Warren Buffett – nach Verlusten neu abheben

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2018 musste Warren Buffett Verluste einstecken, besonders wegen Apple und Kraft-Heinz. Nun steht die größte Airline auf dem Kaufzettel. (Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com)

Günstige Aktien mit viel Potenzial ausfindig machen und mit dieser Value Strategie richtig Rendite machen, gehört zu den Markenzeichen von Starinvestor Warren Buffett. Verluste, zumindest im größeren Umfang, sind bei ihm selten. Die Aktie seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway brachte seit ihrem Start im Jahr 1965 im Schnitt 18,5 % jährlich. In der Anlegerwelt orientieren sich viele an seinen Entscheidungen.

Umso mehr sorgte unlängst für Aufmerksamkeit, dass Warren Buffet herbe Verluste im Schlussquartal letzten Jahres hinnehmen musste. Ein Minus von 25,4 Mrd. US-Dollar drückte die gesamte Jahresbilanz 2018. Unterm Strich sind 4 Mrd. US-Dollar verblieben. Im Jahr zuvor waren es fast 45 Mrd. US-Dollar.

Die Verluste Warren Buffetts im richtigen Licht

Mit Blick auf den Verlauf des Jahres 2018 zeigt sich ein erhebliches Auf und Ab. Im ersten Quartal verzeichnete Warren Buffet Verluste, im zweiten und dritten Quartal zweistellige Milliardengewinne und im vierten Quartal schließlich der erwähnte Einbruch. Als ein Grund für die ungewöhnlichen Sprünge werden neue Bilanzierungsregeln genannt, nach denen Kursgewinne und Verluste zur Bewertung nun jedes Quartal und nicht mehr erst beim Verkauf von Aktien berücksichtigt werden.

Die Verluste selbst spiegeln zum guten Teil die Einbrüche an den Aktienmärkten – Beispiel Tech-Aktien. Die waren aus einer überaus hohen Bewertung abgestürzt. Und entgegen seiner üblichen Strategie hatte Buffett zuvor Apple-Papiere zu hohen Preisen aufgestockt. Nach dem Kursrutsch „günstig“ nachzukaufen, hat er allerdings vermieden. Das Geschäftsmodell von Apple sieht Buffett mittlerweile skeptischer. Bei Google und Facebook hält er sich vorläufig ebenfalls zurück. Hauptgrund: Man könne sie kaum noch richtig bewerten. Folglich wurden deren Beteiligungen erheblich verringert.

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Dumm nur, dass es auch bei grundsoliden Aktien gelegentlich daneben geht. Die Aktie des Konsumgüterherstellers Kraft-Heinz hat auf Jahressicht fast die Hälfte verloren. An dem Unternehmen ist Buffett noch zu 27 % beteiligt. 2013 hatte er zusammen mit einem Finanzinvestor Heinz für 28 Mrd. US-Dollar gekauft, mit Kraft Foods fusioniert und an die Börse gebracht. Den Kaufpreis sieht er im Nachhinein als zu hoch, doch am Unternehmen hält er auch in Zeiten von Umstrukturierungen fest.

Mit Southwest in neue Höhen

Berkshire Hathaway selbst präsentiert sich trotz der ungewöhnlichen Verluste an der Börse stabil. Auf Jahressicht gab es immerhin ein Plus von fast 9 %. Wie groß die Investmentgesellschaft ist, zeigt allein der Börsenwert von fast 500 Mrd. US-Dollar. Das entspricht den Gewichten von Allianz, Linde, SAP, Siemens und VW zusammen. Und das Unternehmen sitzt auf Barmitteln von 112 Mrd. US-Dollar. Die meisten Aktienkurse sind derzeit wohl zu hoch.

Unverändert bleibt vermutlich der Bankensektor mit 34,5 % deutlich übergewichtet. Außerdem profitiert Berkshire Hathaway einstweilen beachtlich von Dividenden. Gleichzeitig werden die Barmittel benutzt, um eigene Aktien zurückzukaufen. Für Anleger ergibt sich daraus noch keine klare Richtung, die als Richtschnur dienen könnte. Allenfalls die Tatsache, dass Buffett anscheinend überlegt, die rentable Luftlinie Southwest Airlines mehrheitlich zu übernehmen.

Bislang ist er mit 8,7 % beteiligt und setzt auf eine weitere Marktbereinigung in der Luftfahrtbranche. Auch Branchentitel wie Lufthansa dürften von dem Trend profitieren. Viele sind derzeit noch unterbewertet und haben Luft nach oben.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.