Übernahme-Wissen: So verhalten Sie sich bei Gerüchten richtig

Im Jahr 2015 erzielte das Übernahme-Geschäft einen neuen Volumen-Rekord, 2016 verlief ähnlich stark.

Und 2017 wird dank des Niedrigzins und guter Wirtschaftsdaten ebenfalls mit sehr hoher Deal-Aktivität gerechnet.

Für Sie sind das erstklassige Voraussetzungen, um am Übernahme-Geschäft mitzuverdienen.

Die Frage ist allerdings: Wie kann ich das Übernahme-Geschäft für mich nutzen?

Spannende Übernahmen auf der einen Seite, hilfreiche Tipps zum Übernahme-Geschäft auf der anderen…

Ich verrate Ihnen immer gerne, was gerade in der Gerüchteküche herumgereicht wird, wie die Abläufe einer Übernahme sind und worauf Sie unbedingt achten sollten.

Chance verpasst? – Und dann: Nach dem Kurssprung noch weiteres Gewinn-Potenzial?

Hier beantworte ich Ihnen folgende Frage:

„Was ist zu tun, wenn ich an einem Deal mitprofitieren möchte, jedoch bei konkreten Hinweisen auf eine Angebots-Abgabe nicht investiert bin?“

Sie kennen es: Die Nachrichten-Portale sind voll mit Meldungen, dass ein Großkonzern wieder einmal einen kleineren Konkurrenten schlucken will und die Aktie 25% nach oben schoss.

Statt sich zu ärgern, dass Sie an dem Deal nicht beteiligt sind, ist es sinnvoller, sich zu fragen: „Gibt es vielleicht noch eine Chance nach den 25%-Anstieg?“

Nicht selten steigen Aktien nach einem Übernahme-Angebot nämlich weiter.

Teilweise lohnt sich sogar dann noch der Einstieg, wenn das Unternehmen bereits mehrheitlich vom Bieter kontrolliert wird.

Verallgemeinert werden kann diese Aussage jedoch nicht. Wie immer an der Börse, muss auch im Übernahme-Geschäft sehr genau hingeschaut werden.

Die Kunst, eine Chance liegen lassen zu können

Manchmal kursieren Übernahme-Gerüchte am Aktienmarkt, die zu abstrusen Kurs-Reaktionen führen.

  • In Deutschland war dies z. B. bei WincorNixdorf im Jahr 2015 der Fall:

Nachdem Medien von Verkaufs-Absichten des Unternehmens berichteten, also eine Übernahme des MDAX-Konzerns kommen könnte, ging bei der Aktie die Post ab.

In der Spitze wechselte diese zu 50 € den Besitzer.

  • Ende September 2015 war dies auch beim Kurznachrichtendienst Twitter zu sehen:

Nachdem Medien von Verkaufs-Absichten des Unternehmens berichteten, es also zu einer Übernahme des US-Konzerns kommen könnte, ging bei der Aktie die Post ab.

In der Spitze wechselte die Aktie hier zu 22,50 € den Besitzer.

Was offenbar in beiden Fällen nicht gesehen wurde, beziehungsweise nicht gesehen werden wollte, war, dass es sich um Gerüchte handelte, die…

  1. …nicht richtig sein müssen
  2. …ausdrücklich die Möglichkeit nannten, dass auch ein Zukauf oder ähnliches kommen könnte
  3. …explizit die problematische Geschäftslage des Unternehmens erwähnten.

Wer blind zugriff, weil er bei einem späteren Deal unbedingt dabei sein wollte, hat viel Lehrgeld bezahlt.

Prüfen Sie vor Ihrem Einstieg genau die Sachlage und was überhaupt noch für eine Kurschance bei 22,50 € bzw. 50 € bestehen kann!

Es muss im Übernahme-Geschäft zwar häufig schnell gehen.

Doch es ist besser, in Kauf zu nehmen, dass man mit der Analyse nicht schnell genug ist und die Chance weg ist, als wenn man überzogene Preise zahlt.

  • WincorNixdorf notierte damals einige Wochen später bei 36,20 €. Die Käufer hatten in 3 Wochen fast 30% des Einsatzes verloren.

Von einer Verkaufs-Story war plötzlich nicht mehr viel zu hören, dafür aber von Gewinnwarnung und Stellen-Abbau.

  • Twitter notiert heute bei 15,70 € (Stand: Januar 2017). Die Käufer haben in 3 Monaten exakt 30% des Einsatzes verloren.

Die Verkaufsstory ist zwar noch nicht tot, doch mit Blick auf das damalige Übernahme-Szenario und dem damaligen Börsenpreis war ein Einstieg leichtfertig.

Die große Lüge „Übernahme“

Leider wird im Übernahme-Geschäft auch viel Unwahres erzählt. Nicht selten wird in diversen Internet-Foren eine Übernahme-Story konstruiert, um den Aktienkurs zu pushen.

Richtig kriminell kann es dann bei Pennystocks (Aktienkurs < 1 €) werden: Unter dem Vorwand, dass eine Übernahme kurz bevorsteht, werden ahnungslose Privat-Anleger in Konzerne gelockt, die nur wenige Mio. wert sind.

Durch die künstliche Nachfrage explodiert dann der Kurs, die Betrüger steigen aus, Sie bleiben auf einem Verlust sitzen, der manchmal sogar 90% übersteigt und halten am Ende nichts als eine wertlose Hülle in den Händen.

Wenn Ihnen unaufgefordert „heiße“ Übernahme-Tipps zu Pennystocks (häufig telefonisch aus dem Ausland) genannt werden, dann ist absolute Vorsicht geboten!

Einige Betrüger haben sogar schicke Webseiten, um sich zu tarnen. Wenn Sie nach den „Tipps“ auch noch unter Druck gesetzt werden, ist es fast immer ein Fall für die Kripo.

Gier ist gefährlich! Fragen Sie sich, welches Interesse eine unbekannte Person daran haben könnte, Ihnen kostenlos heiße Tipps zu nennen!

Wenn Sie auf etablierte Übernahme-Kandidaten mit einer Markt-Kapitalisierung von 100 Mio. € oder mehr setzen, die täglich rege gehandelt werden, umgehen Sie dieses Problem.

2. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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