Verwechslung von Rendite und Ertrag: Ein Trugschluss mit Folgen

Die Verwechslung von Rendite und Ertrag ist ein häufiges Phänomen. In der Praxis liegen zwischen diesen beiden Werten jedoch Welten. (Foto: JeJai Images / Shutterstock.com)

Bei Geldgeschäften kommt es auf die Rendite und das Risiko an. Bei dem Vergleich verschiedener Geldanlagen kann es jedoch schon einmal zu Missverständnissen kommen.

So geschieht es häufig, dass speziell die Rentabilität einer Anlage weit höher bewertet wird, als diese tatsächlich ausfällt. Grund dafür ist die häufige Verwechslung von Rendite und dem Ertrag von Geldgeschäften.

Die Leibrente: Die Verwechslung ist ein gefährlicher Trugschluss

Ein Beispiel macht deutlich, wie tückisch die Verwechslung von Rendite und Ertrag in der Praxis sein kann.

Ein 70-jähriger Rentner beschließt, aufgrund seiner bescheidenen Rente, einen Teil seines Vermögens zusätzlich in eine private Altersvorsorge zu stecken. Er will 100.000 € anlegen und entschließt sich für eine Leibrente.

In dem Glauben eine Investition getätigt zu haben, die jährlich ein Maximum abwirft, überweist er sein Geld an eine Versicherung. Diese sichert ihm zu, eine lebenslange Rente zu gewährleisten.

Rendite = Ertrag? Der Kontostand macht den Unterschied

Bei einem Eintrittsalter von 70 Jahren kann der Investor mit einer jährlichen Rente von 9.311 € rechnen, da die Zahlungen etwa 15 Jahre geleistet werden.

Da liegt es nahe, von einer jährlichen Rendite von 9,3 % auszugehen. Schließlich handelt es sich um einen Einsatz von 100.000 € und 15 jährlichen Rückflüssen von jeweils 9.311 €. Diese Rechnung jedoch hinkt.

Die Leibrente: Ein Entnahmeplan, bei dem das Kapital sinkt

In diesem Beispiel hat der Anleger die Rendite der Leibrente mit dem tatsächlichen Ertrag verwechselt. Denn schaut man genau hin, fällt auf, dass das Geschäft sich nur dann mit 9,3 % jährlich verzinst, wenn mit der letzten Rente auch das eingesetzte Kapital von 100.000 € zurückfließt.

Im Klartext: Wenn also die Einnahme im letzten Jahr nicht 9.311 €, sondern 109.311 € betragen würde, erst dann träfe eine Verzinsung von 9,3 % zu.

Bei der Leibrente ist dies jedoch nicht der Fall, da mit dem sinkenden Kontostand des Anlegers auch die Verzinsung abnimmt. Die jährliche Verzinsung liegt so nur bei 4,5 % pro Jahr.

Festverzinsliche Wertpapiere: Verwechslung von Rendite und Ertrag erlaubt

Festverzinsliche Wertpapiere sind die großen Konkurrenten der Leibrenten. Da der Anleger hier im Besitz seines Geldes bleibt und das Kapital in voller Höhe erhalten wird, sind der Ertrag und die Rendite identisch.

Allerdings hat auch dieses Konzept eine Kehrseite der Medaille: Die jährlichen Ausschüttungen fallen wesentlich geringer aus. Da der Anleger nur die Zinsen bekommt, liegen die Erträge bei 4.500 € jährlich.

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Wem die Rendite hoch genug ist und der jährliche Rückfluss zu niedrig, muss das Kapital angreifen, so dass der Kontostand sinkt. Mit der höheren Ausschüttung steigt aber nicht die Rendite der Anlage. Sie bleibt bei 4,5 % stehen.

Hohe Verzinsung und voller Erhalt: Ein (fast) unerfüllbarer Wunsch

In einem ersten Schritt sollte der Anleger die Entscheidung zwischen Erhalt oder Verzehr des Kapitals treffen, erst dann geht es um die Rentabilität.

Der Wunsch sowohl nach dem vollen Erhalt des Kapitals als auch nach einer hohen Verzinsung ist nachvollziehbar, oft jedoch nicht realistisch.

In der Regel gilt: Je höher der nominale Rückfluss ist, desto höher der Kapitalverzehr. Die Rendite wächst aber nicht mit.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.