Vor dem Computer-Zeitalter: Handel auf dem Börsenparkett

Was sich heute kaum noch jemand vorstellen kann, ohne Computer ging es auch. Selbst an der Börse: eine Definition des Parketthandels. (Foto: Gitanna)

Der Parketthandel ist nicht – wie man vielleicht vermuten könnte – ein Begriff aus dem holzverarbeitenden Gewerbe, sondern es dreht sich um Geschäfte mit Wertpapieren. In Zeiten, in denen es noch keine Computer gab, wurden natürlich auch schon Aktien gehandelt. Der An- und Verkauf von Wertpapieren wurde damals nahezu ausschließlich mithilfe des Parkett- oder Präsenzhandels betrieben.

Heute werden die meisten Wertpapiergeschäfte über elektronische Handelssysteme wie XETRA (in Deutschland) abgewickelt. Früher hingegen war üblich, dass sich die zugelassenen Händler an einem Ort, der Börse, trafen und den Handel mit Wertpapieren persönlich per Handzeichen oder Zurufe ausübten. Dadurch entstand oft ein buntes Treiben, das für Außenstehende oft wie ein wirrer Ameisenhaufen wirkte.

Parketthandel – kaum noch anzutreffen

Der Parketthandel in seiner ursprünglichen Form ist heutzutage so gut wie ausgestorben. Er ist nach und nach von computergestützten Handelssystemen verdrängt worden. Eines der wichtigsten Kriterien des Parketthandels – hier suchen Käufer unmittelbar einen Verkäufer und umgekehrt – ist verschwunden. Beim Handel über die Computer werden die Wertpapier-Aufträge ohne Rücksicht auf eine Person einfach nach Gegenpositionen abgesucht und nach den entsprechenden Vorgaben abgearbeitet.

Die Vorteile des Computerhandels liegen auf der Hand: Zum einen sind die elektronischen Systeme natürlich schneller als die persönlichen Geschäfte, zum anderen werden beim Computerhandel oft bessere Preise erzielt. Denn im Gegensatz zum Parketthandel wird beispielsweise bei XETRA unter Umständen ein Auftrag in mehrere Orders gesplittet. Was dazu führt, dass

  1. mehr Orders ausgeführt und
  2. eben ein vorteilhafterer Preis erzielt wird.

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Parketthandel – wo er stattfand und auch heute noch praktiziert wird

Der Frankfurter Börsensaal ist wohl – vor allem aufgrund der zahlreichen Fernseh-Übertragungen – der bekannteste Handelsplatz dieser Art in Deutschland. Filme oder Fotos von der US-amerikanischen New York Stock Exchange haben viele sicher auch schon gesehen.

An der Frankfurter Wertpapierhandelsbörse wurde der Parketthandel endgültig im Jahr 2011 eingestellt. In Österreich endete diese Form der Geschäfte mit Aktien und Co. bereits 1997, in der Schweiz wurde der Schlussstrich im Jahr 1998 gezogen.

Allerdings gibt es auch in Deutschland noch einige Regionalbörsen, wo am Parketthandel festgehalten wird. Z.B. wird auf diese Weise der Handel mit Optionsscheinen an der Stuttgarter Börse und an der Berliner Börse die Geschäfte mit Auslandswerten betrieben.

Beim Parketthandel dreht sich alles um Börsengeschäfte. Diese Form, Wertpapiere zu kaufen oder verkaufen, ist heute weitgehend durch Computer-basierte Handelssysteme ersetzt worden. Die typische Jahrmarkt-Atmosphäre ist blinkenden Servern gewichen.


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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.