Übernahme-Wissen: Richtiges Verhalten bei Gerüchten

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Im Übernahme-Geschäft gibt es nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Hier erfahren Sie, was zu tun ist, wenn die Aktie nach Gerüchten hochschießt. (Foto: Delux/Shutterstock)

Spannende Übernahmen auf der einen Seite, hilfreiche Tipps zum Übernahme-Geschäft auf der anderen…

Ich verrate Ihnen immer gerne, was gerade in der Gerüchteküche herumgereicht wird und worauf Sie unbedingt achten sollten.

Chance verpasst? – Und dann?

Hier beantworte ich Ihnen folgende Frage:

„Was ist zu tun, wenn ich an einem Deal mitprofitieren möchte, jedoch bei konkreten Hinweisen auf eine Angebots-Abgabe nicht investiert bin?“

Sie kennen es: Die Nachrichten-Portale sind voll mit Meldungen, dass ein Großkonzern wieder einmal einen kleineren Konkurrenten schlucken will und die Aktie 25% nach oben schoss.

Statt sich zu ärgern, dass Sie an dem Deal nicht beteiligt sind, ist es sinnvoller, sich zu fragen: „Gibt es vielleicht noch eine Chance nach den 25%-Anstieg?“

Nicht selten steigen Aktien nach einem Übernahme-Angebot nämlich weiter.

Teilweise lohnt sich sogar dann noch der Einstieg, wenn das Unternehmen bereits mehrheitlich vom Bieter kontrolliert wird.

Verallgemeinert werden kann diese Aussage jedoch nicht. Wie immer an der Börse, muss auch im Übernahme-Geschäft sehr genau hingeschaut werden.

Die Kunst, eine Chance liegen lassen zu können

Manchmal kursieren Übernahme-Gerüchte am Aktienmarkt, die zu abstrusen Kurs-Reaktionen führen. In Deutschland war dies zum Beispiel bei WincorNixdorf im Jahr 2015 der Fall.

Nachdem Medien von Verkaufs-Absichten des Unternehmens berichteten, also eine Übernahme des MDAX-Konzerns kommen könnte, ging bei der Aktie die Post ab.

In der Spitze wechselte diese zu 50 € den Besitzer. Was offenbar nicht gesehen wurde, beziehungsweise nicht gesehen werden wollte, war, dass es sich um Gerüchte handelte, die…

  1. …nicht richtig sein müssen
  2. …ausdrücklich die Möglichkeit nannten, dass auch ein Zukauf oder ähnliches kommen könnte
  3. …explizit die problematische Geschäftslage des Unternehmens erwähnten.

Wer blind zugriff, weil er bei einem späteren Deal unbedingt dabei sein wollte, hat einen Fehler gemacht.

Prüfen Sie vor Einstieg stets genau die Sachlage und welche Kurschance bei 50 € überhaupt noch besteht!

Es muss zwar häufig schnell gehen, doch ist es besser, in Kauf zu nehmen, dass man mit der Analyse nicht schnell genug und die Chance weg ist, als überzogene Preise zu zahlen.

WincorNixdorf notierte damals einige Wochen später bei 36,20 €. Die Käufer hatten in 3 Wochen fast 30% des Einsatzes verloren. Von einer Verkaufs-Story war plötzlich nicht mehr viel zu hören, dafür aber von Gewinnwarnung und Stellenabbau.

Die große Lüge „Übernahme“

Leider wird im Übernahme-Geschäft auch viel Unwahres erzählt. Nicht selten wird in diversen Internet-Foren eine Übernahme-Story konstruiert, um den Aktienkurs zu pushen.

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Richtig kriminell kann es dann bei Pennystocks (Aktienkurs < 1 €) werden: Unter dem Vorwand, dass eine Übernahme kurz bevorsteht, werden ahnungslose Privatanleger in Konzerne gelockt, die nur wenige Mio. wert sind.

Durch die künstliche Nachfrage explodiert dann der Kurs, die Betrüger steigen aus, Sie bleiben auf einem Verlust sitzen, der manchmal sogar 90% übersteigt und halten am Ende nichts als eine wertlose Hülle in den Händen.

Wenn Ihnen unaufgefordert „heiße“ Übernahme-Tipps zu Pennystocks (häufig telefonisch aus dem Ausland) genannt werden, dann ist absolute Vorsicht geboten!

Einige Betrüger haben sogar schicke Webseiten, um sich zu tarnen. Wenn Sie nach den „Tipps“ auch noch unter Druck gesetzt werden, ist es fast immer ein Fall für die Kripo.

Gier ist gefährlich! Fragen Sie sich, welches Interesse eine unbekannte Person daran haben könnte, Ihnen kostenlos heiße Tipps zu nennen!

Wenn Sie auf etablierte Übernahme-Kandidaten mit einer Markt-Kapitalisierung von 100 Mio. € oder mehr setzen, die täglich rege gehandelt werden, umgehen Sie dieses Problem.

Achten Sie auf das Handelsvolumen amerikanischer Übernahme-Kandidaten!

Seitdem ich mich für Börse interessiere, beobachte ich das Übernahme-Geschäft. Immer wieder stelle ich dabei fest, dass bei amerikanischen Übernahme-Kandidaten schlimme – quasi unerklärliche – Fehler begangen werden.

Wer sich nach dem Sprung der Aktie im Zuge einer Offerte an die Ferse einer Übernahme-Spekulation klebt, für den geht’s nicht selten um 10 oder 20% Gewinn.

Das sind nicht die großen Zahlen – aber dafür sind Sie häufig auch nur wenige Wochen investiert.

Und die Übernahme-Frequenz ist aktuell sehr hoch! In einigen Fällen, wie beispielsweise bei der Kraft Foods-Übernahme waren sogar 27% Gewinn in 4 Wochen möglich.

Wenn es aber um kleinere, obere Gewinngrenzen geht, ist der Einstiegspreis umso wichtiger.

Wer amerikanische Übernahme-Kandidaten ins Portfolio holen will, muss unbedingt auf das Handelsvolumen achten.

Sie glauben nicht, wie oft ich schon mitbekommen habe, dass unerfahrene Anleger 5 oder 10% zu viel gezahlt haben, weil zuvor nicht auf das Handelsvolumen geachtet worden ist.

Es reicht eben nicht aus, dass die Markt-Kapitalisierung bei 25 Mrd. Dollar liegt. Einige amerikanische Großkonzerne werden in Deutschland nicht so gehandelt, dass der Kurs immer genau ist.

Wenn dann die weitere Gewinnchance bei nur noch 5 bis 10% liegt, ist die Investition deutlich unattraktiver.

Platzieren Sie Ihre Order stets mit Limit und orientieren Sie sich am Aktienkurs in den USA! “Einfach nur rein”, ist nie der richtige Weg. Mehr als vereinzelte Glückstreffer gibt es da nicht.

Erfolgreiche Übernahme-Spekulanten sind geduldige Jäger:

Ruhe bewahren, sorgfältig die Sachlage prüfen und zuschnappen, wenn es etwas zu holen gibt. Das macht aus Ihnen einen erfolgreichen Übernahme-Jäger.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.