US-Wahl macht Zinserhöhung der Fed unvermeidlich

Es kam alles anders als gedacht: Nicht nur, dass Donald Trump nächster Präsident der USA wird, auch der Einbruch der Aktienkurse, der von vielen Experten prognostiziert wurde, blieb aus. Nach dem ersten Schock erholten sich die Papiere erstaunlich schnell und der Dollar legte zu.

Anleihen indes gerieten unter Druck, weil die Zinsen kräftig zulegten. Kommt nach der US-Wahl nun die Zinserhöhung durch die Fed? Der lange erwartete Durchbruch für Sparer und Anleihenanleger?

Behutsame Zinsschritte sorgten für Ruhe und Berechenbarkeit

Fällig ist ein deutlicher Zinsschritt schon länger. Das Erstarken der amerikanischen Wirtschaft und die Arbeitslosenquote von nur 4,7% sprächen dafür. Bislang aber bereitete die Notenbank nach der Rückführung des Anleiheankaufs lediglich behutsam den Weg zum Ende der Niedrigzinsen. Diese Vorsicht sorgte zumindest für Ruhe an den Devisenmärkten.

Dollar und Euro zeigten eine erstaunlich lange Wechselkursstabilität, was auch US-Unternehmen zugute kam, die unter einem starken Dollar mehr zu leiden hätten. Um aber der mittlerweile realen Inflationsgefahr zu begegnen, sprachen sich immer mehr Fed-Mitglieder für eine sofortige Anhebung auf 1,5% aus. Doch Notenbank-Chefin Janet Yellen bevorzugte vorläufig den Weg der sukzessiven Zinserhöhung und beließ am 2. November den Leitzins in der Spanne zwischen 0,25% und 0,50%.

Ihre Vorsicht hatte diesmal noch einen anderen Grund. Kurz vor der Wahlentscheidung wollte sie weder die Märkte verunsichern, noch den Wahlausgang beeinflussen. Hinzu kommt: Trump ist erklärter Gegner ihrer Zinspolitik und wirft Yellen politische Motive vor – 2018 will er sie ersetzen.

US-Wahl nimmt Zinserhöhung der Fed vorweg

Nach seiner Wahl ist es nun die überraschende Marktentwicklung, die Druck aufbaut. Aktien gingen genauso in die Höhe wie Dollar und Anleihezinsen. Darin spiegelt sich ein Kalkül. Die Mehrheit geht offenbar davon aus, dass Steuersenkungen und Staatsausgaben für ein massives Infrastrukturprogramm die Konjunktur und Inflation vorerst anschieben werden. Ein Preisanstieg auf breiter Front ist allein infolge der angekündigten Importhemmnisse zu erwarten.

Der Markteffekt nach der US-Wahl nimmt eine Zinserhöhung der Fed eigentlich vorweg. Der Sachzwang macht eine Erhöhung im Dezember unvermeidlich. Alle entgegenlaufenden Prognosen wurden von der „Trumpflation“ eingeholt. Ein Begriff, der mit Blick auf die Abkehr vom freien Welthandel dieser Tage entstanden ist.

Für Anleger bedeutet dies, dass nun wirklich das Ende der Niedrigzinsen gekommen ist, und zwar ruckartig. Fragt sich, wie sich das Ganze auf Europa auswirkt. Weil die EZB vorläufig gezwungen ist, an ihrer Niedrigzinspolitik festzuhalten, wird erhebliche Spannung entstehen. Ein stärkerer Dollar verteuert zudem die Rohstoffe. Und wenn die bisherige Wechselkursstabilität aufbricht, werden Fremdwährungsanlagen riskanter.

Negativspirale vernichtet Anlegergeld

Wer meint, jetzt auf den Zug aufspringen zu müssen, nur weil neue Anleihezinsen von über 2,5% winken, begibt sich in stürmisches Gewässer. Mit jeder Zinsspekulation schmieren die Kurse laufender Papiere ab – der Anleihemarkt rotiert in einer schneller drehenden Spirale. Die extremen Inflationserwartungen haben weiterreichende Negativeffekte als vordergründig angenommen. Wenn Teuerungsraten und Kursverluste vom Zins nichts übrig lassen, ist die reale Rendite dahin.

Anleger, die noch vor Monaten in langlaufende Anleihen investiert haben, sehen kaum noch Chancen, die Verluste einzuholen. Dabei versprachen gerade Langläufer die höchsten Renditen, weshalb auch Fonds, Versicherer und Pensionsfonds ihre Kundengelder dort anlegten. Die Verwerfungen werden für lange Gesichter sorgen und kleinere Anbieter in Bedrängnis bringen. Allein in den ersten Tagen nach Trumps Wahlsieg wurden nach Schätzungen über eine Billion US-$ an Wert vernichtet.

Sparaussichten teuer erkauft

Der Vorfreude auf künftig bessere Sparanlagen geht also ein kräftiger Dämpfer voraus, sie ist teuer erkauft. Auch Kleinsparer wird es erst einmal treffen. Die Zinserhöhung durch die Fed im Dezember jedenfalls scheint nur noch Formsache zu sein. Zwar dürfte er die US-Geldpolitik wieder neutraler ausrichten, doch selbst hier liegen Sprengfallen: Höhere Zinsen machen Trumps geplante Zusatzschulden teurer. Schon jetzt sitzen die USA auf einem Schuldenberg von fast 20 Billionen US-$.

Wie dieser Tage bekannt wurde, haben sich einige Investorengrößen, darunter Warren Buffett und George Soros, gegen Trumps Pläne verbündet. Die weitere Entwicklung kann noch einige Überraschungen bieten. Für sicherheitsorientierte Anleger wäre vorübergehend Gold eine Überlegung. Die Kurse haben seit der Wahl erheblich nachgegeben.

23. November 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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