Warum Cisco Systems zu einer Softwarefirma werden will

Erst Ende August hatte der US-Netzwerkausrüster Cisco Systems den Softwarespezialisten Springpath für 320 Mio. US-$ übernommen. Nicht ohne Grund, denn der weltgrößte Router-Hersteller kämpft mit Wachstumsproblemen.

Im jüngsten Quartal schrumpfte der Cisco-Umsatz um 4 % gegenüber dem Vorjahr auf 12,1 Mrd. US-$. Das Hardware-Geschäft rund um Switches- und Netzwerk-Router fiel um 9 % auf 5,3 Mrd. US-$ zurück. Die Zahlen offenbaren die Probleme von Cisco.

Der weltgrößte Netzwerkausrüster ist nach wie vor stark vom Hardware-Geschäft abhängig und dies machte sich zuletzt auch in der Kursentwicklung negativ bemerkbar: Während die Cisco-Aktie in den letzten 12 Monaten seitwärts tendierte, legten breitere Indices wie zum Beispiel der Nasdaq um etwa 20 % zu.

Warum Cisco Systems zu einer Softwarefirma werden will

Doch warum läuft das Hardware-Geschäft so schlecht? Die Ursache liegt darin, dass immer weniger Firmen Cisco-Hardware wie Switches und Router benötigen, da Firmen zunehmend ihre IT-Infrastruktur in die Cloud verlagern.

Denn durch die Verlagerung in die Cloud können Firmen hohe Anschaffungskosten für Hardware vermeiden, denn die Rechenkapazitäten werden je nach Bedarf angemietet. Zudem macht die Cloud Unternehmen wesentlich flexibler, was den Ausbau des Geschäfts betrifft.

Dies hat zur Folge, dass die Nachfrage nach Cloud-Ausrüstung und Softwarelösungen wie sie der Cisco-Konkurrent Arista Networks anbietet, steigt, während Cisco mit einer schrumpfenden Nachfrage in seinem Hardware-Geschäft zu kämpfen hat.

Cisco reagiert mit Zukäufen auf die Hardware-Misere

Der jüngste Zukauf von Springpath war nicht der einzige Schritt von Cisco Systems, sich zu einer Softwarefirma zu wandeln. Schon im Jahr 2015 schluckte Cisco den Cloud-Softwarespezialisten Piston Cloud, um seine eigene Cisco Intercloud zu unterstützen.

Mit der Cisco Intercloud will der Netzwerkausrüster quasi als Mittelsmann zwischen verschiedenen Cloud-Anbietern und den von Kunden betriebenen Datenzentren auftreten. Cisco-Kunden können mithilfe der Intercloud von einer Cloud Plattform aus mittels Cisco-Software Aufgaben (Workloads) in die Cloud verlagern und verwalten.

Allerdings spielt das Software-Geschäft bei Cisco Systems trotz der Zukäufe in den letzten Jahren noch keine dominante Rolle. Bei einem geschätzten Jahresumsatz von rund 48 Mrd. US-$, dürfte das Softwaregeschäft in diesem Jahr rund 16 Mrd. US-$ beitragen, schätzt beispielswiese Deutsche Bank Analyst Vijay Bhagavath.

Allerdings erwartet der DB-Analyst, dass das Softwaregeschäft bei Cisco in den nächsten Jahren zweistellig und damit deutlich schneller als das Hardware-Geschäft wachsen wird.

Cisco Systems ist noch keine Softwarefirma, aber auf den Weg dorthin

Cisco Systems ist auf einem guten Weg, sich in eine Softwarefirma zu wandeln. Noch ist Cisco aber nicht am Ziel seiner Wünsche. Anleger können erwarten, dass Cisco diesen Weg weiter fortsetzen und sich auch mit ausgesuchten Übernahmen im Softwarebereich weiter verstärken wird. Noch aber ist Geduld angesagt, denn auch das Fiskaljahr 2019 dürfte nochmals mager ausfallen, was das Umsatzwachstum angeht.

Für Anleger stellt sich daher die Frage nach Alternativen. Als ein ernstzunehmender Cisco-Konkurrent hat sich in den letzten Jahren der Cloud-Ausrüster und US-Netzwerkspezialist Arista Networks hervorgetan, der mit hohen zweistelligen Wachstumsraten glänzen kann.

18. September 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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