USA: effiziente Altersvorsorge mit Aktien – und Deutschland schläft

In den USA hat Altersvorsorge mit Aktien Tradition. Einfache, flexible Fördersysteme schließen die Rentenlücken. Ein Vorbild für Deutschland. (Foto: oneinchpunch / Shutterstock.com)

In einer Hinsicht ist die gesetzliche Rente besser vermutet. Mit einer Gesamtrendite von 3,2 % schneidet sie besser ab als alle Privatrenten – auf Zinsbasis wohlgemerkt. Anders bei einer cleveren Aktienanlage.

Über 30 Jahre hinweg kann die Durchschnittsrendite bis zu 10 % betragen. Und weil die Rente alleine nicht reichen wird, wundert es schon, dass der Aktionärsanteil an der deutschen Bevölkerung nur 6 % beträgt. Die Amerikaner liegen bei 25 %.

USA: traditionelle Altersvorsorge mit Aktien

Traditionell dominieren in den USA bei der Altersvorsorge Aktien, sei es über Fonds oder mit Direktinvestments. Ein Vorbild für Deutschland? Durchaus, denn anders als vermutet wirft die staatliche Rente hierzulande kaum mehr ab als in Amerika. Und es wird zunehmend weniger.

Um die künftige Rentenlücke zu schließen, lohnt sich ein Blick auf das dortige System. Zudem sollten Aktien zur Altersvorsorge wie in den USA besser gefördert werden. Sie sind weniger riskant als häufig befürchtet und werden längst auch von deutschen Lebensversicherern eingesetzt. Deren Provisionen aber kann man sich sparen und gute Renditen einfahren.

Allein wer seit 30 Jahren jeden Monat 50 € in Aktien investiert hat, kann eine Zusatzrente von 870 € monatlich erzielen. Der Blick zurück ist aber hierzulande vorwiegend von Misstrauen geprägt. Zu sehr sind noch die Pleiten nach der geplatzten Internetblase in Erinnerung. 1999 wollte jeder Aktionär werden. Im neuen Jahrtausend fiel die Telekom Aktie von 100 € auf fast nichts.

Allerdings, die Rendite der erwähnten 30-jährigen Anlage hat auch dieses Ereignis über die Zeit weggesteckt, genauso wie die Finanzkrise 2009. Dass sich nach dem Crash die Zahl der Aktionäre in den USA, anders als hier, nicht verringert hat, liegt an ihrer Tradition: Es ist selbstverständlich, sich am wirtschaftlichen Erfolg des Landes zu beteiligen. In Amerika wurden schon früh aus Sparern Investoren.

Flexible Förderkonzepte

Die Altersvorsorge in den USA steht auf drei Säulen: staatliche Rentenversicherung, private und betriebliche Vorsorge über Pensionsfonds, die zum Großteil in Aktien investiert sind.  Arbeitgeberbeiträge stocken die Einzahlungen in Fondssparpläne auf. Gut 70 % aller Haushalte haben einen. Rückläufig ist jedoch das Modell, einseitig Aktien des eigenen Arbeitgebers zu halten. Das Risiko ist zu groß wie etwa der Enron Crash gezeigt hat.

Die Bedeutung von Aktien zur Altersvorsorge in den USA ergibt sich schon aus der Tatsache, dass die Beiträge zur staatlichen Rente um 6,3 % niedriger sind als in Deutschland. Das ersparte Geld fließt meist in die Betriebsvorsorge. Die jeweiligen Aktiendepots sind in der Regel mit ETFs oder Mischfonds bestückt. Sie werden kostenlos von den Anbietern geführt. Bei einer Riester-Versicherung indes sind gleich zu Anfang satte Provisionen fällig.

Eine von zwei Grundformen ist der 401(K)Plan, benannt nach einem Steuerparagrafen. Die private Rente gibt es ab 67 und nach 10 Jahren. Arbeitnehmer können steuerfrei bis zu 18.000 US-$ jährlich einzahlen, über 60-Jährige 6.000 US-$ mehr. Die Werte beziehen sich auf 2017.

Viele Arbeitgeber steuern zwischen 50 % und 100 % zu den Beiträgen bei und verpflichten sich zu langfristigen Zuzahlungen. Die können sie als Betriebsausgaben absetzen. Im Falle einer Insolvenz sind die Zahlungen geschützt und werden von einem „Plan Administrator“ verwaltet.

Die zweite Grundform nennt sich Individual Retirement Account (IRA), von der es elf Typen mit verschiedenen Fördervarianten und Konditionen gibt. Allen ist gleich: Aus versteuertem Einkommen wird mit jährlichen Höchstgrenzen Vermögen gebildet. Kapitalerträge, Dividenden sowie Zinsen sind nach fünf Jahren steuerfrei.

Deutsches Rentenniveau unter OECD-Schnitt

Mit dieser flexiblen und unkomplizierten Art bringen es US-Rentner am ersten Auszahlungstag auf ein Vermögen von durchschnittlich 360.000 US-$. Kommen alternative Aktienpakete hinzu, ergibt sich mit der Rente ein ansehnliches Vorsorgepolster.

Der Nebeneffekt des Systems: Die hohe Verbreitung von Aktien macht die Märkte stabiler und liquider als hierzulande, wo es Unternehmen schwerer haben, an die Börse zugehen um sich zu refinanzieren. Etliche Ausblutungen durch Private Equity Firmen, die sich als „rettende Alternative“ anbieten, ließen sich bei der direkten Börsennotierung mit mehr Anlegerpotenzial vermeiden.

Ob sich der deutsche Gesetzgeber zu einer stärkeren Förderung aktienbasierter Altersvorsorge durchringen wird, ist fraglich. Zu sehr ist er von der Qualität der staatlichen Rente überzeugt – noch. Ab 2030 wird ihr Niveau auf unter 42 % sinken. Und schon jetzt liegt sie weit unter dem OECD-Schnitt.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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