Waffenlieferungen aus Deutschland: das ist wichtig für Anleger

Waffenlieferungen aus Deutschland legen zu, auch wenn die Rüstungsexporte insgesamt nachgeben. Doch das Geschäft ist politisch und volatil. (Foto: Katja Pruess / shutterstock.com)

Wer bei Aktien von Rüstungskonzernen keine Berührungsängste hat, kann passable Gewinne einfahren. Seit dem Kampf gegen den islamistischen Terror, Russlands Muskelspielen gegenüber dem Westen und Donald Trumps Machtantritt haben sich die Auftragsvolumina der Waffenlieferanten  verbessert. Auch deutsche Hersteller profitieren.

Mehr Waffenlieferungen aus Deutschland

Doch Rüstung und Waffen sind ein hochpolitisches und volatiles Geschäft. Außerdem muss man hier schon genau hinschauen. Nimmt man etwa die jährlich veröffentlichten Waffenlieferungen aus Deutschland als Anhaltspunkt, so verwirrt es auf Anhieb, wenn im Rüstungsexportbericht einerseits von einer Zunahme, andererseits von rückläufigen Zahlen gesprochen wird.

Grund: In Deutschland sind Waffenlieferungen zwar Rüstungsexporte, die laut Grundgesetz durch die Regierung genehmigt werden müssen. Dabei unterscheidet der Gesetzgeber aber zwischen Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern.

Typische Kriegswaffen sind Panzer, Gewehre oder Raketen. Zu den sonstigen Rüstungsgütern gehören etwa Schutzhelme oder Zielgeräte. Dass es hier zu Überschneidungen und Streitereien bei der Zuordnung kommt, liegt auf der Hand.

Großaufträge dominieren 

Mit Blick auf 2016 verringerte sich die Zahl der genehmigten Exporte von Rüstungsgütern: von zuvor 7,86 Mrd. € auf 6,85 Mrd. €. Nicht ganz die Hälfte davon ging in die EU, an Nato-Staaten oder gleichgestellte Verbündete. Der Rest verteilt sich auf Drittländer.

Umgekehrt das Bild sozusagen bei den echten Waffenlieferungen. Deutschland exportierte, inklusive Kleinwaffen, Kriegsgerät im Wert von rund 2,5 Mrd. €. Das sind gut 1 Mrd. € mehr als 2015. Nahezu alles ging in dem Jahr an Drittländer. Algerien erhielt eine bereits 2012 genehmigte Fregatte, Katar bekam Panzer und Südkorea U-Boote. Auftragswerte also, die von Jahr zu Jahr unterschiedlich hoch sein können.

Kleinwaffen wiederum gingen fast nur an Bündnisländer. Auch hier gab es einen Anstieg: von zuvor rund 32 Mrd. € auf 46,9 Mrd. €. Das größte Kontingent für ein Drittland erhielt die kurdische Regionalregierung im Irak, die gegen den „Islamischen Staat“ (IS) kämpft. Die Miliz wird von deutschen Soldaten ausgebildet und verwendet vor allem Gewehre von Heckler und Koch.

Saudi-Arabien verzichtet auf Leopard

Insgesamt gingen die Rüstungsexporte jedoch deutlich zurück. Und der Trend hält auch 2017 an. Dazu tragen die Debatten um einzelne Lieferungen in Drittländer bei. Saudi-Arabien etwa, das im Jemen aktiv ist, mit deutschen Panzern gegen Demonstranten in Bahrein vorging und nun gegen Katar wettert, will wegen der Querelen hierzulande auf weitere Leopard-Panzer verzichten.

Dennoch läuft es etwa für Rheinmetall gut. Das Unternehmen fertigt unter anderem die Gefechtstürme des Leopard sowie Munition, Haubitzen, Schützen- und Radpanzer. Nach einem neuen Großauftrag der Bundeswehr dieser Tage erhielt die Aktie Unterstützung. Auf Jahressicht konnte die Aktie im Mdax um 62,76 % zulegen – mehr als die meisten Rüstungskonzerne in dem Zeitraum.

Zwar schaffte es auch Airbus auf 43,48 %, doch hier ist die Rüstung nur ein Teil des Konzerns. Gleiches gilt für ThyssenKrupp mit seiner U-Boot-Sparte. Der Panzerhersteller Krauss-Maffei-Wegmann wiederum ist keine Aktiengesellschaft und richtet sich in der Fusion mit dem französischen Mitstreiter Nexter neu aus. Auch Diehl sowie Heckler und Koch firmieren als GmbH.

ETFs auf US-Rüstungskonzerne

Bleibt also lediglich Rheinmetall als reine deutsche Rüstungsaktie. Im internationalen Vergleich spielt sie aber nur eine Nebenrolle. Wer sich für Rüstungsaktien interessiert, kommt an den US-Playern Lockheed Martin, Northrop Grumman oder dem britischen BAE-Konzern nicht vorbei.

Wer will, kann von der Performance der amerikanischen Rüstungsbranche mit einem von vier ETFs auf den Sektor profitieren. Der größte ist iShares U.S. Aerospace & Defense. Er bildet die Wertentwicklung von 40 amerikanischen Unternehmen im gleichnamigen Dow Jones Branchenindex ab.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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