Unzulässige Gebühren: kein Ärger mehr mit der Bank

Wenn Ihnen Ihre Bank eine unzulässige Gebühr in Rechnung stellt, nehmen Sie dies nicht einfach so hin. Beschweren Sie sich stattdessen – dies ist Ihr gutes Recht.

Erkundigen Sie sich bei Ihrer Bank: Gibt es eine zentrale Stelle für Beschwerden? Dann wenden Sie sich dorthin.

Nur wenn es keine Beschwerdestelle gibt, wenden Sie sich direkt an den zuständigen Bankangestellten. Sollte er Sie abweisen, beschweren Sie sich schriftlich.

Tipp: Sprechen Sie ihn mit Namen an – dann wirkt Ihre Beschwerde nicht anonym, und der Angesprochene fühlt sich eher zuständig.

So wird Ihre Beschwerde bei der Bank erfolgreich

Längst nicht jeder Bankkunde hat mit seiner Beschwerde Erfolg. Wenn Sie die folgenden Grundsätze beherzigen, können Sie die Erfolgswahrscheinlichkeit Ihrer Beschwerde erheblich steigern.

Unabhängig davon, ob Sie mit Ihrer Beschwerde nach juristischen Maßstäben Recht haben oder ob Sie auf die Kulanz der Bank angewiesen sind – der Ton macht die Musik:

Jeder Bankmitarbeiter fühlt sich auf den Schlips getreten, wenn Sie ihm oder seiner Bank bösen Willen unterstellen.

Am meisten erreichen Sie, wenn Sie freundlich bleiben und bei Fehlern oder Versäumnissen Verständnis zeigen. Ein höfliches „Bitte“ oder „Danke“ führt zu einer besseren Lösung.

Ein ellenlanger Brief, in dem sich der Absender über zig verschiedene Dinge gleichzeitig beschwert und nicht genau sagt, was er mit seiner Beschwerde bezweckt, führt selten zum Erfolg.

Ein Bankmitarbeiter liest ihn mit zunehmender Ungeduld. Kann er nicht sofort daraus schließen, was der Empfänger erreichen will, ist das Ergebnis meist nur eine nichtssagende Pro-Forma-Entschuldigung.

„Geldanlage-Berater“-Tipp: Bauen Sie Ihre Beschwerde strukturiert auf. Nennen Sie erst den Beschwerdegrund. Schlagen Sie dann eine praktikable Lösung vor.

Falls Sie sich wegen mehrerer Probleme an die Bank wenden, handeln Sie sie Punkt für Punkt ab – jeweils mit Beschwerdegrund und Lösungsvorschlag.

Je klarer Ihre Vorgaben, desto leichter kann ein Bankmitarbeiter das Problem aus der Welt schaffen.

Beschwerde-Beispiel: Gebühr für eine Lastschriftrückgabe

Hans Mustermann Musterstraße 1 12345 Musterstadt Bank Musterstadt Postfach 12345 12345 Musterstadt 22. Mai 2006 Bitte erstatten: Gebühr für Lastschriftrückgabe Sehr geehrter Herr XY, weil eine Steuernachzahlung mit der Abbuchung der Versicherungsbeiträge für mein Fahrzeug zusammentraf, war mein Girokonto (Konto- Nr.: 012345678) vorübergehend nicht gedeckt, als die Telefonrechnung abgebucht werden sollte. Die Lastschrift der Telekom wurde am 18. April 2006 zurückgegeben. Bei der Durchsicht meiner Kontoauszüge stelle ich nun fest, dass Sie mir für die Rückgabe der Lastschrift eine pauschale Gebühr von 10,00 Euro berechnet und von meinem Girokonto abgebucht haben (Datum der Belastung: 15. Mai 2006). Bereits 1997 hat der BGH aber entschieden (Aktenzeichen: XI ZR 5/97 und XI ZR 296/96)), dass Banken von ihren Kunden keine pauschalen Gebühren für die Rückgabe von Lastschriften verlangen dürfen. Ein neueres Urteil des BGH aus dem Jahr 2004 legt außerdem fest, dass auch ein Schadenersatz nicht in Frage kommt (Aktenzeichen: XI ZR 154/04). Ich bitte Sie daher, die geltende Rechtsprechung zu berücksichtigen und mir die zu Unrecht erhobene Gebühr schnellstmöglich auf mein Girokonto (s. o.) zu erstatten. Mit freundlichen Grüßen Hans Mustermann

Fazit: Dieser Mustertext enthält alle Informationen, die der Bankmitarbeiter wissen muss, der Ihre Beschwerde bearbeitet.

Gleich in der Betreffzeile wird die Gebühr genannt, um die es geht. Dann schildern Sie in kurzer Form die Sachlage und verweisen auf das oder die entsprechenden Gerichtsurteile. Am Ende fordern Sie die Bank auf, Ihnen die unzulässigen Gebühren zurückzuzahlen.

Vergessen Sie nicht, Ihre Kontonummer anzugeben! Diesen Aufbau können Sie ganz leicht bei allen anderen Beschwerdegründen anwenden.

Checkliste: So hat Ihre Beschwerde bei Ihrer Bank Erfolg

  • Prüfen Sie bei Gebühren, die über die reine Kontoführung hinausgehen, stets nach, ob diese auch zulässig sind.
  • Prüfen Sie auch ältere Bankauszüge. Denn Ihre Ansprüche auf Erstattung zu unrecht erhobener Entgelte verjähren erst nach 3 Jahren (§195 BGB). Die Frist dafür beginnt übrigens erst mit Ablauf des Jahres, in dem das Entgelt von Ihrem Konto abgebucht wurde (§ 199 BGB).
  • Wenden Sie sich mit Ihrer Beschwerde idealerweise an die zentrale Beschwerdestelle, sofern Ihre Bank eine hat. Falls nicht, wenden Sie sich direkt an den Bankmitarbeiter, mit dem Sie üblicherweise zu tun haben. Sollte man auf Ihre mündliche Beschwerde nicht reagieren, beschweren Sie sich schriftlich.
  • Bleiben Sie bei Ihrer Beschwerde freundlich. Damit erhöhen Sie Ihre Erfolgschancen beträchtlich. Denn – auch wenn Sie Recht haben – es nutzt Ihnen nichts, wenn der Bankmitarbeiter sich gleich gründlich über Sie ärgert. Das wird ihn in seiner Entscheidung allenfalls negativ beeinflussen.
  • Bauen Sie Ihre Beschwerde strukturiert auf. Nennen Sie erst den Beschwerdegrund. Schlagen Sie dann eine praktikable Lösung vor, z. B. die Erstattung der zu Unrecht abgebuchten Beiträge. Fassen Sie sich dabei kurz.
  • Nennen Sie in Ihrer Beschwerde das Gerichtsurteil, das die betreffende Gebühr für unzulässig erklärt.

6. Juni 2006

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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