Unterhaching-Aktie – Eigentor für Anleger?

Renditemöglichkeiten mit Fußball-Clubs

Die Unterhaching-Aktie mag etwas für Clubfans sein, doch sie ist ein Spiel um den Aufstieg in die Zweite Liga und damit durchaus riskant. (Foto: Smileus - Fotolia)

Klar, Fußball ist ein Riesengeschäft. Wo der Ball rollt, rollt auch der Rubel. Vermarktung, TV-Einnahmen, Spielertransfers – Millionenbeträge sind gang und gebe. Mittlerweile werden über 200 Mio. Euro für neue Spitzenkicker gezahlt. Vereine sind längst Unternehmen. An deren Erfolg kann man teilweise auch als Anleger teilhaben. In Deutschland bislang nur über die Aktie von Borussia Dortmund (BVB). Nun auch über die Unterhaching-Aktie.

Unterhaching-Aktie seit Juli an der Börse

Die Spielervereinigung aus dem Münchener Vorort ging Mitte Juli an Börse. Der Ausgabepreis der Unterhaching-Aktie betrug 8,10 Euro. Nach anfänglichem Auftrieb rutschte der Kurs wieder Richtung Anfangsniveau. Mitte August lag er bei über 9 Euro. Nach so kurzer Zeit hat das allein natürlich wenig Aussagekraft, für Unterhaching-Fans schon gar nicht. Für alle anderen stellt sich jedoch die Frage, was eine Unterhaching-Aktie bringt, zumal die BVB-Aktie zum selben Preis zu haben ist.

Selbst die mag über fünf Jahre rund 90 % zugelegt haben, seit dem BVB Börsengang 2001 aber sind es 0 %. Außer Spesen nichts gewesen. Im Unterschied zu Unterhaching ist der BVB ein Spitzenclub der Bundesliga. Die Größenordnung der seit Jahren auf zuletzt 536 Mio. Euro gestiegenen Erlöse bei 9 Mio. Euro Schulden ist kein Vergleich mit der Spielervereinigung aus der Dritten Liga. Unterhaching macht 5 Mio. Euro Umsatz und hat 4,7 Mio. Euro Schulden.

Wette um Aufstieg in Zweite Liga

Der Kauf einer Unterhaching-Aktie ist ein Spiel, eine Wette auf den Aufstieg in die Zweite Liga, wo die Einnahmen gleich um den Faktor 10 bis 15 höher sind. Insofern besteht durchaus Luft nach oben. Doch um welchen Preis? Für eine halbwegs ruhige Entwicklung sind 330.000 Aktien eine schmale Basis. Ein paar Akteure reichen theoretisch aus, und der Kurs springt von einem Extrem ins andere. Zum Vergleich: beim BVB sind es 92 Mio. Aktien.

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Auf über zehn Mal mehr kommt indes Juventus Turin. An der Börse sind die Italiener Spitzenreiter von grob 20 europäischen Clubs mit Aktien. Auf Fünfjahressicht brachte das Papier gut 600 % Wertzuwachs. Inklusive BVB liegen weitere zehn Clubs in positiven Bereich, die meisten sogar dreistellig. Alle anderen zeigen eine negative Entwicklung. Schlusslicht ist Aalborg BK aus Dänemark mit 75 % Minus.

Das alles spiegelt die Perfomance über fünf Jahre. Auch lange Sicht zeigt sich wieder ein ganz anderes Bild: Selbst beim Favoriten Juventus haben Anleger der ersten Stunde nur 17% gutgemacht – etwas besser als beim BVB. Kein Vergleich mit dem Dax, bei dem selbst schlechtere Jahre nichts an einer nachhaltig positiven Wertenwicklung von mindestens 7 % ändern. Klar, ein Fußballclub ist eben keine Allianz, keine BASF, kein SAP oder VW.

Zumindest konjunkturunabhängig

Was für Club-Aktien spricht: Sie sind zumindest nicht konjunkturabhängig. Die großen Zyklen haben wenig Einfluss. Ein Großteil der Umsätze läuft auch in weniger erfolgreichen Phasen. Das allerdings eher in der Bundesliga und der Zweiten Liga. Unterhaching, das auch mithilfe von Anlegergeld dorthin möchte, konkurriert mit gut 12 Clubs auf dem Weg nach oben. Zudem ist mit zahlreichen Erfolgsvereinen auch abseits von Fußball der Sponsormarkt in München besonders hart umkämpft.

Die Chance auf einen möglichen Aufstieg ein den kommenden Jahren ist im Kurs der Unterhaching-Aktie längst eingepreist. Klappt es nicht, könnte sich das Papier als Eigentor erweisen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.