Umstrittenes Baukindergeld: Diese Unternehmen profitieren

Das Baukindergeld ist per Definition ein staatlicher Zuschuss für Familien, das die seit 2006 eingestellte Eigenheimförderung fortsetzt. (Foto: Liv Friis-larsen - Fotolia)

Über das von der Großen Koalition kürzlich eingeführte Baukindergeld wird heftig gestritten.

Während sich die Politik für eine „familienfreundliche Maßnahme“ feiert, kommen etwa der Bund der Steuerzahler oder das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) zu dem Schluss, dass die gewünschte Breitenwirkung der Eigentumsförderung ins Leere läuft, weil Bezieher niedrigerer Einkommen nicht davon profitieren.

Baukindergeld: so viel kann zusammenkommen

Das Baukindergeld ist per Definition eine staatliche Subvention, die aber letztlich, so die Kritik, die Mieten und Immobilienpreise weiter anheizen dürfte. Zudem könnte sie den Bundeshaushalt über zehn Jahre gesehen gut 22 Mrd. Euro kosten.

Weil das Baukindergeld einen staatlichen Zuschuss zum Erwerb von Wohneigentum darstellt, wird es direkt ausgezahlt, und zwar an alle, die eine Baufinanzierung laufen haben. Antragsberechtigt ist jeder, dessen Einkommen nicht über 75.000 Euro pro Jahr beträgt. Aber nur sofern und solange er Kindergeld erhält. Und nur dann, wenn der Nachwuchs auch in der neuen Immobilie wohnt.

Da das Baukindergeld – abhängig vom Kindergeld – über zehn Jahre hinweg geleistet wird, profitieren vor allem jüngere Familien bzw. Erziehungsberechtigte. Gezahlt wird für jedes Kind 1.200 Euro im Jahr. Sind zwei Kinder im Haushalt, gibt es eine gesamte Förderung von 24.000 Euro. Sobald aber der Nachwuchs 25 Jahre alt wird, entfällt für ihn mit dem Kindergeld zugleich das Baukindergeld.

Bis dahin jedoch ist noch der steuerliche Freibetrag pro Kind in Höhe von 15.000 Euro hinzuzurechnen, mit dem die tatsächliche Einkommensgrenze mit einem Kind 80.000 Euro und mit zwei Kindern bei 105.000 Euro liegt.

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Erneute Förderung nach 12 Jahren Pause

Je nach Wohnort und Einkommen allerdings sind angesichts exorbitant gestiegener Immobilienpreise die Voraussetzungen fürs Baukindergeld teils nur mit Mühe zu erfüllen. Schließlich muss man beim Kauf eines Hauses oder einer Wohnung einen Eigenkapitaleinsatz von bis zu 30 % aufbringen. Nach Berechnungen der Bundesregierung kommen dafür eigentlich nur rund 10 % aller Mieter in Betracht.

In seiner Definition ist das Baukindergeld Teil der ab 1949 begonnenen Eigenheimförderung in Deutschland. Nachdem lange die Baukosten über den früheren §7b im Einkommenssteuergesetz abschreibungsfähig waren, wurde 1982 schon einmal Baukindergeld eingeführt. Dieses wurde 1996 durch die Kinderzulage ersetzt, auf die wiederum die Eigenheimzulage folgte. 2006 war mit der Förderung Schluss.

Jetzt, 12 Jahre später, wird sie wieder aufgegriffen. Zu erwarten ist, dass sich die Effekte früherer Jahre wiederholen: Bauunternehmen werden den Zuschuss über höhere Preise abschöpfen. Was fehlt, sind zum Beispiel erschwingliche Grundstücke auf Erbpacht. Das Problem wird noch dringlicher, sobald die Zinsen für Baukredite steigen – noch sind sie historisch niedrig.

Alternativ von Immo-Aktien profitieren

Von der angespannten Lage am Immobilienmarkt werden zumindest diejenigen profitieren, die schon jetzt gut im Geschäft sind. Und wer kein Baukindergeld bekommt, kann sich die Aktien entsprechender Unternehmen ansehen. Züblin, Blifinger oder Hochtief beispielsweise gehören zu den größten Baukonzernen Deutschlands. Bei reinen Immobilienunternehmen wären Patrizia, Adler Real Estate, Deutsche Wohnen, TLG Immobilien, Deutsche Annington oder Aroundtown zu nennen.

Etliche davon sind in den erfolgreichen Nebenindizes Mdax und Sdax notiert. Allerdings scheint in vielen Fällen die Performance bereits ausgereizt. Spannend ist noch Aroundtown. Die noch junge Aktie legt unverdrossen zu und ist mit einem KGV von 6,5 äußerst attraktiv.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.