Warum emittieren Unternehmen 100-jährige Anleihen?

Die Laufzeit einiger Anleihen beträgt 100 oder sogar 1.000 Jahre. Ihre Emittenten wollen dabei von der Nachfrage des Marktes profitieren. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Obwohl es selten vorkommt, emittieren einige Unternehmen dennoch Anleihen (bringen sie also in Umlauf), welche die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen übersteigen.

Beispielsweise haben in der Vergangenheit multimilliardenschwere Konzerne wie Walt Disney oder Coca Cola Anleihen mit einer Laufzeit von 100 Jahren emittiert.

Allerdings beinhalten viele dieser Anleihen und Schuldverschreibungen die Möglichkeit für den Emittenten, die Schulden lange vor der eigentlichen Fälligkeit zurückzuzahlen – entweder teilweise oder komplett.

Ein Beispiel: Die 100-jährige Anleihe, die Disney im Jahre 1993 ausgegeben hat, wird dementsprechend im Jahre 2093 fällig. Allerdings kann das Unternehmen bereits nach 30 Jahren (2023) damit beginnen, seine Schulden abzubezahlen.

Unternehmen geben solche Anleihen heraus, um von der Nachfrage des Marktes zu profitieren.

Diese besteht von Seiten einiger institutioneller Anleger. Sie nutzen 100-jährige Anleihen, um die Bindungsdauer ihrer Anleihenportfolios zu verlängern und somit bestimmte Anlageziele auf Basis dieser Dauer zu erreichen.

Einige Börsenanalytiker sehen darin einen Indikator für eine bestimmte positive Konsumentenstimmung bezüglich einzelner Firmen.

Schließlich spricht die Investition in solch langfristige Anleihen für viel Vertrauen des Anlegers gegenüber dem Unternehmen. So könnte eine erhöhte Nachfrage bezüglich der 100-jährigen Disney-Anleihe bedeuten, dass viele Menschen an ein langes Fortbestehen des Unternehmens glauben.

Denn würden sie ein Fortbestehen in Frage stellen, wäre eine Investition in das Unternehmen sinnlos, da es seine Schulden sehr wahrscheinlich nicht abbezahlen könnte.

Es existieren sogar 1.000-jährige Anleihen. Einige Emittenten (wie die „Canadian Pacific Corporation“) haben solche Anleihen in der Vergangenheit herausgegeben. Außerdem hat es bereits Anleihen gegeben, die ohne Fälligkeitsdatum emittiert wurden – mit der Folge endloser Kuponzahlungen.

Die britische Regierung hat des Weiteren sogenannte konsolidierte Staatsanleihen bzw. Konsols (engl. „consols“) emittiert, die ebenfalls unendliche Kuponzahlungen beinhalten.

Diese Finanzpapiere werden auch als „ewige Rente“ bezeichnet.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.