Volkswagen Aktie – wenig Euphorie

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Die Aktie von Volkswagen wird vom Konzernumbau in Richtung Zukunftsfähigkeit bestimmt. Die Belastungen und Unsicherheiten sind erheblich. (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

Ein Unternehmen, das immer für Schlagzeilen sorgt, ist Volkswagen: Nach dem Dieselskandal 2015 kam die Welle mit Schadensersatzforderungen, in der Chefetage wurde aufgeräumt, neue Abgasstandards kosten Investitionen, die Entwicklung von E-Fahrzeugen umso mehr, neue Partner für Fahrdienste gesucht, in China bricht der Umsatz ein, US-Börsenaufsicht verklagt VW und Ex-Chef Winterkorn. Derweil plant man mit BMW und BASF den Bau von Batterien, streicht tausende von Stellen für die Zukunft und sieht sich von neuen Zöllen von Donald Trump oder Großbritannien bedroht.

Volkswagen-Aktie kämpft sich nur langsam nach oben

Seit ihrem Fall auf 92,3 Euro Mitte 2015 hat sich die Aktie von Volkswagen mit Ausschlägen wieder Richtung 150 Euro hochgearbeitet. Im Sommer letzten Jahres waren es sogar 183,7 Euro. Danach aber schlug die Kurskorrektur an den Aktienmärkten zu. Wer Aktien von Volkswagen besitzt, mag sich fragen, wie es um die Zukunft des Konzerns bestellt ist. Mit Problemen kämpfen derzeit auch andere Autobauer, sei es BMW, Daimler, Ford oder General Motors.

Angesichts aller Widrigkeiten waren die Zahlen zum Geschäftsjahr 2018 recht erfreulich. Der Umsatz stieg um 2,24 % auf 235,8 Mrd. Euro, der Gewinn nach Steuern konnte sogar um 6 % auf 12,15 Mrd. Euro zulegen. Fürs laufende Jahr rechnet der Konzern mit einem Zuwachs der Umsätze von bis zu 5 %. Nach Bekanntgabe der Zahlen legte die Aktie von Volkswagen zu.

Zugelegt hatte übrigens auch die Anzahl der Mitarbeiter, auf zuletzt 664.500. Hier aber will VW deutlich sparen. Freiwerdende Stellen werden teilweise nicht mehr besetzt. Insgesamt sollen bis zu 7.000 Jobs entfallen. Helfen soll dabei unter anderem die digitalisierte Fertigung. Zudem wird im wachsenden Bereich der Elektroautos 30 % weniger Personal benötigt. Deren Anteil in der Produktpalette von Volkswagen soll bis in zehn Jahren auf mindestens 40 % steigen. Gut 70 neue Modelle sind dafür geplant.

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Enorme Herausforderungen und Investitionen

Der Konzern hat ehrgeizige Ziele. Die aber gehen durchaus an die Substanz. Hatten bisher schon der Dieselskandal plus sonstiger Widrigkeiten und Umstellungen grob 30 Mrd. Euro gekostet, steht nun mindestens der gleiche Betrag für Investitionen in die Elektromobilität an. Generell kommt bei E-Fahrzeugen ein Weiteres hinzu: Batterien machen ca. 40 % der Wertschöpfung aus. Hier haben derzeit andere die Nase vorn. Neben Japan oder Korea vor allem in China, das darauf spekuliert, in der neuen Generation von Autos zur führenden Volkswirtschaft aufzusteigen.

Gemeinsam mit BMW, der PSA-Tochter Opel, BASF und einigen anderen will VW eine deutsche bzw. deutsch-französische Batterieproduktion aufbauen, damit der Anschluss an die Zukunft nicht verloren geht. Trotz staatlicher Beihilfen wird auch dies enorme Summen kosten. Und dann wären da noch die Entwicklungskosten für autonome Fahrzeuge oder der Aufbau von Fahrdiensten. Von Verbesserungen klassischer, bewährter Antriebsarten, die bisher zuverlässig Geld einfuhren, ist im Geschäftsbericht kaum noch die Rede.

Hohe Ambitionen und große Unsicherheiten

So wie auch andere wird Volkswagen langsam sein Gesicht verändern. Aus dem weltgrößten Autobauer wird vermutlich ein Mobilitätskonzern, bei dem herkömmliche Fahrzeuge nur noch einen Teil ausmachen. Inoffiziell sind die Bedenken in der Branche groß, ob die zahlreichen Baustellen nicht etwas ambitioniert und die Ziele so schnell zu erreichen sind. Das alles setzt voraus, dass die Erlöse weiterhin stimmen. Aber auch, dass etwa die Stromversorgung beim massenhaften Anstieg auf E-Mobilität und dem Umstieg auf grüne Energien reibungslos funktioniert.

Von ungelösten Umweltfragen angesichts Millionen neuer Batterien wird erst gar nicht gesprochen. PSA-Chef Tavares sprach in einem Interview von einem „drohenden Chaos“. VW-Chef Diess indes gibt sich zuversichtlich. Gut denkbar, dass alles schlicht etwas mehr Zeit braucht. Was aber, wenn es bis dahin Daimler gelingt, mit seiner von Temperaturen und Infrastruktur unabhängigen Brennstoffzelle den entscheidenden Stich zu machen? Dann hätte sich VW mit seinem Batterie-Schwerpunkt schlicht verzettelt.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.