wenn der Großaktionär die 75%-Schwelle erreicht hat, schließt er häufig mit dem Squeeze-Out-Kandidaten einen sogenannten Beherrschungs- und Gewinnabführungs-Vertrag ab.

Spätestens dann sollten Sie Aktien des betreffenden Übernahme-Kandidaten besitzen. Ab diesem Moment verringert sich dann meist auch Ihr Investitions-Risiko enorm.

Denn der Beherrschungs- und Gewinnabführungs-Vertrag ermöglicht es Ihnen, die Aktie zu einem festgelegten Preis an den Großaktionär abzugeben – manchmal sogar über Jahre.

Dadurch haben Sie als Aktionär eine Kurs-Untergrenze, unter die der Kurs nicht fällt. Zugleich bekommen Sie jährlich eine garantierte, vertraglich festgeschriebene Dividende.

5% Dividenden-Rendite und mehr sind bei deutschen Squeeze-Out-Kandidaten keine Seltenheit.

Aktien mit Garantie-Dividende behaupten sich auch in Krisen

Als Investor, der Aktien von Unternehmen mit Beherrschungs- und Gewinnabführungs-Vertrag im Depot hat, profitieren Sie in mehrfacher Hinsicht von einem bevorstehenden Squeeze-Out:

  • Die jährliche Garantie-Dividende wird unabhängig davon gezahlt, ob das Unternehmen Gewinne erwirtschaftet oder Verluste schreibt.
  • Die Aktien überstehen erfahrungsgemäß auch Krisenzeiten ohne größere Kursverluste.
  • Am Ende des Übernahme-Prozesses wartet auf Sie eine attraktive Abfindungs-Prämie.

Squeeze-Out-Kandidaten gehören daher zu den attraktivsten Aktien-Investments.

Das Warten auf den Zwangsausschluss wird Ihnen mit der Garantie-Dividende versüßt.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.