Wachstumsprognose: Deutschlands BIP wächst aber Abkühlung droht

Die Wachstumsprognose für Deutschland beeindruckt, zeigt aber, dass der Höhepunkt in absehbarer Zeit überschritten ist. Die Abkühlung naht. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Allen Unwägbarkeiten zum Trotz, die deutsche Wirtschaft läuft nach wie vor rund. War der Dax noch bis Mitte März seit seinem Januarhoch bei 13.600 Punkten auf 11.00 Punkte abgerutscht, zieht er seitdem wieder steil an.

Gute Wachstumsprognose für Deutschland

Parallel erwartet die Bundesregierung das kräftigste Wirtschaftswachstum seit 2011. Nach 2,2 % im letzten Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2018 um 2,3 % zulegen und 2019 um 2,1 %. Dabei wurde die Wachstumsprognose für Deutschland unlängst leicht nach unten angepasst. Zuvor lagen die Erwartungen bei 2,4% Zuwachs im laufen Jahr.

Soweit die Wirtschaftsprognose für Deutschland aufgrund der Regierungsdaten, die Basis einer Reihe von Planungen sind, wie etwa die Steuerschätzung oder der Staatshaushalt. Als Anleger sollte man jedoch vergleichen. Je nach Institut und Quelle zeigen die Vorhersagen teils erhebliche Unterschiede.

Abgesehen von der EU-Kommission, die zu denselben Ergebnissen kommt, sieht der Internationale Währungsfonds für 2018 ein Wachstum von gar 2,5 %, die OECD 2,3 %, die Gemeinschaftsdiagnose der fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute landet bei 2,2 %, und das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln erwartet nur 2,0 %.

Mit Blick auf 2019 werden in drei Fällen 2,0 % vorhergesagt, nur die OECD kommt auf 1,9 %. Hierbei sind keine der zahlreichen Prognosen von vor April berücksichtigt, da sie wegen der fortlaufenden Änderungen der Grunddaten schlecht vergleichbar sind.

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Das sind die Vorboten einer Abkühlung

Angesichts eines Weltwirtschaftswachstums von 3,4 % in diesem Jahr hat die deutsche Wirtschaft genügend Exportpotenzial. Auch der Konsum, die Zahl der Beschäftigten sowie Löhne und Gehälter gehen nach oben. Letztere ziehen mit 4,7 % so stark an wie zuletzt 1992.

Insgesamt bedeutet die Wachstumsprognose für Deutschland: Hochkonjunktur. Von einer Überhitzung wird nicht ausgegangen. Was stört, sind „Engpässe bei den Transportkapazitäten und dem Angebot an Fachkräften“, so der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK).

Doch es gibt ganz andere Indikatoren, die eine Abkühlung erwarten lassen. Unter anderem politische Unwägbarkeiten wie Donald Trumps Protektionismus, der in gewissen Abständen in unterschiedlichen Formen aufflammt. Der bedrückt auch die deutschen Unternehmen.

So gießt das ifo-Institut Wasser in den Wein. Der Geschäftsklima-Index, der die Stimmung der deutschen Wirtschaft spiegelt, fällt nun zum fünften Mal in Folge. Dasselbe Bild übrigens in Frankreich. Hinzu kommen neue Bedenken, dass der rapide angestiegene Ölpreis die Wirtschaft abwürgen könnte.

Was man ebenfalls im Auge behalten sollte: Zinsen können in bestimmter Konstellation schlechte Vorboten sein. Die amerikanische Zinskurve nähert sich bedenklich einer Inversion, bei der die Zinsen für kurzlaufende Anleihen höher sind als die für Papiere mit langer Laufzeit. Vorsicht ist also angesagt. Der Höhepunkt könnte schon bald überschritten sein.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.