Vapiano Aktie: Deutschlands erste Restaurant-Aktie ohne Glanz

Die Vapiano Aktie ist die erste einer deutschen Restaurantkette. Die eher verhaltenen Aussichten erklären den holprigen Börsengang. (Foto: 8th.creator / Shutterstock.com)

Essen und Trinken geht eigentlich immer. Es kommt dabei natürlich auf die zeitgemäße Verpackung an. Nach dem Dauerbrenner Fast-Food breitet sich Fast-Casual aus. Ein Restauranttyp der Systemgastronomie, der auf abgemagerten Service und Schnelligkeit setzt. Das Speiseangebot ist in der Regel klein, richtet sich nach einem bestimmten Ländertyp und wird frisch zubreitet – zelebriert vor den Augen der Gäste.

Diese Mischvariante aus McDonald´s und Showrestaurant wurde in den USA seit 20 Jahren zum Mainstream. Deutscher Marktführer ist Vapiano. Die Aktie der Bonner Restaurantkette mit Pizza und Pasta ging vor kurzem an den Start. Vom Prime Standard der Deutschen Börse aus kann sie später in einen der Dax-Indizes aufsteigen.

Vapiano-Aktie bislang kein Renner

Nun hat auch Deutschland eine Restaurant-Aktie. Vapiano ist ein italienisches Kunstwort, das sinngemäß für gemächliches Gehen steht.

Ein Renner war die Vapiano-Aktie seit ihrem Börsengang am 27. Juni nicht. Schon der mit den Geldhäusern Unicredit, Barclays und Berenberg angepeilte Ausgabepreis von bis zu 27 € musste der verhaltenen Nachfrage angepasst werden und landete bei realistischeren 23 €.

Beim ersten Kurs von 23,95 € kam das Unternehmen mit 24 Mio. Aktien auf einen Börsenwert von ca. 575 Mio. €. Im Verlauf des ersten Handelstages sackte das Papier unter den Ausgabepreis, erholte sich am Ende aber auf 24 €. Seitdem verlor die Aktie rund 3,5 %. Der Stand zuletzt: 22,42 €.

Begeisterung sieht anders aus. Dabei ist Causal-Dining ein wachsender Bereich. Seit seiner Gründung im Jahr 2002 weitete Vapiano die Kette auf 185 Filialen in über 30 Ländern aus. Bis 2020 sollen es 330 werden, 126 davon in Deutschland. Zur Finanzierung werden die 85 Mio. € beitragen, die mit dem Börsengang in die Firmenkasse flossen. Insgesamt wurde Anlegergeld in Höhe von ca. 184 Mio. € eingesammelt.

Zahlen mit optischer Täuschung

Dass die Anleger zugriffen, geht wohl auf das überzeugend vorgetragene Wachstumskonzept zurück. So zeigt auch der Umsatz zwischen 2014 und 2016 eine Steigerung von 152 Mio. auf 249 Mio. €. Der Gewinn aber sackte im selben Zeitraum von 6,9 Mio. € auf 0,3 Mio. € ab. Und sieht man genau hin, betrifft der die Vapiano Gruppe als Ganzes. Auf den Teil der Aktionäre bezogen war es jedoch ein Minus von nicht ganz 0,6 Mio. €.

Vapiano hat also sein Wachstum teuer erkauft. Und auch das relativiert sich. Die Restaurants werden nur zum Teil vom Unternehmen selbst betrieben. Mehrheitlich aber von Franchise-Partnern, deren Umsätze bis 2014 nicht in der Bilanz standen. Durch einen groß angelegten Lizenzrückkauf verschob sich dann das Gewicht und erzeugte ein optisches Wachstum von 28 %. Tatsächlich waren es nur 8,6 %.

Selbst auf Basis der Bilanzzahlen ergibt sich eine schlechtere Profitabilität als etwa beim amerikanischen Gegenstück Shake Shack: Bei der EBITDA-Marge kommt das US-Unternehmen auf 15 %, Vapiano schaffte bislang 10,3 %. Die 50 %-Marge von McDonalds dient aufgrund des Geschäftsmodells natürlich nur bedingt als Vergleich.

Anlegergeld für Altaktionäre

Vapiano muss sich anstrengen und hoffen, dass das Konzept mit kosmopolitischem Ambiente für eine junge urbane Zielgruppe auf Dauer trägt. Vapiano-Gäste geben nämlich im Schnitt nur 0,28 € mehr aus als bei McDonald´s, das pro Kopf auf 5,95 € kommt.

Profitiert haben vom Börsengang zumindest die Alteigentümer, die die Mehrheit halten. Vom Anlegergeld gehen ca. 99 Mio. € an die Mayfair-Vermögensverwaltung des Tchibo-Gründers Günter Herz, an den Vapiano-Gründer Gregor Gerlach, die Wella-Erben-Familie Sander und das Management.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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