Unsicherheit an der Börse: Was sollten Anleger tun?

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Vor allem in den letzten Monaten gehört Unsicherheit an der Börse zum Geschäft. Aber: Wer langfristig breit gestreut investiert, gewinnt. (Foto: Eisenhans - Adobe.com)

„Anleger beklagen Unsicherheit“, „Die Unsicherheit an der Börse nimmt zu“, „Wann hat die Unsicherheit ein Ende?“ Gefühlt beherrscht das Thema Unsicherheit seit etwa 2016 die Anlegerwelt. Der unverständliche Brexit, der unberechenbare Präsident Donald Trump, national verträumte Wähler, die die EU gefährden, Handelsstreit, neue Konflikte und so weiter. Was also tun, wenn die Aktiengewinne ständig bedroht sind? Die Antwort: Diversifizieren und langfristig denken, Ruhe bewahren und Chancen nutzen.

Verdrängte Tatsachen in guten Zeiten

Das mag verstaubt und altbacken klingen, doch Unsicherheit an der Börse gab es schon immer. Kriege und Krisen haben seit jeher die Börsengeschichte begleitet. Ruhigere Phasen wie die Jahre bis zum Platzen der Dotcom-Blase Ende 1999, die Erholung bis zur Finanzkrise 2009 und der anschließende Bullenlauf, dem dieses Jahr die Luft ausging, sind Zwischenetappen. Zeiten, in denen man sich an den Aufstieg gewöhnt. Und in denen man die latente Unsicherheit gerne verdrängt.

Dabei ist sie stets präsent. Kein Kursverlauf ist garantiert. Ohne Unsicherheiten wäre die Börse nicht nur langweilig, sie würde auch keine Chancen mehr bieten, wenn eh alles klar ist. Nicht umsonst ist das Risikoprofil von Aktien nicht mit dem von Zinspapieren wie Anleihen vergleichbar. Wobei es auch hier Unsicherheiten gibt. Gemeint ist weniger das Restrisiko einer Pleite oder die historisch seltene Niedrigzinsphase seit der Finanzkrise. Anleihen schwanken im Wert, wenn sich die Zinsen ändern, was bestimmte Absicherungstrategien erfordert.

Wer gerne handelt, dürfte übrigens schnellt merken, dass Anleihen im Detail alles andere als einfach sind. Schnelles Gegensteuern ist bei Aktien erheblich leichter. Technisch zumindest, denn viele Strategien erfordern einigen Aufwand. Wer sich mit Chartsignalen beschäftigt, die Unsicherheiten bis ins Detail aufzulösen versuchen, sollte viel Zeit mitbringen. Dennoch ist es kein Kinderspiel, den richtigen Punkt für Trendwenden zu erwischen.

Deutsche Börse profitiert von Unsicherheit

Natürlich gibt es davon abgesehen Absicherungsstrategien wie Derivate und Shortprodukte, die auf einen negativen Verlauf setzen und Verluste begrenzen. Doch auch sie nehmen die volle Aufmerksamkeit eines Anlegers in Anspruch. Vor allem aber fressen sie an der Rendite. Hin und her macht die Taschen leer. Jede Transaktion kostet nun mal Geld. Einer der dabei verdient ist zum Beispiel die Börse selbst. Unsicherheiten treiben derzeit die Gewinne auch der Deutschen Börse.

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Ende Oktober hatte sie fürs abgelaufene Quartal einen 13 % höheren operativen Gewinn vermeldet. Fürs laufende Geschäftsjahr wird mit einem Plus von 10 % gerechnet. Die Börse profitiert von der gestiegenen Volatilität, den Kursschwankungen also und dem Bedarf nach Absicherung. Das wäre doch schon mal ein Aktientipp für unsichere Zeiten: Das Papier brachte im generell durchwachsenen  Jahr 2018 ein Plus von 22,8 % – und ist leicht unterbewertet.

Im Übrigen dürften die „Unsicherheiten noch weiterhin hoch bleiben“, sagt die Börse. Und der Gipfel einer gesteigerten Verunsicherung wäre Panik. Gefolgt von einer Korrektur, einem Crash. Auch der ist nicht sicher. Doch mit Blick auf die Geschichte haben die Aktienmärkte nach anschließender Erholung immer neue Höchststände erreicht. Das Urgestein aller Indizes, der Dow Jones, hat seit 1896 einen Wertzuwachs von 86.016,71 % gebracht. Unter Berücksichtigung der Inflation entspricht das einer jährlichen Rendite von 8,9 %. Auch der Dax kann sich rückgerechnet aufs Jahr 1950 mit 5,9 % pro Jahr sehen lassen.

Ruhige Indexfonds plus Renditebooster

Da wir bei Indizes sind: Anders als in früheren Zeiten gibt es heute die Möglichkeit, breit gestreut über einen ETF in ganze Indizes und verschiedenste Anlageklassen zu investieren. Das Gros des Anlagekapitals in ein, zwei große Tanker investieren, die unbeirrt durch die Wellen pflügen. Daneben mit wendigen Beibooten auch mal dicke Fische aus dem Wasser ziehen, sei es mit Themen-ETFs oder mit Einzelaktien. Die Konstruktion ist auch als Core-Satellite bekannt.

Damit hält sich der Aufwand zur persönlichen Beruhigung sowie zum Spaß an der Sache in Grenzen. Etwas Fingerspitzegefühl braucht es dann allenfalls beim späteren Ausstieg, wenn man nach Jahren eine schlechtere Börsenphase erwischt. Doch auch die hält erfahrungsgemäß nicht allzu lange an. Wer nicht sofort das ganze Vermögen benötigt, kann vorsichtshalber in Etappen aussteigen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.