Warum Facebook über Kryptowährungen nachdenkt

Facebook-Chef liebäugelt mit der Blockchain-Technik und Kryptowährungen: Was können Anleger erwarten? (Foto: Ink Drop / shutterstock.com)

Die Facebook-Aktie erreichte zu Jahresbeginn ein neues Rekordhoch bei rund 188 US-$, im vergangenen Jahr legten die Anteilsscheine des sozialen Netzwerks um mehr als 50 % zu. Eigentlich könnte sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg zufrieden zurücklehnen.

Doch der Schein trügt. Falschnachrichten (Fake-News), Hasskommentare und Zensurbestrebungen bedrohen Facebook als Plattform und könnten das künftige Nutzerwachstum ausbremsen. Zuckerberg hat bereits reagiert und Änderungen im Facebook Newsfeed angekündigt, wodurch persönliche Inhalte wieder stärker in den Vordergrund rücken sollen.

Doch noch ein weiterer Trend könnte die Vorherrschaft von Facebook bedrohen. Die Rede ist von Dezentralisierung durch Blockchain-Technologie.

Facebook denkt über Kryptowährungen nach

Aktuell ist Facebook der unbestrittene Platzhirsch unter den sozialen Netzwerken. Mit seinen Plattformen Facebook, WhatsApp und Instagram betreut der Gigant aus Kalifornien weltweit mehrere Milliarden Nutzer.

Doch Alternativen wie Steemit verzeichnen regen Zulauf und sind in den vergangenen Monaten rapide gewachsen. Der Grund: Facebook ist sehr zentralisiert. Nicht nur die Facebook-Nutzerdaten und Inhalte liegen relativ zentral auf Facebook-Servern, was ein gewisses Sicherheitsrisiko ist, wenn Facebook tatsächlich gehackt werden würde.

Auch kassiert der Social Media Gigant den Großteil der Gewinne aus den Werbeeinnahmen, Facebook-Nutzer gehen bislang weitgehend leer aus – dies verspricht Steemit zu ändern. Mit einer Blockchain und Kryptowährungen.

Steemit macht´s vor – Facebook könnte folgen

Bei Steemit handelt es sich um eine Social Media Plattform, die auf einer Blockchain (Steem) basiert. Ergänzt wird das Ganze durch eine gleichnamige Kryptowährung Steem, über die Nutzer Stimmrechte auf der Plattform erwerben können.

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Autoren können Texte und Bilder auf Steemit hochladen, die andere Nutzer auf der Plattform bewerten können. Interessante Artikel werden dabei mit Steem Dollar belohnt, eine Kryptowährung, die ebenfalls an verschiedenen Kryptobörsen gehandelt wird. Laut Steemit-Angaben wurden seit Juni 2016 bereits mehr als 22,7 Mio. US-$ an Autoren auf Steemit ausgeschüttet.

Der Erfolg der Steemit-Plattform und Blockchain-Technologien hat inzwischen auch andere soziale Netze wie Kik auf den Plan gerufen. Der kanadische Messenger-Anbieter hat inzwischen mit KIN seine eigene Kryptowährung auf den Markt gebracht.

Auch der Messenger-Anbieter Telegram mit über 100 Millionen Nutzern im Monat plant eine eigene Blockchain mit einer eigenen Kryptowährung. Ein Initial Public Offering (ICO) ist noch in diesem Jahr geplant.

Fazit: Die Technik ist noch nicht reif

Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg will sich die Blockchain-Technik nun näher ansehen und herausfinden, wie diese Technologie Facebook als Plattform weiter voranbringen kann. Sollte Facebook den Schritt in Richtung Dezentralisierung gehen, dürfte wohl eine eigene Kryptowährung folgen. Doch bis es soweit ist, dürfte noch viel Zeit vergehen, denn die heutigen Blockchain-Technologien sind noch nicht in der Lage, eine so große Anzahl von Nutzern (mehrere Milliarden) zu tragen.

Zum Beispiel schafft die Ethereum-Blockchain aktuell gerade mal 15 bis 20 Transaktionen pro Sekunde – völlig unzureichend für Facebook, auf der jede Sekunde 13 Millionen Anfragen verarbeitet werden müssen. Pro Minute werden außerdem über 500.000 Kommentare veröffentlicht und über 130.000 Fotos hochgeladen. Tagtäglich werden auf Facebook insgesamt 4 Petabytes an neuen Daten erzeugt.

Kurzum: Anleger und Facebook-Nutzer werden sich noch in Geduld üben müssen, bis Facebook – wenn überhaupt – eine eigene Kryptowährung auf seiner Plattform einführen wird. Solange werden konkurrierende soziale Netze versuchen, die Vorteile der Blockchain für sich zu nutzen, um Facebook Nutzer abspenstig zu machen.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands