US-Spielzeug-Gigant Toys „R“ Us vor dem Aus

Schon heute gilt sie als eine der größten Pleiten einer Einzelhandelskette in den USA: die Insolvenz des Spielzeugfachhändlers Toys „R“ Us. Schuld daran sei nach Meinung vieler Experten die wachsende Konkurrenz im Onlinegeschäft. Zuletzt verirrten sich immer weniger Kunden in die weit mehr als 1.600 Niederlassungen des Unternehmens auf dem gesamten Globus.

Allerdings ist die Eröffnung eines Chapter-11-Insolvenz- Verfahrens in den USA nicht gleichzusetzen mit einem ähnlichen Schritt in Deutschland. Bei dem so genannten Chapter 11 handelt sich eher um ein Sanierungsverfahren unter gerichtlicher Aufsicht.

Dem in die Krise geratenen Unternehmen wird ein zeitlich begrenzter Schutz vor seinen Gläubigern eingeräumt, um Chancen zu gewähren sich zu neu zu positionieren. Nach den Erwartungen von Kennern der Branche könnte die Gesellschaft im Insolvenzverfahren den Versuch unternehmen, seine unrentablen Filialen zu schließen und das Geschäft im Internet weiter auszubauen.

Toys „R“ Us Insolvenz – die Hintergründe

Allerdings ging es in den vergangenen Jahren für Toys „R“ Us, das weltweit rund 64.000 Mitarbeiter beschäftigt, rasant bergab. Die Umsätze in den Geschäften gingen dramatisch zurück. Die boomende Präsenz des Online-Verkäufers Amazon machte dem Unternehmen besonders zu schaffen. Im 2. Quartal 2017 musste Toys „R“ Us einen Verlust von 164 Millionen US-$ bei einem Umsatz von 2,2 Mrd. US-$ hinnehmen. Gewinne schreibt die Gesellschaft schon lange nicht mehr.

Dabei hatte der US-Einzelhändler in den vergangenen Jahren noch rund 100 Mio. € in seine Onlinegeschäfte investiert. Aber immer wieder hatte es Schwierigkeiten gegeben: So konnte das Unternehmen beispielsweise Ende 2015 in den USA zahlreiche Bestellungen nicht vor dem Weihnachtsfest ausliefern. Die Mitarbeiter seien mit der großen Anzahl von Onlineaufträgen überfordert gewesen. Und ein Jahr danach musste der geplante Start des neuen Onlineauftritts auf die Zeit nach dem Weihnachtsgeschäft verlegt werden – mit der Folge massiver Umsatzeinbußen.

Neue Chance für den US-Spielwarenhändler?

Doch noch gibt es Hoffnung für Toys „R“ Us: Zunächst bleiben die Filialen des Unternehmens geöffnet. Wie die Gesellschaft mitteilte, im Rahmen des US-amerikanischen Insolvenzverfahrens  einen Neukredit in Höhe von mehr als 3 Mrd. US-$ von einer Bankengruppe, die von JPMorgan angeführt wird, erhalten zu haben. Europäische und asiatische Geschäftsbereiche sind ohnehin nicht betroffen.

Da der Konzern im Jahr 2005 von den Investoren KKR und Bain für 7,5 Mrd. US-$ gekauft worden war und vom offiziellen Kurszettel verschwand, hat die Insolvenz des Unternehmens für europäische Privatanleger keine große Bedeutung – jedenfalls nicht unmittelbar.

Indirekt jedoch konnten Anteilseigner z.B. von Amazon davon profitieren, wenn ein Konkurrent mit einem milliardenschweren Umsatz vom Markt verschwindet. Toys „R“ Us ist kein Einzelfall: In den Vereinigten Staaten haben allein in diesem Jahr eine ganze Reihe von Einzelhandelsketten Gläubigerschutz beantragt.

10. Oktober 2017

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

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