Warum der Goldpreis neue Höhen erlebt

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Dass der Goldpreis zieht spürbar anzieht, erklärt sich mit der US-Geldpolitik und Krisen wie der Zuspitzung in Sachen Brexit. (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

Wie schwer es ist, bei Geldanlagen Vorhersagen zu treffen, zeigt einmal mehr die jüngste Entwicklung beim Goldpreis. Hatte er bereits zu Jahresbeginn von seinem Tief bei 1.175 US-Dollar durchgestartet und Kurs auf die Marke von 1.300 US-Dollar genommen, so liegt er bereits deutliche darüber. Tendenz steigend.

Goldpreis über 1.300 US-Dollar

Wirklich überraschend ist dies nicht, immerhin gibt es seit geraumer Zeit eine Reihe von Faktoren, die den Goldpreis zumindest stützen. Unklar war allerdings, wie es mit einigen der potenziellen Treiber weitergehen würde, die erst dieser Tage zur Entfaltung kamen. So war die Abstimmung zum Brexit Ende Januar eher Gegenstand von Wetten. Nun läuft sie zunächst doch auf einen harten EU-Ausstieg hinaus. Sorge bereitet nicht nur das bedrohliche Szenario an sich.

Die nahezu irrationale Sturheit, mit der britische Hardliner die eigene Wirtschaft schädigen und den Rest Europas mit parteiinternem Machtkalkül zum Feind britischer Interessen erklären, lässt Befürchtungen aufkommen, die an Donald Trump erinnern: eigene Interessen durchdrücken um nahezu jeden Preis.

Was zum nächsten Sprengsatz führt, der sich jetzt auftut. Waren noch unlängst im Handelsstreit zwischen den USA und China Signale der Entspannung aufgekommen, so sorgt nun der politisch brisante Streit um den chinesischen Telekom-Riesen Huawei für Spannung. Der Spionageverdacht durch die USA und ein Ausgrenzen des Konzerns ziehen schrille Töne nach sich. Die harte Gangart zeugt von höchster politischer Brisanz. Die Nervosität greift längst auch auf andere Länder über.

Krisen und US-Geldpolitik

Dies sind die politischen Krisen, die viele zur Flucht einen sicheren Hafen veranlassen und den Goldpreis treiben. Dann wäre da noch die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank, die zu den grundlegenden Stützen zählt. Wenn auch kaum überraschend, so war die jüngst veröffentliche Entscheidung, die Zinsen zunächst unverändert zu lassen immerhin eine Bestätigung.

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Damit werden zum einen Anleihen nicht attraktiver, was das Interesse an Gold zumindest nicht schwächt. Schwächen dürfte dies aber den Dollar. Davon profitieren gerade Schwellenländer, deren Auslandsschulden auf Dollar-Basis günstiger wird. Gleichzeitig werden in Dollar gehandelte Rohstoffe günstiger, wozu auch Gold gehört. Das in Indien oder China vor allem als Schmuck extrem begehrte Edelmetall wird damit wieder erschwinglicher.

Zu den fundamentalen Einflussfaktoren zählt auch die wirtschaftliche Entwicklung. Während die Zinsentwicklung und der Dollarkurs vielen Schwellenländern einerseits Entlastung bietet, wird die Konjunkturerwartung der Weltwirtschaft von den fortlaufenden Verunsicherungen belastet. Damit ist man wieder bei den Krisenherden wie Brexit oder dem eskalierenden Handelsstreit.

Chancen für internationale Entspannung

Wird der Goldpreis also mittelfristig sogar die Marke von 1.400 US-Dollar übersteigen oder nach einem Anstieg eher seitwärts laufen? Was den Einfluss der beiden großen Brandherde angeht, so gibt es eine wesentliche Überlegung: Gleich ob Brexit oder Handelsstreit, hoch pokern mag erhebliche Kollateralschäden anrichten.

Es ist eine Taktik, möglichst viel herauszuholen. Doch Drohkulissen haben selten das Ziel, tatsächlich auch sich selbst ins Chaos zu stürzen. Vorausgesetzt, die Beteiligten geraten nicht in eine Abwärtsspirale, bei der alles aus dem Ruder läuft. Die Chancen, dass letztlich die Hemmung vor massiver Selbstschädigung überwiegt, sind nach wie vor sehr hoch.

Und sind die Fronten nach langer Spannung erst einmal geklärt, ist die anschließende Erleichterung umso größer – auch an den Finanzmärkten. Mit etwas Geschick kann man vom einstweilen steigenden Goldpreis profitieren. Gerade in physischer Form aber ist Gold eine Langfristanlage und zum Spekulieren kaum geeignet.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.