Umschuldung und Schuldenschnitt bewahrten Griechenland vor Bankrott

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Eine Umschuldung und ein Schuldenschnitt retteten Griechenland vor der Pleite. Doch der Preis für Anleger war hoch. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Der Begriff der Umschuldung war lange Zeit vor allem aus dem privatwirtschaftlichen und dem unternehmerischen Bereich bekannt. Es geht bei der Umschuldung meist darum, laufende Kredite durch neue Vereinbarungen abzulösen, bei denen man bessere Konditionen erhält.

Spätestens seit der griechischen Staatsschuldenkrise ab 2010 ist jedoch auch die Umschuldung bei Staaten in aller Munde. Im Jahr 2012 gelang die größte Umschuldung der Nachkriegsgeschichte und damit wurde die griechische Staatspleite verhindert.

Anleihen-Tausch zur Rettung Griechenlands

Private Gläubiger waren zu dieser Zeit aufgerufen, ihre griechischen Anleihen gegen neue Titel zu tauschen. Als die Frist zur Teilnahme an der Umschuldung ablief, hatten sich rund 85,8% der Gläubiger für eine Teilnahme entschieden. Dies war aus ihrer Sicht auf den ersten Blick ein schlechtes Geschäft.

Für 100 € an alten Anleihen erhielten die Anleger Anleihen des EFSF im Wert von 15 € und sowie neue griechische Anleihen im Wert von 31,50 €. Der Vorteil für Griechenland bestand vor allem aus 2 Aspekten: Zum einen verzichteten die Gläubiger auf etwa 53,5% des Nennwerts ihrer Anleihen, was faktisch einem Schuldenerlass entspricht.

Auf der anderen Seite waren die neuen Anleihen mit einem bedeutend niedrigeren Zins ausgestattet und hatten Laufzeiten von bis zu 30 Jahren. Griechenland wurde auf diese Weise mehr Zeit für das Begleichen der Schulden eingeräumt.

Die Kosten für die Anleger

Die Kosten für die Anleger sind hierbei hoch, sie hängen jedoch vor allem davon ab, wann und zu welchem Kurs die Anleihe jeweils erstanden wurde. Besonders ärgerlich war die Situation vor allem für diejenigen, die Anleihen mit kurzer Restlaufzeit besaßen. Sie konnten lange Zeit hoffen, den Nennwert der Anleihe komplett zurückgezahlt zu bekommen – wurden aber letztlich enttäuscht.

Das wahre Ausmaß des Vorhabens wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass dadurch die Verbindlichkeiten Griechenlands um 107 Milliarden € gesenkt werden sollten. Dies ging zu einem großen Teil auf Kosten der großen Banken, Versicherer und Fonds.

Dass sich die Gläubiger dennoch an dem Schuldenschnitt und der Umschuldung beteiligten, lag vor allem daran, dass die Alternative als noch bedrohlicher angesehen wurde. Ein ungeordneter Zahlungsausfall hätte demnach voraussichtlich weitaus größere finanzielle Risiken mit sich gebracht.

Kommen weitere Umschuldungen?

2013 brachte Griechenlands Vizeregierungschef Venizelos eine weitere Umschuldung ins Gespräch. Er beteuerte dabei, dass es jedoch nicht erneut um einen Schuldenschnitt – also faktisch einen Erlass der Schulden – ginge, sondern vielmehr um eine Neustrukturierung der bestehenden Verpflichtungen.

Der Hintergrund dieser Idee ist die Tatsache, dass Griechenland auf der einen Seite mehr Geld braucht, auf der anderen Seite jedoch kein neues Hilfspaket in Anspruch nehmen möchte. Die Hilfspakete sind stets mit Reformauflagen verbunden und Venizelos erklärte, dass Griechenland keine weiteren Sparauflagen verkraften könne.

Ob die Gläubiger dem zustimmen und wie sich Griechenlands Schuldenkrise weiter entwickelt, bleibt abzuwarten. Eine Umschuldung kann aber ein geeignetes Instrument sein, um Kosten einzusparen. Dies gilt für Staaten ebenso, wie es auf Unternehmen und Privatpersonen zutrifft.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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