Warten auf Gewinne verdirbt Appetit auf Delivery Hero-Aktie

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Die Aktie von Delivery Hero ist mit Vorsicht zu genießen. So wie die Konkurrenz steckt der Essenslieferer unverändert in den roten Zahlen. (Foto: Mano Kors / shutterstock.com)

Mit Blick auf nachhaltige Dienstleistungen lautet seit jeher die Devise „gegessen und getrunken wird immer“. Sind die Kunden zufrieden, sollte die Gastronomie laufen. Dies wird längst um eine neue Variante erweitert: Der Markt für Essensauslieferungen wächst. Für das Brot- und Buttergeschäft zur Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse auf Rädern steht in Deutschland vor allem Delivery Hero. Die Aktie notiert seit ihrem Börsengang im Juni 2017 im MDax, brachte seither aber gemischte Ergebnisse.

Delivery Hero: Aktie braucht neue Nahrung

Profitiert hatte auf jeden Fall der Inkubator Rocket Internet, der den Anbieter an die Börse brachte. Auch wer sich die Aktie von Delivery Hero damals zum Ausgabepreis von 25,50 Euro zugelegt hatte, konnte sich letzten Juni über eine Verdoppelung des Einsatzes freuen. Danach aber sackte sie auf ein Niveau zwischen 31 Euro und 35 Euro ab. Fertige Gerichte vom Restaurant der Wahl ins Haus, auf dieses Geschäftsmodell setzen auch andere. Die Online-Plattformen kämpfen um Marktanteile.

Größter Konkurrent ist Takeaway aus Amsterdam, hierzulande vor allem durch Lieferando bekannt. Die Niederländer konnten im Juni dieses Jahr die Schweizer Sparte von foodarena übernehmen, dem Ableger von Delivero Hero. Die Aktie des deutschen Anbieters gab daraufhin kräftig nach, obwohl er sich mit dem Verkauf finanziell etwas Luft verschaffte.

Man wolle sich auf Märkte mit den größeren Wachstumschancen konzentrieren, hieß es seitens Delivery Hero. Immerhin ist trotz rapide steigender Umsätze das operative Ergebnis unverändert tief in der Verlustzone. Nach kurzer Erholung fiel das Papier im Herbst erneut steil bergab: Amazon wolle, den britischen Anbieter Deliveroo übernehmen, so das Gerücht zu der Zeit. Am Markt ging die Angst vor einer neuen Dimension im Preiskampf um, sollte ein derartiges Schwergewicht in den Markt einsteigen.

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Es folgten Befürchtungen, auch Delivery Hero selbst, könnte Ziel von Übernahmegelüsten werden. Der ganze Abwärtstrend der Aktie wurde seit August zudem von der Aussicht befeuert, die Gewinnzone werde erst weit nach dem ursprünglich geplanten Zeitraum des Jahres 2019 erreicht werden. Anlass war die Präsentation der Halbjahreszahlen, bei denen CEO Niklas Östberg umfangreiche Investitionen in Höhe von 80 Mio. Euro verkündete. Profitabilität benötige eine Mindestgröße, hieß es.

Der Markt steckt in den Anfängen

Anfang November aber stimmten die neuesten Zahlen versöhnlicher. Für 2018 wird mit einem deutlichen Umsatzanstieg auf rund 780 Mio. Euro gerechnet. Eine Prognose zum möglichen Übergang in die Gewinnzone wurde zwar nicht gemacht, dennoch konnte sich das Papier etwas erholen. Am bisherigen Jahresverlust von 17 % allerdings ändert das wenig. Die Aktie des Konkurrenten Takeaway indes brachte die letzten zwölf Monate zumindest gut 4 % Plus.

Dennoch schreibt auch Takeaway unverändert rote Zahlen. Das Geschäft mit Essenslieferungen ist alles andere als einfach. Als Anleger, der nicht gerade mit überflüssigem Spielgeld unterwegs ist, sollte man bei beiden Anbietern kritisch zur Kenntnis nehmen, dass die Verluste bislang nicht wirklich reduziert werden konnten. Einige mögen quasi als Ergänzung in Hello Fresh investiert haben.

Der Kochboxenanbieter, der ebenfalls von Rocket Internet auf die Börse gehoben wurde, zeigt ein ähnliches Bild. Zudem überlegt Delivero Hero, künftig ebenfalls Zutaten zum Selbstkochen zu liefern. Was ein direkter Angriff auf Hello Fresh wäre. Letztlich ist der ganze Markt noch zu sehr in den Anfängen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.