Warum Gilead Sciences 12 Mrd. US-$ für Kite Pharma ausgibt

Ende August sorgte der US-Biotech-Gigant Gilead Sciences für einen Paukenschlag: Für 11,9 Mrd. US-$ übernahm Gilead das kleine US-Biotech-Unternehmen Kite Pharma, das zuvor nur mit etwas mehr 2,3 Mrd. US-$ an der Börse bewertet wurde.

Kite Pharma gilt als Spezialist für  sogenannte CAR-T-Zelltherapien gegen den Krebs. Mit einer Art Gentherapie versucht Kite Pharma die zuvor vom Patienten entnommenen körpereigenen Immunzellen so neu zu programmieren, dass sich das Immunsystem des Körpers selbst helfen und die Krebszellen abtöten kann.

Viele Anleger fragen sich nun, ob Gilead mit dem Zukauf von Kite Pharma ein ähnlich transformativer Deal gelungen ist, wie seinerzeit (2011) die milliardenschwere Übernahme von Pharmasset, die Gilead fundamental verändert und der Gilead-Aktie zu einem Höhenflug verholfen hat.

Mit der Übernahme von Kite Pharma setzt sich Gilead an die Spitze bei zellbasierten Krebstherapien. Diese Gentechnik-basierten Krebstherapien wird ein großes Zukunftspotenzial bescheinigt, da diese nicht nur effektiver, sondern auf lange Sicht auch kostengünstiger sein könnten als langwierige Chemotherapien.

CAR-T-Zelltherapie gilt als Durchbruch im Kampf gegen den Krebs

Das revolutionäre an CAR-T-Zelltherapien ist die kurative Behandlungsmöglichkeit von Krebspatienten, die bereits mit mehreren Metastasen zu kämpfen haben. Bei diesen Patienten schlägt die herkömmliche Chemotherapie meist nicht mehr an, was bedeutet, dass diese Patienten oft dem Tode geweiht sind.

Hier bietet die CAR-T-Zelltherapie einen Ausweg, denn in ersten Untersuchungen hat sich gezeigt, dass CAR-T-Zelltherapien selbst bei aussichtslosen Fällen, eine komplette Remission (35 bis 95 % der Fälle) herbeiführen können.

Daneben ist die zellbasierte Krebstherapie relativ schonend für den Körper. Dies bedeutet, dass körpereigene Immunzellen so stimuliert werden, dass lediglich Krebszellen zerstört werden, während gesunde Zellen verschont bleiben – dies ist bei der klassischen Chemotherapie meist nicht der Fall.

Kite Pharmas KTE-19 mit Blockbuster-Potenzial

Kite Pharma ist hier mit seinem eigenen Wirkstoffkandidaten Axicabtagene Ciloleucel (Axi-cel) kurz KTE-C19 am Start, der speziell nach Krebszellen mit dem Protein CD19 sucht und damit hilft, die körpereigenen Immunzellen gegen den Krebs zu mobilisieren.

KTE-C19 hat seine beeindruckende Wirkungsweise bereits in fortgeschrittenen klinischen Tests bewiesen, wobei die Gentherapie Ende 2017 bzw. Anfang 2018 vor der Zulassung stehen dürfte. Analysten erwarten bei Kite Pharma in 2018 daher bereits einen Jahresumsatz von 200 Mio. US-$, nach voraussichtlich 40 Mio. US-$ in 2017. Insgesamt trauen Analysten dem Medikament von Kite Pharma einen Spitzenumsatz von 2,0 bis 2,5 Mrd. US-$ pro Jahr zu.

Kite Pharma mit umfangreicher Pipeline

KTE-C19 ist jedoch nicht der einzige Wirkstoff von Kite Pharma. Das Biotech-Unternehmen hat noch diverse andere Wirkstoffkandidaten in der Pipeline, die auf andere Tumorarten abzielen. Dazu gehört zum Beispiel auch Kite-585, eine Zelltherapie, die sich für die Behandlung des Multiplen Myelom eignet. Ergänzt wird die Pipeline von diversen T-Zell-Rezeptoren (Kite-718, Kite-439).

Fazit: Gilead durch Übernahme von Kite Pharma mit neuem Wachstumspotenzial

Unter dem Strich verschafft sich Gilead Sciences durch die Übernahme von Kite Pharma nicht nur neues Wachstumspotenzial, sondern auch mehr Unabhängigkeit von seinem bisherigen Kerngeschäft mit HIV- und Hepatitis-C-Medikamente (HCV).

Umsatzrückgänge im HCV-Geschäft bereiteten Analysten zuletzt zunehmend Sorgen. Durch die Übernahme von Kite Pharma schlägt Gilead einen offensiven Weg ein, um die zu erwartenden Rückgange in den kommenden Jahren aufzufangen.

Für Anleger bedeutet dies, dass sich die Konsolidierung bei der Gilead-Aktie, die seit Mitte 2015 andauert, möglicherweise seinem Ende nähert, wenn es dem Forscherteam rund um Kite Pharma gelingt, die Krebsbehandlung in den nächsten Jahren tatsächlich zu revolutionieren.

Anleger sollten aber auch beachten, dass Investments in Biotech-Aktien immer auch ein vergleichsweise hohes Risiko bedeuten. Wenn sich die gewünschten Forschungserfolge nicht einstellen und Wirkstoffe floppen, drohen deutliche Kursverluste. Für Anleger, die dieses Risiko scheuen, sind Beteiligungsgesellschaften wie BB Biotech oft die bessere Wahl.

11. Oktober 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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