Unterbewertete Aktien: Beispiele aus dem Dax

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Stark unterbewertete Aktien mit positiven Prognosen finden sich derzeit bei einigen Dax-Konzernen. Die Aussichten passen nicht zum Kurs. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Was unterscheidet Jacob Fugger von Warren Buffett? Gut 400 Jahre. Was haben beide gemein? Ein Gespür für Geld und einen Sinn für antizyklisches Handeln. Günstig investieren in der Erwartung einer positiven Entwicklung. Zwar sind die Rahmenbedingungen in der Renaissance für einen der reichsten Männer der Geschichte nicht mit heute vergleichbar, doch eines gilt unverändert: Wenn alle Welt Werte mit Potenzial links liegen lässt, sollte man zugreifen. Bei Warren Buffett nennt sich das Value Strategie.

Stark unterbewertete Dax-Aktien mit positiver Aussicht

Dabei geht es ums Aufspüren unterbewerteter Aktien. Im Dax finden sich derzeit einige, sodass man eigentlich wenig Aufwand treiben muss, sie zu finden; die wichtigsten Informationen sind verbreitet. Ob im Vergleich zu den Fundamentaldaten der Konzerne deren Aktien unterbewertet sind, wird im Dax von Analysten ausgiebig behandelt. Bei unbekannten Nebenwerten, die sich erst noch bewähren müssen, ist die Sache natürlich erheblich aufwändiger. Sie versprechen zwar mehr Potenzial, weil sie am Anfang ihrer Börsenkarriere stehen, doch ist bei unterbewerteten Dax-Aktien schon das Risiko geringer.

Wann eine Aktie unterbewertet ist, ergibt sich nur oberflächlich aus einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Tatsächlich aber aus einer Reihe von Messwerten, wobei das Wachstumspotenzial eine große Rolle spielt. Unter den 30 Titeln im Leitindex finden sich derzeit etliche, die leicht unter ihrem fairen Preis notieren. Interessant sind aber stark unterbewertete Kandidaten, die immerhin ein Drittel ausmachen. Mit Blick auf Gewinnprognosen und Markttrend präsentieren sich davon drei negativ, drei durchmischt und vier Aktien vorwiegend positiv.

1. Beispiel: Allianz

So leidet die Allianz wohl noch unter dem Negativ-Image der Finanztitel. Das KGV ist mit 10,5 nicht bedeutend niedriger als die Jahre zuvor, das Kurs-Cashflow Verhältnis (KCV) ist sogar deutlich höher, da der Konzernumbau einiges Geld kostet. Doch der Versicherer ist mit Blick auf die Gewinnaussichten hervorragend aufgestellt. Die kommenden Jahre wird mit weiteren Rekorden gerechnet. Auch dürften erneut geplante Aktienrückkäufe den Kurs schieben. Aufs Jahr gesehen verlor die Aktie 3,58 %.

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2. Beispiel: Lufthansa

Über 27 % betrug der Kursverlust der Lufthansa. Das KGV ist mit 5 deutlich unter dem Vorjahreswert. Nur marginal geringer ist allerdings das KCV, das vor zwei Jahren erheblich niedriger war. Hier machen sich unter anderem die Integrationskosten von Air-Berlin-Teilen bemerkbar, die den freien Cashflow um fast 60 % gedrückt haben. Trotz leicht revidierter Gewinnaussichten wegen zuletzt gesunkener Erlöse, verschärfter Konkurrenz und gestiegener Treibstoffkosten ist der Markttrend allerdings positiv. Mit Blick auf die Fundamentaldaten und Perspektiven ist die Aktie eine Gelegenheit.

3. Beispiel: Deutsche Telekom

Bei einem geringen Jahresverlust von 2,6 % ist die Aktie der Telekom mit einem auf 16,71 gesunkenen KGV und einem relativ niedrigen KCV von 4,4 auf einem Niveau, das als Startrampe für neue Höhenflüge gut ist. Zuletzt hatten Gewinnmitnahmen das Papier gedrückt. Dabei verheißt eine Reihe von Nachrichten Positives. Etwa die Fusion mit dem Anbieter Tele2 in den Niederlanden, der Einstieg in die künftige Maut-Abrechnung, der Ausbau des Glasfasernetzes oder ein eigener Streamingdienst à la Netflix.

4. Beispiel: Siemens

Vorsichtig positiver sind nun die Einschätzungen zur Siemens Aktie. Was die Auftragslage angeht, so ist neben einer Reihe von Verträgen gerade bei den großen Hausnummern noch nicht alles in trockenen Tüchern. Die Fusion der Zugsparte mit Alstom wartet noch auf grünes Licht der EU, um dann an die Börse zu gehen. Mit Saudi Arabien gibt es Absichtserklärungen zu Geschäften über 27,5 Mrd. US-Dollar, ebenso im Irak wo es beim Aufbau der kaputten Infrastruktur um noch mehr geht. Das Papier hat ein erneut gesunkenes KGV von 14,38. Das KCV ist mit 10,39 ebenfalls niedriger.

Etwas Mut und vor allem Geduld sollten sich auszahlen – was für alle genannten Titel gilt. Eine Garantie gibt es natürlich nicht. Wohl aber die Erfahrung, dass sich mit einer cleveren Value Strategie auf Dauer höhere Renditen erzielen lassen. Zumindest mehr als wenn man mit der Herde auf ohnehin viel zu teure Aktien aufspringt.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.