Umbruch bei Medienunternehmen: Diese Aktien überraschen

Der Umbruch bei Unternehmen aus der Medienbranche schreitet voran. Dabei sind Aktien einiger Traditionsverlage überraschend gut gelaufen. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Es ist rund 30 Jahre her, da waren Deutschlands Verlage in Aufbruchstimmung. Mit dem Aufkommen des privaten Rundfunks wurde eine Zeitenwende eingeläutet. Jeder bemühte sich um Sendelizenzen für Hörfunk und TV. Es begann der Kampf um Reichweiten, Werbeeinnahmen und Marktanteile. Im Kampf um Anlegergeld war Axel Springer bereits 1985 an die Börse gegangen, ProSieben folgte 1997 und dessen Rivale RTL wagte sich im Jahr 2000 aufs Parkett.

Digitaler Umbruch für Medien-Aktien

Danach erlebten Medien-Aktien den nächsten Umbruch. Das Internet und die zunehmende Digitalisierung erforderten neue Formate auf Plattformen und in sozialen Medien. Und mit diesen entstand zugleich neue Konkurrenz: Allen voran Facebook, Google und Netflix. Deren Erfolg spiegelt sich im kometenhaften Aufstieg ihrer Aktien. Der Umbruch setzte Medien-Anbieter mit klassischen TV- und Print-Produkten unter Zugzwang.

Im Bereich Fernsehen konnten sich bis heute RTL Group und das 2001 mit Sat.1 fusionierte ProSiebenSat.1 halten. Beide Aktien sind im Mdax gelistet. Im Vergleich hat auf Zehnjahressicht das Papier von ProSiebenSat.1 mit 582 % gegenüber 70 % die bessere Wertentwicklung vorzuweisen.

Der Medienkonzern aus Unterföhring setzte zeitig auf eine Vielfalt mit eigenen Plattformen und Pay-TV Angebote. Beim Fernsehen wurde der Schwerpunkt auf amerikanische Sitcoms und Serien gelegt, die sich etwa beim immer beliebteren Netflix finden. Prominentes Beispiel ist der US-Renner „Big Bang Theory“.

RTL wiederum versucht, sich weiterhin als vorwiegend klassischer Fernsehanbieter. Casting Shows sollen für Zuschauerbindung sorgen. Die Umsätze und operativen Gewinne sind mit 6,37 Mrd. Euro bzw. rund 1 Mrd. Euro seit einigen Jahren nahezu gleich geblieben, was sich im leicht sinkenden Aktienverlauf spiegelt. ProSiebenSat.1 wiederum konnte seine Umsätze bis 2017 auf ca. 4 Mrd. Euro steigern. Der operative Gewinn aber brach zuletzt um 27 % auf 562 Mio. Euro ein. Auf drei Jahre gesehen verlor die Aktie 36 %. Anfang des Jahres fiel sie gar aus dem Dax und musste dem Bayer– Ableger Covestro Platz machen.

Medien-Aktien: Unsere Favoriten sind ProSiebenSat.1 und RTL GroupDas Mediengeschäft verlief im 1. Halbjahr für beide Unternehmen erfolgreich. Sowohl die ProSiebenSat.1 Media AG als auch die RTL Group konnten kräftig zulegen. › mehr lesen

Springer überholt RTL und ProSiebenSat.1

Für beide Medien-Aktien werden deutliche Kurserholungen erwartet, wobei ProSiebenSat.1 das größere Potenzial zugeschrieben wird. Bemerkenswert ist hier der Springer Verlag (Bild, Die Welt, Welt-TV etc.). Mit Umsätzen von zuletzt 3,6 Mrd. Euro und einem operativen Gewinn von 365 Mio. Euro hat die Aktie der Nummer drei trotz des klassischen Printmedien-Anteils die bessere Performance hingelegt.

Während die beiden anderen über fünf Jahre hinweg zwischen 25 % und 36 % nachgaben, legte das Papier von Springer um über 30 % zu. Auch im letzten Jahr brachte sie als einzige Gewinne. Springer hat es offensichtlich verstanden, sich mit seinem Imperium aufs digitale Zeitalter einzustellen. Rund 77 % der Erlöse stammen aus dem digitalen Bereich, der zweistellig wächst.

New York Times besser als Facebook, Google und Co.

Eine weitere Medien-Aktie, die im digitalen Umbruch überraschend hervorsticht, ist die der New York Times. Der Zeitungsverlag profitiert ähnlich wie Springer von seinen Online-Geschäften und Abonnements. Selbst der Printbereich brach weniger stark ein als befürchtet. Der Umsatz stieg auf zuletzt 1,68 Mrd. US-Dollar, der operative Gewinn legte 2017 gar um 56 % auf 211 Mio. Dollar zu.

Der Erfolg ist zum Teil auf Donald Trump zurückzuführen. Mit seinen steten Angriffen gegen die Redaktion hat er den Bekanntheitsgrad der New York Times und die Zahl von Lesern, die sich an zuverlässigen Informationen orientieren wollen, gesteigert. Kaum zu glauben aber wahr: Die Aktie des Traditionsverlags konnte in letzter Zeit die von Facebook, Google & Co. abhängen. Auf Jahressicht brachte sie über 33 % Plus. Lediglich Netflix war in dem Zeitraum besser.

Im letzten Monat jedoch machte das NYT-Papier mit 14,6 % als einziges Gewinne. Die Aussichten in Sachen Gewinn und Markttrend sind durchweg positiv. Damit zählen Springer und die New York Times als Vertreter der Old Economy entgegen landläufiger Vermutung zu den Gewinnern.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.