Unternehmensgründung: Finanzierung richtig planen

Ohne große finanzielle Rücklagen ist ein Existenzgründer zwingend auf Hilfe von außen angewiesen. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Der Weg in die Selbstständigkeit gelingt den meisten nicht aus eigener Kraft heraus. Hat der Existenzgründer keine oder zu geringe finanzielle Mittel, um das Business aufzubauen, ist er auf Hilfe von außen angewiesen.

Möglichkeiten, die eigene Neugründung zu realisieren gibt es viele: Neben staatlichen Mitteln, Förderbanken und Risikokapital kann auch eine Förderung über Crowdfunding in Betracht gezogen werden. Potenzielle Geldgeber müssen allerdings überzeugt werden, um die Finanzierung in der Anfangsphase sicherzustellen.

Mit einem Businessplan überzeugen

Für Banken und Förderer muss die Höhe des benötigten Kapitals realistisch eingeschätzt werden. Beschäftigt sich das Start-up frühzeitig mit seinen voraussichtlichen Kosten, verdeutlicht das die intensive Planung des Projekts. Der Jungunternehmer strukturiert mit einem Businessplan sein Vorhaben und erkennt Probleme im Vorfeld. Auch Förderer schenken dem Projekt dadurch mehr Vertrauen.

Für die Bank ist der enthaltene Finanzplan relevant, um zu sehen ist, mit welchen finanziellen Belastungen zu rechnen ist und ab wann Verbindlichkeiten zurückbezahlt werden. Je konkreter die Idee des Projekts ausgearbeitet ist, desto schneller sind Geldgeber überzeugt.

Die Ausgestaltung erfolgt in einem detaillierten Businessplan, der folgende Fragen beantwortet:

  • Was ist genau meine Geschäftsidee?
  • Worin liegt der Kundennutzen?
  • Wer ist meine Zielgruppe?
  • Gibt es einen Markt für mein Produkt?
  • Wer sind meine Mitbewerber?
  • Was ist mein Ziel in einem, drei oder fünf Jahren?
  • Wie vermarkte ich mein Produkt?
  • Bin ich alleine oder habe ich ein Team?
  • Wie ist das Management genau geplant?
  • Welche Rechtsform wird mein Unternehmen haben?
  • Wie viel Geld brauche ich wann und wofür?

Der letzte Punkt, der Finanzplan, sollte im Interesse des Gründers detailliert dargestellt werden. So gibt ein Kreditinstitut eher eine Finanzierungs- oder Förderzusage.

Möglichkeiten zur Förderung

1 Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit gewährt unter bestimmten Bedingungen einen Gründungszuschuss von 300 Euro zusätzlich zum Arbeitslosengeld I. Zudem werden in diesem Rahmen Beratungsgespräche angeboten. Voraussetzung ist unter anderem ein Arbeitslosengeldanspruch von mindestens 150 Tagen und die fachliche Qualifikation muss entsprechend nachgewiesen werden.

Außerdem wird eine positive Stellungnahme einer fachkundigen Stelle verlangt. Dies ist in der Regel die Industrie- und Handelskammer. Ziel der Förderung ist es, die Arbeitslosigkeit zu beenden.

2 Förderkredite der KfW

Die KfW ist die größte nationale Förderbank. Die Rückzahlmodalitäten sind relativ günstig und es stehen unterschiedliche Kreditmodelle zur Auswahl. Ein Vorab-Check wird dort ebenfalls angeboten. So ist die maximale Fördersumme mit 500.000 Euro angegeben; oft startet die Tilgungsphase erst nach mehreren Jahren.

Das hat den Vorteil, dass sich das Unternehmen erst einmal etablieren kann, bevor die Rückzahlungsbelastung zu den Ausgaben hinzukommt. Unterschiede bestehen zum Beispiel beim notwendigen Eigenkapital oder beim Verwendungszweck. Manche Kredite sind nur für (Teil-)Investitionen und Betriebsmittel zugelassen, andere haben weniger Restriktionen.

3 Traditionelle Banken

Herkömmliche Banken haben zwar meist einen etwas höheren Zinssatz als Förderbanken, allerdings werden die Bedingungen (z.B. Businessplan, Sicherheiten) für eine Kreditvergabe von jeder Institution selbst festgelegt. Das ermöglicht im Gegenzug individuelle Lösungen für Gründer, die bei anderen Geldgebern leer ausgehen.

Auch für Teilfinanzierungen können Hausbanken geeignet sein, wenn über andere Wege keine Vollfinanzierung erreicht wird.

4 Venture Capital

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Sogenanntes Risikokapital wird privat an Unternehmen vergeben, die eine möglichst innovative Idee haben. Die Investoren, Business Angel genannt, sichern sich durch ihre Förderung Anteile an einer Firma, tragen aber auch das größte Risiko. Das lohnt sich, wenn ein rasches Wachstum prognostiziert wird.

Die Finanzierer setzen unter Umständen auf mehrere Startups, um dann, beim finanziellen Durchbruch, ein Vielfaches des Einsatzes zurückzubekommen. Für Existenzgründer mit originellen Ansätzen kann so eine Win-win-Situation entstehen.

5 Crowdfunding

Jungunternehmer können über einen Kanal ihrer Wahl für ihr Projekt werben und von der Idee Interessiert, geben einen beliebigen Geldbetrag zur Realisierung dazu. Der Vorteil liegt auf der Hand: Viele kleine Investoren tragen das Risiko, teilweise ohne Gegenwert.

Allerdings muss einiges an kreativer Überzeugungsarbeit geleistet werden, sonst lassen sich wohl kaum genug Menschen überreden.

Fazit: Individuelle Förderung ist wichtig

Welche der Möglichkeiten die richtige ist, muss vom Gründer geprüft und entschieden werden. Auch Mischformen sind möglich, indem ein Teil des Startkapitals eine traditionelle Bank und einen Teil ein Business Angel übernimmt. Vergleichsportale für Finanzierungen können Existenzgründern dabei helfen, die beste Bank für das neue Business zu finden.

Ein größeres Unternehmen mit teuren Maschinen muss sicher anders an die Thema Liquidität und Finanzierung herantreten als ein Einzelkämpfer, der am Schreibtisch seine Pläne in die Tat umsetzt.


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Markus Müller
Von: Markus Müller. Über den Autor

Markus Müller ist Experte für Vermögenaufbau und –absicherung und großem Interesse an genereller Finanzthematik.